Youngtimer restaurieren in Polen?

Kaum gestohlen, schon in Polen war eine dieser Stammtisch-Bemerkungen, die man am Stammtisch in den 80ern so oft wiederholen konnte, wie man wollte – irgend jemand lachte immer… Mittlerweile hat sich einiges getan – Polen wird immer europäischer, geklaute Autos tauchen heute eher in Kirgisien wieder auf – aber die Abwertung der polnischen Währung, die die Deutschen gerne fälschlicherweise „Tslohtie“ aussprechen, ist Arbeitskraft in Polen nach wie vor konkurrenzlos günstig – objektiv sogar günstiger, als noch vor 2 Jahren – und da war sie schon ziemlich günstig.

Aber ist günstig auch gleich gut? Geht diese Rechnung auf? Ist Youngtimer Restaurieren in Polen sinnvoll??

Die Erfahrungen unserer Leser auf Youngtimer-Portal hierzu sind zwar durchaus sehr gemischt und unterschiedlich – was jedoch auffällt, ist, dass es sich hier zum Teil auch um Einzelfälle handelt. Da findet man immer wieder Berichte von schlampigen Reparaturen – jedoch effektiv auch nicht mehr als bei Deutschen und natürlich zum halben Preis.

Speziell, wer Eigenarbeit leistet, hat bei den teuren Operationen eine riesen Spar-Chance

Ein Manko jedoch ist natürlich eingebaut, will man Youngtimer in Polen restaurieren: gibt es etwas zu reklamieren, muss der Wagen vielleicht wieder auf den Hänger und 1000 Kilometer gen Osten gekarrt werden – das kosten Zeit, Geld und Nerven.

Aber alles in allem überwiegt das Positive. Viele der cleveren großen Werkstätten in Grenznähe sind jedoch mittlerweile auf dieses Geschäftsmodell eingeschossen und haben vernünftige Netzwerke gebildet, holen Autos auch ab für vernünftige Kosten. Czarnecki ist so einer und Ernst Chalupa. Die haben sich über die Jahre einen Namen in diesem Bereich gemacht, haben große saubere Werkstätten und können so ziemlich alles in diesem Bereich.

Fair betrachtet ist ihre Arbeit preiswert und gut, auch im Lackbereich ist hier alles möglich, was in Deutschland unbezahlbar wäre. Für eine Komplettlackierung eines Audi Coupé von 1981 haben wir vor 4 Jahren mal 300€ bezahlt – ein paar Vorarbeiten vorausgesetzt – und ein exzellentes Ergebnis erhalten. Ebenso bei unserem alten Volvo 164, der nach der Nachlackierung originaler aussah als am ersten Tag. Und klar ist auch: Sprachbarrieren gibt es keine: Ältere Polen können im Normalfall Deutsch, jüngere sprechen verhandlungssicheres Englisch, auch wenn der Akzent für ein Deutsches Ohr oft lustig klingt.

Aber wir haben hier auch Limits gesehen. Polnische Arbeitszeit ist billiger als Neuteile, also wird Rost häufig so lange behandelt, wie man das in Deutschland nicht kennt, wo mal lieber der Kotflügel getauscht wird. Auch selbstgebastelte Zylinderkopfdichtungen haben wir und unsere Leser bei einfacheren Vierzylindern mit geringer Verdichtung gesehen. Handwerklich faszinierend und erstaunlich haltbar – und doch kann man da wirklich drüber diskutieren…

Nicht alle Youngtimer-Fabrikate können in Polen gleichermassen repariert und restauriert werden – aber der Mainstream geht hervorragend – hier hat Handwerk noch eine Bedeutung

Ein weiteres klares Limit findet sich hier in den Marken. Youngtimer von Mercedes, BMW, Audi, Opel und Toyota können so ziemlich alle der guten Werkstätten in Polen substanziell gut und sauber restaurieren – hier gibt es viel Erfahrung, handwerklich oftmals mehr als in Deutschland überlebt hat.

Marken wie Fiat oder Alfa hingegen führen hier zu Schulterzucken. Auch bei Porsche wird scheinbar an vielen Stellen gerne mehr Wissen vorgetäuscht als wirklich vorhanden ist. Und hier geht es ja schnell mal um richtiges Geld – schon aufgrund der betroffenen teuren Teile.

Alles in allem gilt also: für handwerklich aufwendige Dinge wie Lackieren oder Tauschmotor einbauen, auch Karosserieschäden, ist Polen ein Top-Land, in dem Einsparungen bis zu 70% drin sind. Aber eins muss dabei klar sein: Deutsche Arbeitsplätze sichert man mit dieser Ersparnis nicht….

Wir lehnen uns zurück und halten uns daraus: Wir haben seit Jahren eine Stammwerkstatt in Polen – aber von der soll eine andere Geschichte erzählen…



14 Gedanken zu „Youngtimer restaurieren in Polen?

  1. Hi,

    ich hätte eine grundlegende Frage. Ab wann lohnt es sich, ein Fahrzeug komplett zu restaurieren / lackieren. Ich habe einen BMW E38 (730iA Bj. ´94), der nun seit 16 Jahren in Familienbesitz ist. Von der Substanz her ist er recht gut, über all die Jahre wurde einiges in das Fahrzeug investiert. Nun hat er 325.000 km und es ist wieder einiges fällig an Reparaturen… Ich habe nicht vor das Fahrzeug jemals zu verkaufen, zur Zeit würde er sowieso nichts an Geld bringen. Stattdessen würde ich ihn gerne restaurieren, bin mir aber noch recht unsicher. Dass ich das nicht in Deutschland machen würde ist klar, da viel zu teuer. Ich selbst fahre das Fahrzeug nun schon seit 14 Jahren und mein Herz hängt daran. Also meine Frage lautet, ab wann lohnt sich eine Restauration? Soll ich lieber noch warten – wenn ja, wie lange? Ich hätte ihn ja schon gerne wieder wie aus dem BMW Prospekt damals. Wie gesagt, bin etwas ratlos und mich würde eure Meinung interessieren.

    1. Hm… Ist ja eine durchaus individualle Frage am Ende des Tages. Die Frage ist ja nicht „Ist es das wert“ somdern normalerweise eher „Ist es MIR das wert?“. Für uns klingt das so, als wäre es Dir das wert. Wirtschaftlich betrachtet würden wir mal die These wagen: Der Wagen wird auch ökonomisch noch einen gewissen Höhenflug erleben – wenn auch nicht so wie der Mercedes W140, hier ist die BMW Kurve tatsächlich in den letzten Jahren flacher gewesen. Hinzu kommt: Wenn man hier wirtschaftlich drauf schaut: Autos mit 400.000 auf der Uhr vekaufen sich auch in voll restauriertem Zustand nur schwerlich.

  2. Danke für die Antwort. Ihn zu verkaufen habe ich wie gesagt gar nicht vor, vielmehr möchte ich ihn einfach am Leben erhalten als Geschenk vom Vater. Vielleicht wird ja mein Sohn (er ist noch nicht geboren, auf dem Weg ist er auch noch nicht) irgendwann dieselbe Leidenschaft mit mir teilen und den Wagen vom Opi begehren. Ich würde den Wagen einfach gerne wieder „schön“ haben, so dass man ihn sieht und sagt „das ist doch mal ein schöner, original erhaltener E38“. Gibt es ja wirklich nicht viele im Moment. Ich hätte aber noch eine weitere Frage, der Wagen ist zur Zeit schwarz. Ich hätte ihn aber gerne in Aspensilber-Metallic, wie im James Bond Film. Nun müsste dafür natürlich auch der Motor ausgebaut werden, um den Motorraum zu lackieren. Das bereitet mir allerdings ein Wenig Sorgen, was ist wenn danach nichts mehr läuft wie es vorher lief? Kennt ihr euch da aus, ist das mit einem hohen Risiko verbunden?

  3. Hi
    A question from Sweden, since my German is not so good, I’ll write in english.
    I am looking for someone to renovate my -55 Ford, but I have difficulties finding someone that I can rely on. I need someone that has recommendations from Germany, Norway, Sweden etc. I have found some garages that I could think of but they are so busy so there is several years waiting. Do you know anyone that actually had a car renovated in Poland or Estonia or Latvia?
    Best regards
    Olle

  4. Um welche Werkstatt handelt es sich denn bei eurer Stammwerkstatt? Wäre sehr interessiert. Möchte nämlich gerne meinen W124er lackieren lassen.
    Danke

  5. Danke für die schnelle Antwort. Das hört sich ja nicht gut an, da haben die Landsleute wohl ganze Arbeit geleistet Ausnahmen gibt’s wohl keine? Wenn man normales Verhalten gelobt…

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