Von wegen Hausfrau: Porsche 924

Schlicht: Youngtimer 924, unabhängigkeit von Karosseriemoden garantiert

Der Porsche 924 stand vielleicht zu seinem Start unter einem schlechten Stern – dennoch ist er heute einer der interessantesten Youngtimer, die man in diesem Segment kaufen kann.

1976 vorgestellt und bis 1988 solide modellgepflegt ist der Porsche 924 noch verhältnismäßig reichhaltig auf dem Markt vertreten. Und das, obwohl er sich erst einmal verspotten lassen musste. Wer Porsche sagte, meinte 911, also Boxer, Heckmotor, Luftkühlung. Der 924 war der Gegenentwurf: Motor vorn, wassergekühlt, Reihenvierzylinder – und dann auch noch einer, den man auch im Audi 100 kaufen konnte, und noch schlimmer: Im Transporter LT.

Das ging ja gar nicht… „Hausfrauenporsche“ machte schnell die Runde und wurde ein ähnlich geflügelter Begriff wie Jahre später „Baby Benz“ für den 190er Mercedes W201. Dennoch sprach sich auch sehr schnell herum, dass Porsche hier zwar ein nicht ganz billiges Auto auf die Räder gestellt hatte – gleichzeitig auch eines mit hervorragendem Werterhalt und ausgezeichneter Haltbarkeit. Ab 1978 wurde dies noch dadurch unterstrichen, dass der 924 vollverzinkt ausgeliefert wurde, was seine Krrosserie-Haltbarkeit erheblich steigerte, während viele seiner Mitstreiter wie etwa das Alfa Coupe, sich als eher rostfreudig erwiesen. Und langsam begannen die Leute zu verzeihen. Am Stammtisch mochte der eine oder andere noch spotten – aber es ging vorwärts – und als der zunächst blutleere 924 1988 in Rente geschickt wurde, da war manch einer wirklich traurig – zumal zu diesem Zeitpunkt kein relevanter Nachfolger in Sicht war. Dennoch sprachen die Verkaufszahlen eine deutliche Sprache: Gegen Ende der Bauzeit gingen sie signifikant zurück und entzogen dem 924 die wirtschaftliche Berechtigung. Aufbauend auf dem Grundkonzept erschienen immerhin noch der 944 und später der 968 – heute beides gesuchte Klassiker, während es beim 924 einen Moment gedauert hat.

Der Porsche 924 Youngtimer wird zum Teil in den Modefarben unserer Eltern angeboten, die ihm beinahe etwas schrilles verleihen können – bei den späteren Modellen sind gedeckte Töne verbreiteter

Heute aber ist er zweifelsfrei cool, seine Simplizität irgendwie anziehend. Angefangen mit seiner unfassbar schlichten und klaren Form, die vor und nach ihm kein Porsche hatte. Die mag zunächst blutleer erscheinen – bei längerer Betrachtung jedoch ist sie auf eine fantastische Weise zeitlos, weil sie keiner Mode unterlag.

Und das gilt für den 924 eigentlich durchgängig. Er fährt sich auch aus heutiger Sicht noch immer ausgezeichnet, ausgewogen, berechenbar. Das gilt vor allem für die späteren Modelle, deren stärkerer Motor [160PS im letzten Baujahr] in seiner Leistungscharakteristik ausgezeichnet zu dem Wagen passt und ihn auch deutlich dynamischer macht.

Das gilt theoretisch auch für den 924 Turbo mit 170PS – praktisch ist der 924er Youngtimer mit diesem Motor keine gute Wahl, da er bei weitem nicht die Ausgewogenheit der schwächeren Maschine bietet.

Typisches 924-Problem: gerissene Sitzbezüge – die trennen an der schwachen Naht früher oder später immer auf

Kann man sich mit dem 924 auf ein Porsche-Treffen wagen? Mittlerweile schon – obwohl man sich dort mit dem 911er natürlich immer besser angezogen fühlt. Natürlich ist der 924 weitaus erschwinglicher: 3.000€ erlaubt dem Erwerb von Exemplaren, die vorzeigbar sind und hier und da eine Macke haben – gute kosten 5-7.000€ – dafür gibt es den 911er bis zur A-Säule…

Einen 924er zu kaufen, gelingt selbst 23 Jahre nach seiner Einstellung hin und wieder noch beim Porsche Händler. Solche Exemplare befinden sich dann in neuwagenähnlichem Zustand. Die Masse der Porsche 924, die man findet, befinden sich in Zustand 2-3 und sind im Regelfall rostfrei bis rostarm, da eben auch werksseitige Vollverzinkung nicht pauschal für immer vor Rost schützt.

Die Innenräume tun sich häufig deutlich schwerer. Die Sitze beispielsweise reissen an den Nähten der Sitzfläche gerne ein – das ist zwar eigentlich recht leicht zu beheben, wird aber gerne mal schleifen gelassen. Ebenso waren die verwendeten Kunststoffe nicht immer top. Viele Leute behandelten Sie zudem in den 80ern mit Cockpit-Spray, was die Kunststoffe nicht gut vertragen. Speziell das Cockpit in Richtung Frontscheibe bleicht stark aus – je nach verbauter Farbe – und wird porös. Porös und gerne mal abgebrochen sind auch die verwendeten Fensterkurbel, die im Prinzip denen entsprechen, die man auch im Passat oder Golf I findet. Von denen besorgt man sich am besten mal 5 Stück, dann hat man ruhe, denn die Guss-Konstuktion taugt nichts.

Modell der letzten Serie: Zeitlos

Teuer zu ersetzen sind Schäden an der hinteren Seitenscheibe, die sollte man also eines genauen Blickes würdigen – ebenso die Heckscheibenheizung einem Funktionstest unterziehen – die gehen überproportional kaputt und führen dann zu nervtötender Fehlersuche. Ansonsten gilt die Zündung als anfällig, während die üblichen verdächtigen wie Motor, Getriebe, Schaltung beim Porsche 924 auch im Youngtimer-Alter normalerweise noch einen guten Job machen.

Wer einen 924er Youngtimer erwirbt, bekommt ein cooles Stück automobiler Kultur geliefert, das sich auch heute noch hervorragend für den Alltagseinsatz eignet, auch Verbrauch und Versicherungskosten halten sich hier angenehm im Rahmen.

Alles in allem hat sich der 924 über die Jahre gemausert – obwohl er unauffällig ist, kann man ihn heute als wichtigen Youngtimer nicht mehr übersehen. Und eins erlaubt er Dir auch: Du kannst in der Kneipe lässig den Porsche-Schlüssel auf den Tisch legen ;->

Und Fahrspaß bereitet er bis heute.

4 Gedanken zu „Von wegen Hausfrau: Porsche 924

  1. Ich habe einen 44er Serie I Bj. 1983, zetzt mit H Kennzeichen. Vllt. sollte ihn hier auch mal vorstellen. Sind ja tlw. auch noch in einem vernünftigen Preisrahmen. Sonst schöne Berichte, ein guter Blog.

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