VW Caddy – ein Hauch von US-Ehrerbietung

So sieht kaum noch ein Caddy aus, den man heute als Youngtimer kaufen kann

Pick-Ups haben es in Deutschland nicht leicht – eigentlich muss man sich immer erklären, wenn man einen kauft, wahrscheinlich schon wegen des Wetters: Was soll man eigentlich hier ernsthaft auf einer offenen Ladefläche unterbringen, wenn man nicht gerade Förster ist?

So erscheint es denn auch nur logisch, dass VW seinen Pickup „Caddy“ zunächst unter dem Namen „Rabbit Pickup“ auf dem US-Markt anbot. Rabbit hieß dort auch der Golf, womit die Rolle klar war, während man sich in Deutschland praktisch Zeit ließ, bis der Golf I, auf dem der Caddy unübersehbar basierte, beinahe abgelöst war. Dann jedoch blieb der Caddy immerhin bis 1992 im Programm. Die letzten Neuzulassungen registrierte das KBA sogar erst 1994 – und das waren beinahe ausschließlich Fahrzeuge der Deutschen Post, die den Caddy sehr mochte und ihn mit allerlei lustigen Aufbauten in den Kampf um die tägliche Zustellung schickte.

Recht realistisches Bild der Caddy Szene – und der ist wenigstens noch nicht übertrieben

Im realen Leben hatten die meisten Caddy zunächst Firmen als Eigner und daher auch den 54PS Diesel unter der Haube. Aber bald bildete sich rund um den Caddy eine ausgeprägte Tuning-Szene. Schließlich ließ sich so ziemlich alles, was an einen 17er Golf oder den ersten und zweiten Scirocco passte, auch irgendwie in den Caddy implantieren – beispielsweise auch der GTI 16V mit 139PS…

Das ist in großen Grenzen schwachsinnig – das zu leichte Heck mit der belastbaren aber wenig kurvenfreudigen Starrachse hatte bei Weitem nicht die Reserven, die ein Golf der ersten Serie, ein Jetta Youngtimer oder ein Scirocco bieten. So vergriffen sich leider viele Schwachköpfe über die Jahre am Caddy.

Das war die eine Fraktion – die andere nutze ihn als billigen Lastesel. Hier spielen vor allem Beulen, Kratzer und Rost eine Rolle. Gerne auch nachlässig reparierte Elektrik und ähnliche Späße – alles keine rechte Freude.

Einen guten originalen Caddy zu finden, ist daher heute praktisch unmöglich. Wir hatten vor 2 Jahren mal das Glück, einen im Niederländischen Den Bosch zu finden, der noch so gut wie neu war -und den hat man uns praktisch an der Deutschen Grenze gleich für’s Doppelte wieder aus der Hand gerissen, um ihn umzubauen.

Bleibt im Rahmen, auch preislich

Ein klassischer Youngtimer ist der Volkwagen Caddy also nicht – er ist Tuningobjekt und Lasthure, gepaart mit bedenklicher Strassenlage in extremen Fahrsituationen. Ansonsten gilt für ihn natürlich alles, was auch für andere TYP17er VWs gilt: Überschaubar, belastbar, verlässlich, auf typischen Rost achten und die Achswellen, beziehungsweise die Faltbälge im Auge halten.

Im Gegensatz zu manchem erstrebenswerten Youngtimer jedoch ist der Caddy durch seine komische Marktsituation preislich im Grunde lächerlich: Die getuneten Exemplare kosten schnell mal 5.000, 8.000 oder auch 10.000€. So ist der Volkswagen Caddy am Ende auch als Youngtimer nicht wirklich massenfähig – aber durchaus ein Auto für Leute, die für überschaubares Geld auffallen wollen. Die besten Exemplare gibt es immer noch in den angrenzenden Europäischen Ländern.



2 thoughts on “VW Caddy – ein Hauch von US-Ehrerbietung

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