Mercedes W140 – der Palast unter den Oberklasse-Youngtimern

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Der Youngtimer-Trümmer: Mercedes Benz W140

Сутенер ist ein ziemlich wichtiges Wort für W140-Besitzer – oder auch Pimp слинг… muss aber nicht sein – viele Vorbesitzer sprechen Deutsch und viele Käufer tun es auch, denn der Mercedes W140 tritt nun immer mehr den Siegeszug der Szene an, den seine Vorgänger W126, W116 und W108 / W109 schon lange hinter sich haben.

Allerdings mit etwas gebremstem Tempo, was im wesentlichen drei [gute] Gründe hat. Viele der Besitzer in zweiter oder dritter Hand gingen diffusen Gewerben nach und taten das in Ländern, die auf der Karte weit rechts von uns liegen. Das fegte den Markt schneller leer als einem lieb sein konnte. Ein weiterer guter Grund ist sicherlich der, dass der Mercedes W140 als unwirtschaftlich gilt, was leider mehr als zutreffend ist und vor allem für die frühen Jahrgänge vor dem Facelift gilt.

mercedes W140

Insignien der Macht mal anders: V12-Signet und Peilstäbe…

Mercedes W140 – zunächst kein Erfolg

Der dritte Grund ist der, dass der W140 zunächst mal kein Erfolg war – im Gegenteil: Erstmals wurde er vom 7er BMW outperformed, der so viel schlichter, eleganter und vor allem weniger protzig wirkte. Selbst die Audis V8 und A8 konnte ihm phasenweise gefährlich werden. All das schrumpft den Markt natürlich. Aber wir reden immer noch von einem Mercedes der by nature dennoch lange erhalten wird. Das lässt uns immer noch einen recht üppigen Markt übrig – und hinzu kommt: Der Wagen wurde ja immerhin bis 1998 gebaut. Sekundenlang mag man sich da fragen: Ist das denn dann schon ein Youngtimer? Ja, schon aus den angeführten Gründen – und: Weil er drinnen noch so schön oldschoolig und benzig ist – und nicht zuletzt, weil es kaum einen Wagen gibt, der ein derart brutales Qualitätsgefühl vermittelt wie der Mercedes W140 Youngtimer.

Immer noch ein Garant für Langstrecken-Entspanntheit: Mercedes Benz W140er Youngtimer mit fetten Sesseln

Der Mercedes W140 Youngtimer fühlt sich wirklich an, als habe man ihn aus Stein gemeißelt. Die Sitze sind überdimensioniert, die Türen obszön schwer, der ganze Wagen ein Denkmal der Überdimensionalität, ein Trumm, eine fahrende Burg, wie es sie kein zweites mal gibt und je wieder geben wird.

All das vermittelt ein sehr klassisches Gefühl eines großen Wagens, gepaart mit den modernen Annehmlichkeiten, von denen speziell dieser Benz normalerweise ausreichend an Bord hatte – Klima, Leder, das ganze Programm, gerne auch schon mal ESP, bei dem Mercedes der gesamten Zunft vorauseilte – ohne das Elch Desaster wäre das vielleicht sogar noch eine ganze Zeit lang so geblieben.

Hier aerbeitete der Vorstandsvorsitzende in den 90ern: Youngtimer 600SEL

Mercedes W140 und der Rost

Leider hat der W140 ein teilweise ähnliches Rostproblem wie der W210 – speziell um Schlösser und Griffe herum rostet er gerne, Radlauf sowieso, Einstiege sind auch gern gesehen Gäste beim Karosserie-Schneider. Das hat nicht einmal was mit mangelnder Pflege zu tun. Gepflegt allerdings wurden tatsächlich nicht alle S-Klasse Youngtimer vom Typ W140 gleichermaßen. Speziell der 600er V12 war leider bei breitschultrigen Idioten vom Schlag „Grundschulabschluss und dicke Arme“ ein gern gesehenes Statussymbol, das sich traditionell keiner von ihnen ernsthaft leisten konnte. So sind gerade diese wundervollen Fahrzeuge häufig schon in 6. oder 8. Hand, haben diverse Enteignungen hinter sich und Monate auf Hinterhöfen von Leasing-Banken verbracht… Ein echtes Trauerspiel.

Kommt immer noch gut zum Staatsempfang

Der V12 – so geil er sich ja wirklich fährt – wird einfach nie günstig. Die ökonomische Grundgelassenheit eines W126 260E hat ein solches Fahrzeug einfach nicht zu bieten. Er ist ein schlimmer Säufer – und selbst, wer sich das leisten kann, streckt häufig genug die Waffen, wenn die Versicherung die erste Rechnung schickt. Da kann die Quartalszahlung schon mal auf einer Höhe landen, die man als Jahresbeitrag interpretiert… Schuld daran haben auch die Versicherungs-Betrügereien, zu denen speziell der W140 gerne herangezogen wurde.

Leider gilt ebensolches für den Betrug beim Gebrauchtwagenverkauf. Da findet man Exemplare mit 90.000 KM auf der Uhr, die ein total abgegeriffenes Lenkrad aufweisen und noch den Zettel im Motorraum baumeln haben, der auf den nächsten fälligen Ölwechsel bei 282.000KM hinweist ;->

Snapshot from the Benz Family Album: Der W140 fügt sich majestätisch aber wiederwillig der Linie des Hauses.

Alles in allem kann der W140 mit seiner palastartigen Ruhe und seiner coolen Fettleibigkeit schon den einen oder anderen um den Finger wickeln. Dennoch gilt bei roher Betrachtung: Der Wagen mag seinen ureigenen benzigen Charme haben, unbestritten. Der W126 ist die ökonomisch coolere Wahl mit weit mehr Patina, der BMW E32 der ausgewogenere Oberklasse-Youngtimer, der Lexus LS400 der interessanteste Rivale, der W124 mal wieder die Wahl der Vernunft…

Preislich in der W140 eher wirr und natürlich stark pflege-abhängig. 600er sind immer überteuert, der 400er stellt im Grunde den besten Kompromiss dar. 4.000€ sollte man für den immer mitbringen, gerne auch mehr, während für den 600SEL auch fünfstellige Summen verlangt werden.



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