Die ausgestorbene Idee: Aus Brot mach Kaviar

Ja - aus dem Rekord konnte man echt was machen. In der Phase traute Opel sich noch was

Aus Brot mach Kaviar… das war eine Option der 70er und 80er, die viele lustige Fahrzeuge hervorbrachte, die aber auch auffällig ausgestorben ist…. Oder- genau betrachtet hat sich heute die Marketingstory vielleicht einfach von der Vertikalen in die Horizontale verlagert.

Aber mal langsam: Wovon reden wir hier? Der Marketeer nannte es eine Zeit lang Badge Engineering – und eigentlich kommt das dem Namen nach aus Amerika, also irgendwie wie immer. Bedeutet: Man nimmt ein Brot und Butter-Fahrzeug, klebt ein teureres Logo vorne dran und verkauft es für mehr Geld.

In Deutschland jedoch setzte sich eine andere Spielart durch, vor allem, um in die Oberklasse vorzustoßen.

Kult-Klassiker dieser Idee ist der Opel Commodore. Bereits 1967 nahm Opel den Rekord C, jazzte ihn ein wenig auf – wie beispielsweise mit dekorativeren Sitzen oder Vinyldach, hier und da ein bisserl Chrom und dickere Motoren – und nannte ihn Commodore. Das ging einige Jahre lang gut. und wurde in den nächsten 2 Modellgenerationen fortgesetzt.

Der Senator A hatte einen groben unerreichten Charme - zu gern hätten wir den noch vom bulligen Omega B gesehen

Ende der 70er setze Opel gar noch eins drauf und blähte die Karosse des Rekord noch eine Nummer höher zum Senator auf. Audi spielte das gleiche Spiel: Warum sollte ein Audi 100 nicht für mehr Geld als 200er verwendnet werden können – oder gar im Senator-Sinne gar am Ende als Audi V8?

Hersteller wie Opel und Audi erkauften sich mit diesen heutigen Youngtimern und Oldtimern den Eintritt in die Oberklasse zum fairen internen Preis, da keine echte Neukonstruktion vorgenommen werden musste.

Gleichzeitig jedoch wurde mit den Jahren immer klarer, dass diese Art der Oberklasse von den Kunden nicht mehr ausreichend honoriert wurde.

Ein Highlight des badgings: Audi 200

Ob das wirklich an den Kunden lag, bleibt dabei aus heutiger Sicht unklar. Ebenso gut könnte es auch ein Stück weit an Organen wie der Auto Motor und Sport gelegen haben, die diese Idee über Jahre systematisch schlecht schrieben und ständig darauf hinwiesen, dass dies in irgendeiner Weise nicht das sei, was man in der Oberklasse erwarten dürfte.

Lassen wir diesen Streit die Historiker entscheiden. Fakt ist, dass auf diese Weise ein paar Autos entstanden, die die Automobilwelt in Farbe und Form bereicherten. Wir würden gerne wissen, wie die Commodores und Senatoren heute aussehen würden – ganz speziell, da Opel dieses Segment heute nicht mehr abdeckt, während Audi mit den Enkeln des Audi 200 zu einer festen Größe geworden ist. Bei Opel war mit dem Senator B Schluß – und selbst der Omega ist zwischenzeitlich verstorben.

Aber mit dem Sterben des Commodore C ließ sich damals schon ein Opel-Manager auf die Frage nach dem Nachfolger zitieren: „Wir können uns den Commodore nicht mehr leisten“ – für die zuletzt lächerlich geringe Verkaufszahlen war selbst der gemachte Aufwand nicht mehr zu rechtfertigen.

Was haben wir heute davon? Eigenartiger Weise haben wir mehr badge-cars denn je. Speziell der VW Konzern fertig unfassbar viele – nur, dass die Geschichte heute anders erzählt wird. Ich nehme nicht mehr Fahrzeug A, addiere Chrom und nenne es Fahrzeug A+ – das geschieht heute, indem ich einen Golf nehme, ihn aufwertete und Audi A3 nenne.

Darüber regt sich die Auto Motor und Sport nicht auf.

Eigenartig.

8 Gedanken zu „Die ausgestorbene Idee: Aus Brot mach Kaviar

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