Youngtimer Volvo 440 / 460 – billiger werden sie nicht

Volvo 440 – welche Wurzeln hat der? Den 340er Volvo, den haben sie damals alle irgendwie verschlafen – pickiert, hochnäsig, unaufgeschlossen. Alle haben sie rumgemurrt, dass der eigentlich gar kein richtiger Volvo sei. Eher ein DAF – das geht ja gar nicht….

artig, brav, aber ein wenig 850

Und dann geriet der in die Hände der typischen Allesverwerter – Billig, fährt, 2 Jahre TÜV… Bis auf ein paar Exemplare…. Die landeten in der Hand von Volvo Fans, die eigentlich einen 240er oder gar 164er ihr eigen nannten. „Der 340er ist nur für den Winter… oder mal für die Stadt…“ Und dann merkten die, dass der doch irgendwie ein Volvo war – aber da war es natürlich zu spät….

Seine Nachfolge galt als beinahe noch unwürdiger – Frontantrieb hatte der! Und diese modisch geschliffene Karosserie! Ein Stummelheck! Kein Kombi – buääähhh……! (Das allerdings ist zugegebenermaßen eine unerklärliche Sünde – selbst BMW hatte den Kombi bereits ab E30 in diesem Segment – und die galten bis dahin noch ausschließlich als Hersteller sportlicher Limnousinen und Coupes…)

volvo youngtimer volvo 460

ist keine echte Konkurrenz zur C-Klasse gworden – aber sicherlich einer der anspruchslosesten Youngtimer, den man für solches geld kaufen kann: Volvo 460 mit Repräsentationsbürzel

Moment mal – kommt uns das nicht alles irgendwie bekannt vor?

Der Volvo 440 / 460 war in der Tat zunächst ein komischer Geselle. Irgendetwas an ihm wirkte zunächst, als hätte man den Wagen in Ermangelung eines richtigen Volvos irgendwo geklaut und ihm vor den Kühler halbherzig eine Volvo-Front gezimmert. Heute im Rückblick – und wenn noch ein 850/V70 daneben steht – da kapiert man den 440 / 460 Youngtimer plötzlich – zumindest ein bisschen…

Und irgendwie war er auch nie so recht repräsentativ… Das sollte der 3er von Volvo sein, die schwedische C-Klasse, der nordische Audi 80? Nee… irgendwie wirkte er dazu immer ein bisserl zu golfklassig. Selbst der 460, der dem 440 immerhin ein pseudorepräsentatives Stufenheck voraus hatte, brachte es nie so ganz zum Stolz einer Reihenhaus-Garangenauffahrt. Dem 440 / 460 mangelte es immer ein wenig an „Stallgeruch“.

Macht ihn das zu einem schlechten Youngtimer? Nein. Der 440 / 460 wird seinen Weg machen, denn gemessen an seinem Nachfolger wirkt er heute eben doch ein wenig wie ein Volvo auf den jüngeren Betrachter. Technisch ist er nicht mal schlecht. Das Fahrverhalten hatte eine angenehme Berechenbarkeit, die nicht nur der 480er Volvo an den Tag legt, sondern auch die beiden zivilen Brüder – sieht man einmal davon ab, dass er auf Nässe stark untersteuert – aber auch das hat man nach der zweiten Kurve kapiert. Die Technik ist noch erfreulich simpel und übersichtlich – hier war Volvo erfreulich wenig experimentell – schon das macht ja für viele Youngtimer-Fahrer einen ungeheuren Reiz aus.Gleichzeitig qualifiziert das den kleinen Volvo der 80er und 90er Jahre zum echten Youngtimer für Einsteiger. Während die Preise des 480 langsam abzischen werden, gibt es einen gescheiten 440 hier und da für unter 1000€ – und das sogar gerne mal mit 2 Jahren Tüv.

Volvo 440

Typisch für die ersten Baujahre: der Lack bleicht heftig aus

Natürlich: Bei Leuten, die Liegefahrräder fahren, zwei CX und einen 262C ihr Eigen nennen, darf man sich deshalb mit dem Wagen noch lange nicht blicken lassen – dennoch: Hier wächst ein relevanter Youngtimer heran. Die kernigen Bügeltüren, das kantige Design des Innenraumes, die heimelich wirkenden Materialien – das hat schon wieder was – und die Unterhaltskosten sind schier lächerlich gering.

Der Lack nervt etwas, neigte zum vorzeitigen verbleichen, speziell bei Laternenparkern. Kotflügel und Türen rosten ebenfalls, wenn auch in überschaubarem Rahmen. Die ersten 2 Baujahre zudem unterhalb der Frontscheibe. Sitze und ähnliches sind nicht ausnehmend gut verarbeitet, ebenso die Verkleidungen im Innen- und Kofferraum. Aber der Ruf des 440ers hat sich im Laufe seines Lebens deutlich gebessert. Alle Problemthemen sind in Umfang und Art, mit der eben auch Laien in einer Art zurecht kommen, was den 440er Youngtimer zum Top-Tip für Einsteiger macht. Alles elektrische ist bei den ersten 2 Baujahren tendenziell ausfallbereit. Alles in allem einer der überschaubarsten kommenden Klassiker.

heimelig

Volvo 440 Youngtimer

innen mehr Platz als außen

Hinzu kommt, dass selbst die Ersatzteil-Preise im Moment noch sehr zivil sind und es alles reichhaltig gebraucht gibt – Dieselmotoren einmal ausgenommen. Der 1.7er ist jedoch ohnehin keine wirkliche Freude im Verhältnis zu den Benzinmotoren. Die sind auch keine Laufruhewunder, wie bei Volvo üblich, bringen aber ebenso zuverlässig wie langlebig und ökonomisch von A nach B.

Auf welchen lohnt es sich zu zielen? Der Volvo 460er ist heute nur unwesentlich teurer, wird aber mit Sicherheit irgendwann einmal höhere Preise erzielen. Außerdem hat er etwas charmant spießiges, was dem Nachfolger als Limousine einfach fehlte – ist eben ein bisschen der 850er des kleinen Mannes ;->

Vermutlich müssen erst Volvo Freaks den Volvo 440 als Winterauto entdecken, bevor er die rechte Anerkennung bekommt – hat ja schon mal funktioniert.



4 Gedanken zu „Youngtimer Volvo 440 / 460 – billiger werden sie nicht

  1. Schöner Artikel. Ich bin vor 7 Jahren mehr zufällig zu einem gut erhaltenen Volvo 460 (Bj. 96, Sondermodell ‚Ambiente‘ mit Ledersitzen, Alufelgen, Metallic etc.) gekommen. Inzwischen ist er 20 Jahre alt.
    Zuverlässig, bequem und anscheinend ziemlich rar. Tolles Auto, das ich nicht mehr missen möchte!

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