Volljährige Japaner III/VII: Mazda Youngtimer

Mazda fällt einem beim Gedanken an Youngtimer nun wirklich nicht gleich ein – dann, nach längerem Überlegen, kommen einem die Modelle überhaupt erst wieder in den Kopf: der 323, der 626 und der auch zu Lebzeiten eigentlich schon ganz coole 929; gab es von dem nicht sogar ein lässiges Coupé? Und was ist mit dem RX-7? Der MX-5!! Wie konnte man die vergessen? Der Xedos… war das nicht auch ein Mazda? Ja, richtig…!

Mal langsam… Mazda galt immer als robust und eher als – sagen wir mal praktisch, aber als cool und sexy doch eher nicht. Daher wurden sie auch eher von Zeitgenossen mit Sinn fürs praktische erworben.

Die behandelten sie zwar meist anständig, aber irgendwann verkauften sie sie an den nächsten praktischen Zeitgenossen, bis sie irgendwann 200.000

mazda Youngtimer

Kilometer auf der Uhr hatten und irgendwie verlebt waren… Manche 626 gingen dann auch noch für weitere 200.000 nach Afrika, denn robust sind speziell die 626er. Viele davon findet man daher heute nicht mehr; wer sich den Mazda Youngtimer kaufen will, in dem er damals groß geworden ist, der hat dabei im Regelfalle nicht viel Spass. Die Kombis hatten dabei im Regelfall das schlimmste leben und wurden gerne behandelt wie Lieferwagen und glänzen heute eher durch Beulen und daraus resultierenden Rost im Heckbereich.

Praktisch ausgestorben: Der Mazda 323 in klassishem Kompaktdesign der 80er Jahre

Der klassische 323 ist praktisch gänzlich weg vom Markt – mit Ausnahme des F-Modells, das zu modern wirkt – der 626 in halbwegs gescheitem Zustand selten – beide sind hin und wieder noch in den „neuen Bundesländern“ zu finden. Allenfalls das 626er Coupe findet man hier und da noch einmal in einer schönen Version. Der 929 litt schon zu Lebzeiten unter seiner unfreiwilligen Exklusivität – schöne Exemplare auch hier: Nur als Coupé, aber höchst selten und daher zum Teil schon weit überteuert. Hier werden schon mal 3.000 bis 6.000 Euro aufgerufen – das steht im Grunde in keinem Verhältnis, wenn man als Vergleich etwa einen Subaru SVX heranzieht – neben dem haben sowohl 626 als auch 929 bis zum Erbrechen auf Unauffälligkeit getrimmte Karosserien über vergleichbar unauffälliger Technik. Wobei der 929 dennoch in gewissen Zirkeln schon einen gewissen Kultstatus erlangt hat.

626 Coupe der frühen 80er – bis zum Erbrechen auf Unauffälligkeit getrimmt

Der Mazda Youngtimer MX5 spricht da schon eine andere Sprache: Ohne ihn hätte es die Roadster-Welle mit all ihren SLKs und Z3s gar nicht erst gegeben. Die ersten Modelle aus den frühen 90ern sind zum Teil heute noch in erstklassigem Zustand, weil sie einfach immer geliebt wurden – meiden sollte man allenfalls die US-Version Miata, die es mit dem Rostschutz nicht so genau nimmt und bei weitem nicht so knackig und dennoch gut gefedert fährt wie die MX5 Modelle für den Deutschen Markt. Schwachstellen gibt es eigentlich nur wenige – wie auch bei den anderen Mazdas gilt hier: große Laufleistungen stellen keine große Herausforderung dar – bei Modellen mit 200.000 auf der Uhr muss man nicht unbedingt in Angst verfallen. Ab 2500€ gibt es Modelle mit guter Substanz – und einen Hingucker bekommt man hier, als sei der Wagen 100.000 wert – immer noch eine gute Show auf den Boulevaren dieser Welt.

Zeitgenössischer HighTech-Innenraum der 80er Jahre: Wankelflunder Mazda RX7

Wer mit einem RX7 liebäugelt, stellt schnell fest, dass von dem durchaus noch ein paar Exemplare erhalten sind – wirft man einen detailierteren Blick auf diese, so ist die Historie jedoch häufig wirr, notwendige Reparaturen aus Kostengründen nicht durchgeführt

Selten: RX7 der ersten Serie ohne Kriegsverspoilerung

wurden. Der Wankel-Motor war leider immer nur auf dem Papier cool – auch unter Mazda-Regie wurde der Motor kein Wunder an Zuverlässigkeit – gutes Öl muss sein und die Kolbendichtungen muss man manchmal doch eher zu früh wechseln, wenn einem nichts um die Ohren fliegen soll. In gutem Zustand ist der Motor ein Traum, fährt wie eine Turbine auf Rädern – aber das Investitionsrisiko bleibt leider hoch. 6 oder mehr Besitzer sind daher bei 20 Jahre alten Modellen keine Seltenheit – und das aus den schlechtesten Gründen.

Der Xedos

Gepflegter Mazda Youngtimer Xedos – hat das Potential für mehr

könnte sich in den kommenden Jahren zum Nippon-Hingucker entwickeln. Obwohl zu Lebzeiten stets ein bisserl verschmäht und – wie auch der Nissan Maxima – im Schatten der zugegeben irgendwie cooleren Lexus-Modelle verschwunden, hat der Xedos mittlerweile sogar ein eigenes Wiki, was das Potential andeutet, das der Wagen in Zukunft noch hat. Der Xedos erfüllt viele Youngtimer-Top-Voraussetzungen: Er ist selten, er hatte eine mittlere Bauzeit, keinen Nachfolger, Exklusivität, gescheite Ausstattungen…  Aber auch nach ihm dreht sich spontan noch keiner um – und vermutlich passiert das auch nicht soooo schnell.

Wie alles Mazdas ist er brutal robust – Mazda markiert mit Toyota und Subaru die statistische Top3 robuster Fahrzeuge mit Haltbarkeit und geringen Unterhaltskosten bei hoher Zuverlässigkeit. Ansonsten muss man hier leider sagen: Mazda ist derzeit nicht die Traum der Yountimer-Gemeinde und die Fahrzeuge versprechen derzeit auch nur ein sehr geringes Wertsteigerungspotential – aber wer in einem groß geworden ist, sollte ihn sich jetzt endlich sichern, da die Situation auf dem Youngtimer-Markt dafür spricht, dass er sonst kein Oldtimer mehr wird….



3 Gedanken zu „Volljährige Japaner III/VII: Mazda Youngtimer

  1. Der Mazda 323 hat noch zwei Besonderheiten zu bieten:

    -er ist in Südafrika aufgrund seiner Robustheit das beliebteste Fahrzeug der „Rent-A-Wreck“ Autovermieter. Diese Dienstleister vermieten zuverlässige und extrem billige Autos, die zudem für Autodiebe völlig unattraktiv sind. Der MAzda 323 hat sich hier einen festen Platz erarbeitet

    -für den MX-5 Konkurrenten „Ford Mercury Capri“ war der Mazda 323 der Technik- und Organspender. Quasi alles unterm Blech ist im Grunde die 100 PS variante des 1988 Mazda 323 BG. Ich weiß das so genau, weil ich gerade selbst einen Mercury Capri fahre. hat Mazda ganz schön geschickt gelöst.

  2. Warum spielen der Mazda 121 und der MX3 hier keine Rolle? Und warum werden die einzelnen 323s nicht differenzierter dargestellt? Es gibt da glaub ich ein bischen mehr zu zu sagen. Auch die Verwandtschaften mit anderen Herstellern und deren Produktionszeiträume sind sicher interessant für einen youngtimer blog. Da ist noch Luft nach oben.

  3. Und den MX-6 nicht zu vergessen, 1992 wurde er vorgestellt. Mit den V 6 Motoren sehr robust und einfache Technik. Auch als 4Zyl war er zu haben- Leider sind einige dem Fast and Furios wahn zum Opfer gefallen. Gut erhaltene unverbastelte sind heute schwer zu finden.

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