Modernes Leichtbau-Gefasel versus realer Verzicht und Schlichtheit

Polo 1

Reduktion war hier ein Kosten- und Image-Thema: Der Polo sollte den Golf und den Käfer nicht zu sehr gefährden und ausreichend Abstand zum Audi 50 lassen, weshalb man ihn etwas spartanischer gestaltete.

Auf den Titel sind wir echt stolz – kein Mensch kann spontan verstehen, was dahintersteckt 😉

Tatsächlich ist der Titel ein 1:1 Zitat meines Vaters, mit dem wir kürzlich beim Grillen über Früher gesprochen haben – 4 Youngtimer-Freaks zwischen 28 und 45 und mein Dad mit seinen 87 Jahren, der sich eben noch an ein paar ganz andere Sachen erinnert als wir.

Und wenn dann so Sätze fallen wie „Der Käfer war wirklich schlicht – vielleicht der letzte so reduzierte Wagen,“ dann kann mein Dad manchmal nicht widerstehen und muss solche Sätze sagen wie: „Schwachsinnn – der Käfer war ein Vorkriegsauto – schlichte und reduzierte Autos gab es anschließend noch eine ganze Menge“. Und tatsächlich muss man sagen: er hat mal wieder Recht.

Polo 1 typ86

Kein überflüssiges Geraffel, keine Ablagen, keine elektrischen Spielereien – nix. So eine Tür wiegt ernsthaft ein Viertel einer heutigen Tür. Klar kannst Du einen Polo aus den 70er Jahren mit 6,5 Litern fahren. Merkst Du was? Für was brauchst Du dann die Aerodynamik, die dich später zr Klima-Anlage zwingt?

Schlichte Autos waren viel leichter – moderner Leichtbau verdeckt nur Konstruktionssünden mit teuren Materialien

Der Kadett C etwa und der Polo 1 – das waren durchaus auch total schlichte und reduzierte Autos. Und so ein Polo trug gerade einmal 685 Kilo mit sich herum – da kann man sich schon fragen, wie man da auf die Idee kommen konnte, 5 Leute in den Wagen zu setzen und am Ende noch Gepäck, was dann in Summe gefühlt das Gewicht des Wagens überstiegen haben muss. (Und ich erinnere mich, das getan zu haben….)

Ich bin kürzlich mit einem VW Sharan am Zoll auf eine Waage gefahren und musste dort die Zahl 2385 Lesen. 2,4 Tonnen? Hammer – so etwas gab es früher einfach nicht.

Ein Blick auf den Polo 1 zeigt, dass man sehr wohl mit einem Auto fahren kann, dass die Hälfte der Schalter hat

Jetzt kann man eine lange Diskussion über Knautschzonen führen oder über zweistellige Airbag-Mengen – ein Teil des Problems ist hausgemacht, müssen Sicherheitstechnologien doch auch der Tatsache Rechnung tragen, dass die Autos an sich schon zu schwer sind. Und deshalb brauchen sie dickere Motoren, dickere Bremsen, für die sie dann wiederum größere Räder brauchen, etc. – ein Teufelskreis. Schauen wir mal rüber zu Dacia, kommt man auf den Verdacht, dass so ein Auto vielleicht gar nicht so viel Geraffel und SchnickSchnack benötigt, oder? Grundregel: Was nicht eingebaut wird, muss man auch nicht leichter machen.

Polo 1 Cockpit

Da sagt der Pessimist: dir fehlen Infos – der optimistische Youngtimer-Pilot des Polo 1 weiß, dass dich hier nichts ablenkt

Schaut man sich hier die Bilder des Polo an, dann sieht man diese Dinge, die nicht verkleidet sind, dann findet man auch einen kleinen Tank, der schon mal schnell 30 Kilo Gewicht einspart – ein Armaturenbrett, was den Namen noch verdient. Das ist natürlich extrem aus heutiger Sicht – aber wir glauben sehr ernsthaft, dass Marken wie Skoda und Dacia völlig Recht haben, wenn sie das eine oder andere weglassen. Jeder, der mal einen Saab gefahren ist, bei dem man sinnlose Instrumente Nachts ausgeblendet hat, weiß, was da gemeint ist. Viele Informationen braucht man zu 98% der Fahrzeit nicht.

Reduktion ist eine Tugend. Wenn man einen Youngtimer fährt oder eben einen schlicht ausgestatteten Skoda oder Dacia, dann stellt man sehr schnell fest, dass einem das ganze Geraffel gar nicht so sehr fehlt. Aber klar: Moderne Autos sind oft so übel geschnitten, dass Du Parkpiepser brauchst.

Polo 1 innenraum

Nein, denk nicht mal dran – diese Sitze kannst Du nicht elektrisch verstellen – und sparst Dir damit den 12,5 Kilos Unterbau heutiger Polos…

Im Polo 1 brauchst Du die nicht, da kannst Du sehen, wo der Wagen endet – ohne Parkpiepser und Überwachungs-Kamera. Auch das ein Teufelskreis, den man als Neuwagenkäufer kaum noch umgehen kann.

Wer daran etwas ändern will, muss sich konsequent weigern – oder gleich Autos fahren, die aus einer Zeit stammen, wo man im Sommer manchmal geschwitzt hat und hin und wieder von eigener Muskelkraft – wie im Polo 1 – die Fenster runterkurbeln musste. Hartes Brot, überlebt man aber auch ganz gut. Und wenn man sich jetzt mal kurz fragt, wie viel ein solcher Polo wohl mit einem modernen Motor mit Einspritzung und so verbrauchen würde… Da kann man schon auf lustige Gedanken für lange Winterabende kommen… 🙂

Vielen Dank an Katharina für die tollen Bilder!




6 Gedanken zu „Modernes Leichtbau-Gefasel versus realer Verzicht und Schlichtheit

  1. Da ist schon was dran … aber andererseits: Ich möchte nicht in einem Polo 1 sitzen, der mit 20 km/h gegen einen neuen Smart fährt.

    Heutzutage gibt es deutlich mehr Verkehr als vor vierzig Jahren, aber die Zahl der Verkehrstoten hat sich fast auf ein Zehntel reduziert!

    Was die Übersichtlichkeit angeht, stimme ich aber überein. Leider ist Blech günstiger und leichter als Glas …

    PS: Ich fahr auch Youngtimer … meiner hat sogar schon Airbag, Klima und elektrische Fensterheber 😀

  2. Bin ganz einig mit Schubi. Meiner ist nächstes Jahr 20 Lenze alt und hat auch das ganze Elektro- und Airbag Gedöns. Ohne Airbag würde ich mich doch ein bissl unwohler fühlen, gerade mit all den Panzern und Möchtegerns, die da heute rumfahren. Schöne Fotostrecke, nebenbei.

  3. Der Polo 1, mehr braucht Man(n) nicht!
    Kein unnötiger Elektromüll der das Fahrzeug unnötig beschwert und mehr Sprit kostet. Kostengünstig, Reparaturfreundlich und absolut Alltagstauglich. Viel Platz wenns sein muss. Vor allem
    kein Flugplatz hinter dem Lenkrad wie in neuen Autos. Frurchtbar! Übersichtlich und mit etwas Pflege unzerstörbar.

    Ich fahre meinen zur Zeit fast jeden Tag und kann mir nix besseres vorstellen. Ein „ECHTER“ Kleinwagen.

  4. Genau diese Reduktion auf das Wesentliche ist der Grund, warum ich einen Polo 1 im Alltag nutze. Er hat was man zum Fahren braucht und ist absolut treu und zuverlässig, wenn man dem Rost keine Chance gibt.
    Als sicherer Reisewagen, dient mir ein Granada MK 1,ebenfalls schlicht und in Sachen Komfort und Sicherheit durchaus auf damaligen Nercedesniveau.

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