Sportler von der Stange, die erste: Honda Prelude

Großes Kino der 80er Jahre

Wem ein Manta oder ein Capri bereits zu seriös wirkten, was zugegebenermassen aus heutiger Sicht schwer vorstellbar ist, der hatte in den 80er und 90er Jahren eine Alternative, die er heute nur noch in Youngtimer-Kreisen hat: den Honda Prelude.

Und auch nur dort kann man sich an den Wagen erinnern…

Aber wer Stone Washed Jeans eng mochte, Haare zwischen Nasenspitze und Lippe mochte
 und leider den Thomas-Magnum-Ferrari nicht zahlen konnte, der wurde bei Honda fündig – und das ist gar nicht mal despektierlich gemeint; es entsprach einfach dem Trend der Zeit und manch einem, der hier intuitiv schmunzelt sei ein Blick in Familienalbum empfohlen ;->

Aber der Prelude konnte durchaus mehr. Die in die Youngtimer-Zeit fallenden Modelle der Serie 2 [1982-1987] und Serie 3 [1987-1992] gingen einen eigenartigen Spagat in gleich mehrere Richtungen ein. Einerseits wuede hier mit Großserientechnik operiert – die meisten

In den 80er Jahren häufiger Gast im Rückspiegel: Drängler-Front des Honda Prelude

Teile fanden sich auch im damaligen Honda Accord oder im heutigen Youngtimer Honda Civic. Diesen Spagat gingen auch die Sciroccos, Capris und Mantas ein – der Prelude versuchte jedoch auch gleichzeitig, 2 Schritte weiter zu gehen, nämlich brutale Strassenlage mit HighTechkomponenten auf die Räder zu stellen.

Und das gelang außergewöhnlich gut.

Wer sich heute in einem Prelude setzt und ein paar Minuten fährt, der wird sich schon nach kurzer Zeit bei atemberaubenden Kurvengeschwindigkeiten erwischen. Das frontgetriebene Fahrwerk, vor allem, wenn breitere Reifen montiert sind, hat einen GoCart Charme brutalster Direktheit, den man bei heutigen Autos so schmerzlich vermisst. Da ist das geringe Gewicht, die ungefilterte Strasseninformation, die Sportsitze, die auch Thomas Magnum gemocht hätte und Motoren, die all das mitmachen.

Solange…. Ja, Solange es ausreichend trocken ist. Der Wagen, der dieses Schinen-Gefühl verleiht, ist nämlich dennoch ein Fronttriebler aus den 80ern. Wer auf Nässe in Kurven

War schon ein verdammt flachliniger Sportler, der Honda Prelude - gemessen daran sah ein nicht getunter Manta aus wie ein Biedermeier-Wohnzimmer...

reindröhnt wie ein 19jähriger auf dem Weg zu seiner Angebeteten, der lernt die Bedeutung des Wortes „Untersteuern“ einmal am Leibe spüren, wie er das vielleicht gar nicht so gern will.

Das ist leeicht kontrollierbar und immer noch voll auf der sicheren Seite – aber eben nicht für 19jährige auf dem Weg zu ihrer Angebeteten. Und da landete dann so mancher Prelude in den 80er Jahren am Baum – obwohl man sich so sicher gefühlt hatte. Leider führte das zeitweilig zu hohen Versicherungsprämien, die aber mittlerweile wieder auf dem Boden angekommen sind. Wie gesagt- da gehören sie auch hin, denn das ist Fahrverhalten total kontrollierbar, aber eben völlig anders, als man das von der trockenen Strasse kennt. Der Prelude ist für Youngtimer-Verhältnisse wirklich ein Landstrassentraum, wenn er auch mit dem Scirocco II in engen Kurven nicht mithalten kann.

Aber Honda rüstete auf: ABS serienmäßig war mitte der 80er ein Wort – und nicht nur das: Generation 3 des Honda Prelude Youngtimers wartete gar mit Technik Schmankerln wie der Allradlenkung 4ws auf – von einem Ausstattungsniveau, das einen zeitgenössischen Scirocco in die Holzklasse des Armenhauses katapultierte, mal ganz abgesehen.

Ganz schön flach, oder? Obwohl der Wagen schon was her machte und nach mehr aussah: Thomas Magnum wäre hier einfach nicht eingestiegen - Manni aus Herne-Wanne schon...

Schaut man mit heutigen Augen auf die Leistungsdaten der Prelude Youngtimer, fällt es einem beinahe ein wenig schwer, solchen Aufwand zu glauben: 105 – 140PS wurden da aufgerufen. Aber hier tritt eben Relation der Jahre ein: 140PS waren damals der Level von 230E, Scorpio 2.9 und gut motorisierten 100er Audis – und diese Kraft kam in einer leichteren Karosserie daher.

Beiden Modellen tun breitere Reifen gut – nicht nur optisch, es passt auch insgesamt zum fahrereischen Charakter des Autos. Immerhin wurde die dritte Auflage von allen möglichen Instutionen zum Top-Handling Car gewählt – wie gesagt, zurecht – mit einer Ausnahme: Die Servolenkung ist normalerweise einfach zu smooth – sie geht schlicht und ergreifend zu leicht, was hin und wieder zu nervösen Zuckungen bei hohem Tempo führt. Beim Modell der Serie 3 gibt es diese Unart nicht mehr.

Knackiger Po? Nein. Markantes Heck: Ja. - Klare Abrisskante beim Modell der Serie 3 verleiht dem Wagen entschieden mehr Wucht und Prestige - alles in allem ist die 3er Serie des Prelude-Youngtimers die bessere Wahl

Alles in allem ist der Honda Prelude ein gutes Rundum-Paket mit coolem Proll-Flair. Die Preise schwanken stabil unter 3.000€ – im Regelfall deutlich darunter. Für einen Hingucker nicht zuviel. Hierbei gilt: Die Serie 2 steht nicht so sehr im Interesse – die Serie 3 hat scheinbar deutlich mehr Charme.

5 Gedanken zu „Sportler von der Stange, die erste: Honda Prelude

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.