Youngtimer im Focus: Ford Escort Youngtimer „Stummel“

Ford Escort Youngtimer

Ford Escort mit Stummel-Heck – auf diesem Bild ist die Stummeligkeit wunderbar zu sehen. Das war Schwachsinn, hatte aber einen schrägen designerischen Pfiff

Wie kurz vorher der Opel Kadett, mutierte 1980 der Ford Escort von einem etwas knorrigen und teils schrulligen Heckantriebs-Kompaktler im Limousinen-Layout zum Muster des VW Golf: Frontantrieb und große Heckklappe.
Immerhin zeigte Ford dabei mehr Mut als Opel beim Kadett D – während der im Grunde designerisch auch ein Golf war, gab Ford seinem Golf immerhin einen Stummel mit, der den Escort die folgenden 18 Jahre prägen sollte, bevor der Escort dann gänzlich verschwand – auch das ist schon satte 15 Jahre her… Zeit, den Escort noch einmal unter die Lupe zu nehmen.

Ford Escort Youngtimer

Schlicht kann man das eigentlich schon nicht mehr nennen

Das Stummelheck des Ford Escort war im Grunde nicht wirklich so aerodynamisch funktional, wie Ford gerne vorgaukelte – wurde aber in den 80er Jahren, wenn auch nicht das Markengesicht, dann doch wenigstens der Markenhintern: Scorpio und Sierra trugen den Stummel ebenfalls in ihren jeweiligen Schrägheckversionen. Und immerhin: Nicht viele Marken hatten überhaupt je einen Markenhintern ;->
Der Ford Escort war der erste Markenhintern und überlebte sogar die beiden anderen. Dennoch galt er immer irgendwie als langweilig, als unauffällig und war in der Summe seiner Verkäufe stets die Nummer 3 der Kompakten in Deutschland, mit Schwankungen natürlich. In anderen Ländern ar das übrigens durchaus anders – Schweden und Dänen etwa war der Golf die ersten 20 Jahre lang stets zu teuer.
Dabei hatte der Ford Escort Youngtimer damals grundsätzlich nicht mal die schlechtesten Voraussetzungen – auch für den Teutonen-Markt. So gab es ihn beispielsweise stets auch als Kombi – das konnte zwar der Kadett auch, der Class Leader Golf jedoch konnte das erst ab den 90ern.

Ford Escort Youngtimer Kombi

Ultra-Selten: Ford Escort Youngtimer Escort als Kombi – eine solide Wertanlage

Darüber hinaus war der Ford Escort über die Jahre eigentlich meist die günstigste Version, einen Kompakten dieser Klasse zu fahren – zumindest in der initialen Anschaffung – auch, weil die Ausstattung im Schnitt nicht so geizig war wie bei Wolfsburger Kompakten üblich. Der Wertverlust war jedoch stets höher als der von Kadett und Golf. Auffällig auch: Der Stummel-Escort wurde – wie sein glückloser Bruder Ford Orion – im Schnitt von älteren Fahrern bevorzugt. Tatsächlich sorgte das dafür, dass die Lage am Markt gepflegter Ford Escort Youngtimer leicht besser war als bei den beiden anderen, da Opa dem Wagen vielleicht mal einen Kratzer in der Garage zufügte, sonst aber anständig mit dem Wagen umging und nicht mehr so viele Kilometer auf die Uhr brachte.

Schön und semantisch passend

Schön und semantisch passend

Schlimm bei diesen Modellen: Mangelnde Servo-Lenkung. Da ist ja eigentlich nichts gegen zu sagen bei den schmalen Reifchen – jedoch ist die Lenkung wirklich keine rechte Freude – die Haltekräfte sind auch im normalen Fahrbetrieb eher unangenehm hoch und vermitteln nie das exakte Fahrgefühl eines Golf I oder gar Kadett D.

Aber was soll man rum meckern – so groß ist die Auswahl dann auch nicht mehr – da muss man ein bisserl nehmen, was kommt. Gute Exemplare gibt es noch vom Cabrio – davon sogar auffallend reichlich, der wurde immer gehegt. Nicht unbedingt optisch, oft aber technisch mit der nötigen Liebe zu Tüv und Detail. Mit Ausnahme schlimm getuneter Exemplare natürlich.

Unfassbar sorglose Platzverschwendung

Unfassbar sorglose Platzverschwendung

Ansonsten muss man wirklich sagen, dass es auf dem Deutschen Markt tatsächlich nicht so arg viele Ford Escort Youngtimer „Stummel“ der ersten Jahre gibt – das ist beispielsweise in Dänemark anders, aber auch in Belgien und den Niederlanden. Der Import der alten Modelle ist selbstverständlich nicht so einfach, wie dies heute bei neuen Wagen der Fall ist – aber eine Alternative ist es. Noch besser sieht es in UK aus – aber wohin dem blöd sitzenden Lenkrad im Alltag….? Insgesamt muss man im Verhältnis dennoch sagen: es gibt weit mehr gute Exemplare als beispielsweise vom Kadett D – und das auch zu Preisen ohne Kult-Aufschalg. Gute Exemplare kosten hier und da mal über 2.000€ – coole Sondermodelle und RS / XR3i-Modelle natürlich auch schon mal 4.000. Interessant: Die Ersatzteillage ist erfreulich gut und der Escort ist technisch extrem überschaubar.

Insgesamt bekommt man mit dem Stummel heute ein cooles Auto, einer dieser diskreten Hingucker, der langsam schon schrullig genug wirkt. Die Linie ist aus heutiger Sicht einfach Kult – und wer einen Kombi erwischt, der hat auch auf kleinem Niveau eine echte Wertanlage, denn die sind bereits wirklich selten. Man hat das nicht so gemerkt, weil der Escort immer dezent vor sich hin geliftet wurde und eigentlich Ende der 90er Jahre noch genauso aussah wie 1981, nur eben etwas glatt geleckt. Aber die ersten Modelle tragen ihr H-Kennzeichen bereits stolz.

7 Gedanken zu „Youngtimer im Focus: Ford Escort Youngtimer „Stummel“

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