Killing me softly: Der schleichende Tod der britischen Motor Industrie

Es ist schon schockierend: Die britische Auto-Industrie war einmal die vielseitigste und schillerndste in ganz Europa. Kein Land hat je mehr Fahrzeughersteller hervorgebracht – und, being british, kein Land hat sie je so gründlich und schnell hingerichtet wie die Briten.british_leyland_logo_1971

Und diese Massenvernichtung trägt einen Namen: British Leyland.

British Leyland war ein Mischkonzern, rasend schnell entstanden aus einst konkurrierenden Unternehmen, die wild verstreut über Großbritannien Autos produzierten. Jedoch: nicht wie geplant an einem Strang ziehend, machten die Manager von British Leyland nicht nur weiter wie bisher und kochten jeder ein eigenes Süppchen – sie machten es noch schlimmer: Sie traten in den internen Wettbewerb. Satte 21 Marken waren in verschiedenen Qualitäten unter dem Dach der British Leyland verschwunden – und taten, was sie immer getan hatten: In Wettbewerb treten.

In der üblichen britischen schillernden Farbvielfalt entstanden so unter dem Dach diverser Marken diverse Autos, die in exakt den gleichen Segmenten um Kunden buhlen mussten – während ihre Manager Spitzengehälter dafür bekamen, die Marken zusammenzuführen und Synergien zu nutzen…

Dramatisch.

1971-triumph-dolomite-sprintAber damit nicht genug. Der Arbeitsplatzabbau, den die Zusammenführung nahezu aller britischen Marken unter einem Dach bringen sollte, trieb die Leute auf die Strasse. Die Britischen Motor-Worker streikten in den 70er Jahren beinahe gewohnheitsmäßig – tatsächlich waren in den 70ern alle Europäischen Mitarbeiter der Fahrzeugherstellenden Betriebe zusammen weniger im Streik als die Briten allein.

Das musste ja schiefgehen? Na sicher – und das war noch lange nicht genug. In einem Interview mit Jeremy Clarksen gestanden ehemalige Mitarbeiter von British Leyland freimütig lachend: „Es war ein Wunder, dass wirklich Autos aus unseren Hallen kamen – Montag und Freitag waren wir besoffen, dazwischen haben wir gestreikt“. Tatsächlich konnte man weder in Italien noch in Frankreich – und dafür hatten die Stammtische sie längst abgestraft – anfälligere Autos erwerben als solche, die in Großbritannien hergestellt worden waren. Wie die British Leyland Mitarbeiter erklärten „Es war uns egal. Viele Fahrzeuge verließen das Werk und wir hatten die Fensterkurbeln nur auf der Fahrerseite montiert. Die Garantieversicherer mussten es auffangen“.0_1314890708

Da kann einem schon schlecht werden. So fuhr der Konzern mehr und mehr in die Grütze, erhielt zunächst staatliche Hilfe und wurde dann schließlich tranchiert und verkauft -wenn auch nicht besonders erfolgreich. Ein dramatischer Niedergang, wie ihn die Geschichte bislang kein zweites Mal kennt.

Und dennoch hat diese Company noch im Untergang eine Reihe super spannenden Fahrzeuge konzeptioniert und hergestellt. Von Coolen Fahrzeugen wie dem Mini über den lässigen Triumph Spitfire bis hin zum Princess 2HL. Viele individuelle Hingucker-Youngtimer entstanden auf der Britischen Insel, die uns heute und Morgen beschäftigen werden.

development_rover_pre_sdBuy British hieß es da lange Zeit – so lange, bis selbst die Briten lieber zuverlässige Japaner kauften. ab 1979 schließlich arbeitete die BL dann mit Honda zusammen – die einzige Rettung auf der einen Seite, der totale Untergang in die Beliebigkeit auf der anderen. Ab 1982 kommt es zur Zerlegung und mit der Qualität der verbleibenden Marken geht es wieder bergauf – allen voran mit Jaguar unter der Führung des legendären Sir John Eagen.

Aber da ist es schon längst zu spät für die britischen Massenhersteller, der Abstieg unaufhaltsam und nur noch durch staatliche Hilfe überhaupt aufgehalten oder verzögert. 1994 wird dann der verbleibende Rumpf an BMW verkauft, ein verzögerter Niedergang von langer Hand der Germanen, die im Grunde keine Ahnung haben, was sie mit der Rover Group strategisch anfangen sollen.

Aber eine Menge schöner Fahrzeuge mit sehr großem Hang zur Individualität haben sie hervorgebracht, die Briten.

9 Gedanken zu „Killing me softly: Der schleichende Tod der britischen Motor Industrie

  1. Naja. Wirklich was gelernt haben sie aus ihrer Geschichte ja nicht, wenn Aston Martin gerade mit Hilfe gefälschter China-Teile den Selbstmord weiter fortsetzt.

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