Youngtimer im Fokus: Chrysler Saratoga, Mr. Smooooth

Einfach eine scharfe Linie, so ein Ami – der Saratoge besticht durch einfache Klarheit – seine Nachfolger wirken dagegen regelrecht experimentell und desorientiert

Das zweitcoolste am Chrysler Saratoga ist sein Bordcomputer – der zeigt gerne lustige Sachen an, wie etwa den Verbrauch.

Das coolste am Saratoga ist sein Heck – denn das halten viele Leute irrtümlich für was richtig heißes. Als ich den Wagen damals noch hatte, wurde er aufgrund seines repräsentativen Hecks tatsächlich zweimal gar für einen Rolls Royce gehalten ;->

Gut – das zeugt von Ahnungslosigkeit, zeigt aber auch klar auf, daß der Youngtimer Chrysler Saratoga echte Repräsentations-Qualitäten hat – da macht er gegenüber vielen anderen Amis keine Ausnahme – der Wagen macht was her, mehr als man von Bildern alleine meinen mag. Sicher: Der Saratoga ist im Grunde schon ein beinahe winziger US-Schlitten – aber allein die schiere Anwesenheit von rechten Winkeln zeugt von einer irgendwie lässigen Dekadenz, die man eben bei Europäern und Japanern aus dieser Phase nicht mehr unbedingt findet.

Ganz entschieden die coolste Ansicht des Saratoga Youngtimers – und die Farbe Weiß steht ihm einfach gut

Die setzt sich im Innenraum fort. Steigt man in den Saratoga ein, hat man das Gefühl, der Wagen sei ein Füllhorn – er ist innen irgendwie größer als außen. Das gilt vor allem für die hintere Sitzbank, vor sich fürstlicher Raum auftut. Zum Teil resultiert der aus einer etwas kurzen Sitzauflage, aber Raum ist wirklich reichlich vorhanden im Youngtimer Chrysler Saratoga. Der Kofferraum ist ein wenig kleiner als man vermuten würde – hat aber eine Durchreiche, was den Saratoga sympathisch praktisch macht.

Es muss nicht immer Leder sein… Ausnehmend brauchbare Innenausstattung – Chrysler Saratoge Youngtimer von 1990

Die standesgemäße Motorisierung des Saratoga ist eindeutig der 3 Liter Sechszylinder mit vergleichsweise lächerlichen 141PS – gekoppelt mit einer satten seidenweichen Automatik entsteht hier einer der besten Gleiter, die man zu einem solchen Preis erwerben kann. JEDOCH – hier kommt wieder der Bordcomputer ins Spiel – im Verbrauch hinterlässt das durchaus Spuren… Der Bordcomputer zeigt standardmäßig das für ein deutsches Hirn schwer denkbare Maß „MPG – Miles per Gallon“. Also: Wie viel mal 1609 Meter schafft Saratoga mit 3,785 Litern? Soviel sei verraten: Am Anfang nicht besonders viele…

Offen gestanden: bei mir waren es zu Beginn eher 12 bis 14MPG… man schafft später bessere Werte – aber dennoch wird man in diesem Punkt mit dem Chrysler nie so recht warm. Man kommt später tatsächlich hier und da mit 10,5 Litern auf 100KM aus – aber nur, wenn man sich wirklich beherrscht, aber dann reden wir wirklich davon, das Gaspedal zu streicheln.

nicht riesig, versöhnt aber durch Flexibilität: Saratoga-Kofferraum

Der Wagen hat grundsätzlich ein Top Format für den europäischen Markt und nimmt auch nicht mehr Platz im Parkhaus weg als ein Opel Rekord oder Ford Granada. Aber mehr Flair als diese hat der Chrysler dabei allemal.

Leider haben sich die Reihen des Chrysler Saratoga Youngtimers bereits reichlich gelichtet – nicht, weil der Wagen nicht haltbar wäre – es gab einfach von Anfang an nicht übermäßig viele Saratogas in Deutschland. Das Cabrio – in Deutschland unter dem Namen LeBaron verkauft, obwohl zunächst technisch weitgehend identisch – war in Deutschland der ganz entschieden größere Hit und wurde vielleicht auch noch etwas liebevoller gepflegt. Wobei man hier auch beim Saratoga nicht meckern kann. Der Wagen ist technisch grundsätzlich ohnehin sehr artig und einfach gestrickt – Elektrik ist kein Highlight und Spiegelverstellung und Fensterheber sind typische Kandidaten für Fehler. Aber alles in allem ist der Saratoga ein einfacher Kandidat – überschaubar und recht verlässlich. Verlässlich ist im übrigen auch der 97PS Motor von Mitsubishi, der beim Saratoga alternativ im Angebot war. Auf dem Papier wirkt der auch gar nicht schlecht, da er mit Handschaltung einen Großteil der fehlenden 45PS kompensiert. Aber Spaß macht er einfach keinen.

Youngtimer-Schnittmuster der Extraklasse – so bekommt es auch Dein 5jähriger mit dem Bleistift hin…. aber wer kann so eine Linie heute noch….?

Das gilt in Teilen auch für den Frontantrieb des Wagens – der ist in seiner Geometrie sehr amerikanisch: Gerät Wasser unter die Räder, drehen sie schnell durch; auf Schnee versteht man schnell, warum die Schneefall-Bilder aus den USA immer so lustig aussehen. Traktion ist wirklich nicht die Stärke des Saratoga Youngtimers…

Immerhin: das Velours kann was. Beim Chrysler Saratoga muss es nicht unbedingt Leder sein. Und auch das lustige Lenkrad, das bereits diverse Bedienknöpfchen auf der breiten Prall-Platte hat, unterhält standesgemäß, auch wenn es nur Kunstleder-ummantelt ist ;->

Dekorativ…. und irgendwie strahlt er diesen Hauch von Freiheit und Abenteuer aus, oder?

Niederlande und Schweiz – das sind die Top-Länder, um noch an gute Saratogas zu kommen. Wobei die gerne mal 100.000 Meilen und mehr drauf haben, weil der Saratoga einfach so ein angenehmes Reise-Auto ist, der vor allem auf Langstrecke bei gleichmäßigem Tempo überzeugen kann – kein Wunder bei dem Herkunftsland.

Die Nachfolger sind nicht mehr so cool, nicht mehr so US-stylish – der Saratoga ist einer der letzten vernünftigen weichen Gleiter – und zum Teil unter 2000€ zu haben.

…. smooooootttthhhhh!



7 Gedanken zu „Youngtimer im Fokus: Chrysler Saratoga, Mr. Smooooth

  1. Ich hab seit 1990 den 2,5 Ltr. in weiß und ich liebe ihn – kann damit dem Kommentar voll zustimmen. Ein Fehler ist in dem Text – nicht der 2,5 Ltr-Motor ist von Mitsubishi , sondern der 3 Ltr V6 ! Der 2,5 Ltr-Motor ist ein echter Chrysler -Langhuber !!!!

  2. … yo, der 2,5 ér mit 97 bzw 101 PS ist ein Chrysler-Motor; den hatte ich auch im Le Baron Cabrio – temperamentvoll wie ´ne Wanderdüne, aber in Verbindung mit dem robusten 3 Gang Automaten ein cooler Cruiser, der auch meistens unter 10Ltr/100 geblieben ist. Seit geraumer Zeit bin ich auf das sebring-cabrio umgestiegen … hier ist der Fourbanger von Mitsubishi, ein 2 Ltr / 16 V DOHC, der die selben technischen Daten wie der 600KG leichtere Mazda MX5 aufweist und daher nicht so recht zum 5 Meter Cruiser „MS Sebring“ passen will … 🙂

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