Premium-Autos & die Apokalypse – die Rettung von Ford und Opel

[Die Dinge, wie sie hätten sein können…. 😉 ]

Die Akte Mannesmann – endlich gelüftet….

Ein repräsentatives Schloss in der Schweiz, auf neutralem Boden – das ist das Setting der strategischen Allianz, die die Automobilgeschichte umkrempeln sollte und letztlich den Sieg der Premium-Marken doch noch verhinderte oder zumindest eindämmte.

1976 trafen sich die Europa-Chefs der Marken Ford, Opel und Vauxhall in dieser Location für eine 3 tägige Sitzung, von der zunächst keiner etwas erfahren durfte – und zwar wirklich keiner – weder die eigenen Leute in Europa noch die großen Männer in den Staaten – und erst recht nicht die Mitbewerber. Die Schweiz erwieß sich als idealer Ort, unabhängig und keine echte eigene Automobilindustrie.

Schloß Schadau am Thuner See... Heute kennt die Location jedes Kind - sie ist ein beliebtes ausflugsziel mit gehobener Küche geworden. In den späten 70ern war Schloß Schadau nicht nur ein diskreter Ort in einem unabhängigen Land, es war auch der Ort einer historischen Zusammekunft, die Automobilgeschichte schreiben sollte
Schloß Schadau am Thuner See… Heute kennt die Location jedes Kind – sie ist ein beliebtes Ausflugsziel mit gehobener Küche geworden. In den späten 70ern war Schloß Schadau nicht nur ein diskreter Ort in einem unabhängigen Land, es war auch der Ort einer historischen Zusammenkunft, die Automobilgeschichte schreiben sollte

Die 3 Spitzenmänner hatten unglaubliche 3 Tage für ein Treffen angesetzt, um von vornherein die Zeit zu haben, etwas großes zu schmieden, von dem zu diesem Zeitpunkt nicht mal Kinder und Ehefrauen etwas ahnten.

Eine Beobachtung war ihnen allen gemein: Die Premium-Marken massierten sich. BMW hatten spätestens 1972 mit dem 5er ein signifikant erfolgreiches Modell auf den Markt gebracht und der Audi vom Typ43 zeigte deutlich eine Klasse nach Oben – selbst der Brot- und Butter-Wagen Audi 80 hatte bei seinem letzten Facelift eine halbe Klasse gewonnen und man wusste längst, dass Audi an einem Sportcoupe arbeitete, dass Porsche des Fürchten lehren würde.

Von jetzt auf Gleich würde sich ein anderer Markt präsentieren, auf dem Audi, Mercedes und BMW einerseits Upperclass spielen könnten, aber eben immer noch das breite Volk erreichten. 3 Große Premium-Marken würden das Bild verändern, dass einst nur von Mercedes geprägt gewesen war.

Hinzu kam: Man wusste längst, dass auch Fiat, Saab und Lancia sich zu einer Allianz zusammengeschlossen hatten – und was würden die wohl entwickeln?

Vergängliche Werte: die Mittelklassen von Opel und Ford boten mehr Platz zu günstigeren Kosten als ein 3er BMW, den es nicht einmal mit 4 Türen gab. Aber die Zeichen standen auf Sturm, die Leute wollten lieber luxuriöse Autos

Vergängliche Werte: die Mittelklassen von Opel und Ford boten mehr Platz zu günstigeren Kosten als ein 3er BMW, den es nicht einmal mit 4 Türen gab. Aber die Zeichen standen auf Sturm, die Kunden griffen immer mehr zu luxuriösen Autos mit weniger Platz. Verkehrte Welt

Sicherlich keinen Kleinwagen.

Opel, Vauxhall und Ford würden zusehends in Hintertreffen geraten, soviel war den handelnden Personen klar – und das würde zu größeren Problemen führen. Die Marktanalysen in den Kernmärkten zeigten, dass in den großen Absatzmärkten Deutschland und England die Kunden nicht bereit waren, mehr für einen Opel oder Ford zu bezahlen – jedoch sehr wohl für einen winzigen BMW wie den Dreier, den sowohl der Ascona als auch der Taunus, locker in die Tasche steckten, wenn es um das Platzangebot ging. Aber es würde schlimmer kommen: Mercedes arbeitete mit dem Projekt Ushido an einem 3er Konkurrenten, würde also auch noch ins Segment Ascona / Taunus vordringen.

Aber Größe allein half nicht – es war die Marke selbst – das hatte Opel gerade schmerzlich einsehen müssen und die großen Opel Kapitän, Admiral und Diplomat vom Markt nehmen und durch aufpolierte Opel Rekord als Senator und Monza auf den Markt bringen müssen. Die kamen soweit ganz gut an – aber das „Leitmagazin“ Auto Motor Sprot endete jeden Test mit der Bemerkung, dass die tollen Senatoren aufgrund ihrer bürgerlichen Marke einfach keine Käufer finden würden, weil es ihnen an Image fehlte.

Eine Idee war geboren…. Zusammenhalt! Man könnte den Siegeszug der Premium-Typen vielleicht aufhalten – aber nicht allein, man müsste es gemeinsam tun. Ford und Opel, respektive Vauxhall, waren ja nun keine Anfänger – aber gefangen im Bürgerlichen Lager.

Der 190er war noch nicht auf dem Markt, aber das Projekt mit dem Decknamen Ushido würde unter dem Strichachter angesiedelt sein, soviel war klar. Das bedeutete: Neue Konkurrenz in der wichtigen Mittelklasse

Der 190er war noch nicht auf dem Markt, aber das Projekt mit dem Decknamen Ushido würde unter dem Strichachter angesiedelt sein, soviel war klar. Das bedeutete: Neue Konkurrenz in der wichtigen Mittelklasse

Das hatte Vorteile: Speziell Opel konnte günstig produzieren, ohne qualitativ schlechter zu werden – Vauxhall und Ford UK hatten noch viele Gewerkschaftssünden abzubauen, waren aber auf der Höhe und hatten große Technikbaukästen.

Wenn nur die Marke nicht…

Am dritten Tag war es schließlich der Chef von Vauxhall, der einen der wichtigsten bahnbrechenden Vorschläge der Automobilgeschichte machte – Warum nicht eine Marke gründen, unter der man gemeinsam Luxusautos bauen könne? Nicht Opel, nicht Ford – sondern etwas, was damit in Verbindung steht, jedoch eben weder Opel oder Ford heißt. 

Das hätte was – ja, warum eigentlich nicht. Oder noch besser: Keine Kunstmarke gründen, sondern eine alte Traditionsmarke wiederbeleben. In England sind so viele kleine und mittlere Marken dem Untergang geweiht oder faktisch tot – der Vauxhall Chef bietet an, sich dieses Themas anzunehmen. Dennoch zuckt da der eine oder andere. Wäre nicht eine Deutsche Marke gut? Eine, die für Ingenieurskunst steht?
Erst einmal trennte man sich – aber es war klar: man müsse sich sehr schnell wieder treffen.

Heute, wo wir alle wissen, wie die Geschichte weitergegangen ist, erscheint einem das nicht so fern – aber man muss sich vergegenwärtigen, dass hier wirklich Konkurrenten am Tisch saßen, für die nicht alles, doch viel auf dem Spiel stand. In diesem Moment hätte auch alles zerbrechen können.

Richtig - Mannesmann hatte mal Autos gebaut - allerdings war das ziemlich lange her... Die Produktion hatte bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gestoppt

Richtig – Mannesmann hatte mal Autos gebaut – allerdings war das ziemlich lange her… Die Produktion hatte bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gestoppt

 

Bereits 6 Wochen später war es wieder so weit – wieder die drei Männer, wieder das schweizer Schloß, wieder volle Diskretion – aber weit mehr Papiere auf dem Tisch im Wintergarten mit dem Blick auf den See. Hier würde man Geschichte schreiben, wie wir heute alle wissen – aber wer konnte das zu diesem Zeitpunkt ahnen?
Alle Parteien hatten Historien gewälzt, Bücher gelesen, sich das Hirn zermartert – und wollten zum Punkt kommen. Ein Konzept für eine neue Marke, mit der man der drohenden Marktverschiebung Einhalt gebieten würde. Der Vauxhall-Chef hatte jede Menge alter Marken bei sich: Wasp, Mayfair Waverly – allesamt hatten einmal einen Klang gehabt und es gab noch Markenrechte – Werte, die man ohne Mühe heben könnte.
Und natürlich waren auch die Deutschen gerüstet mit Maybach, Pfeil, Vesuw und Bergmann – alles Namen, die mal einen Klang gehabt hatten. Am Abend des zweiten Tages jedoch war es der Schweizer Kellner, der in einer belanglosen Plauderei den Namen Mannesmann ins Spiel brachte, ohne zu ahnen, was er damit auslöste. Wie so oft war es der Zufall, der hier Automobilgeschichte schreiben sollte.

Die Bürgerlichen Marken schienen zunehmend an Strahlkraft einzubüßen. Komplexer Technik und elitärer Charme von Mercedes und BMW hatten stark angezogen, Audi zeigte klare Bestrebungen nach Oben unter Ferdinand Piech

Die Bürgerlichen Marken schienen zunehmend an Strahlkraft einzubüßen. Komplexer Technik und elitärer Charme von Mercedes und BMW hatten stark angezogen, Audi zeigte klare Bestrebungen nach Oben unter Ferdinand Piech

Mannesmann! Das Remscheider Technologieunternehmen hatte tatsächlich einmal Autos gebaut – und nicht nur das. Mannesmann hatte stattliche Oberklasefahrzeuge gebaut, nicht irgendwelche zweitklassigen Kleinwagen in der Provinz. Da konnte man schon ins Grübeln kommen. 

Es wurde Zeit für einen nächsten Schritt.

Sowohl Opel als auch Ford hatten Werke im näheren Dunstkreis von Remscheid und entschieden, dem Mannesmann-Werk einen Besuch abzustatten, mit Historikern des Werkes zu plaudern, erste Sondierungsgespräch zu führen. Die Briten starteten Ihrerseits einen Testballon – eine Marktforschung mit Kundenbefragungen am Telefon. Würden Briten einen Wagen von Mannesmann kaufen oder hätte das eventuell den Charme von WK II, den in Großbritannien niemand haben wollen würde – schon gar nicht bei eher oberklassigen Fahrzeugen, die im Schlachtplan ja vorkommen mussten?

Wie ging es weiter? ….Teil 2 gibt es hier… ;D

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