Autos werden unbenutzbar und Fahrer dumm

Ein sehr cooler Medien Professor hat mal zu mir gesagt „Jetzt mache ich mir seit 40 Jahren Gedanken über Medien – aber die wichtigste Ableitung ist wohl: jedes neue Medium hat die Klugen klüger gemacht und die Dummen dümmer.“

HighTech, die einfach nur noch nervt - diverse aktuelle Mercedes Modelle sind ohne Bedienungsanleitung kaum noch zu verstehen - und die hat bei der hier gefahrenen M-Klasse ungefähr den Umfang von "Herr der Ringe"

HighTech, die einfach nur noch nervt – diverse aktuelle Mercedes Modelle sind ohne Bedienungsanleitung kaum noch zu verstehen – und die hat bei der hier gefahrenen M-Klasse ungefähr den Umfang von „Herr der Ringe“. Abgesehen davon braucht die M-Klasse soviel wie der selige W116…

Langsam scheint uns das bei Autos auch so zu sein. Kürzlich rief mich die Tochter eines langjährigen Freundes an. Sie war ganz bei mir in der Nähe liegen geblieben – mit dem Youngtimer Ihres Vaters, ein Ford Escort, Baujahr 90, den er die 19jährige nur aus einer echten Not heraus hatte fahren lassen.

Wie soll ich denn wissen, dass der Tank leer ist? Da hat nichts geblinkt, nichts gepiept!

Jetzt stand die Kiste und sie hatte keine Ahnung, warum. 20 Minuten später ergab eine kurze Analyse vor Ort, dass schlicht und ergreifend der Tank leer war. Jetzt kann man ja sagen „Das kommt doch mal vor“. Klar – erst recht, wenn du Deinen Führerschein erst seit ein paar Wochen hast. Cool war die Erklärung, die sich rechtschaffend wütend gegen das Auto richtete „Wie soll ich denn wissen, dass der Tank leer ist? Da hat nichts geblinkt, nichts gepiept!“
Dass es da ein simples Instrument gibt, was ohne Computertechnologie ständig den aktuellen Stand des Spritbehälters anzeigt, hatte sie wahrgenommen – aber nur weil der im Roten Bereich ist, bedeutete das ja wohl kaum, dass irgend etwas passieren kann – schließlich piepst ja nix….

Vor konstruktiver Dummheit schützt der Parkpiepser dich hier (eigenhändig erprobt) nicht

Vor konstruktiver Dummheit schützt der Parkpiepser dich hier (eigenhändig erprobt) nicht

Hm… Das ist in der Tat leicht unverschämt von dem alten Ford – etwa so, als würde er Dir nicht hinterherrufen, dass Du vergessen hast, ihn abzuschließen… Im Grunde aber zeigt das doch, wie verblödet wir mittlerweile sind, wie bevormundet durch unsere Autos, die im Grunde das Denken für uns übernehmen. Ein Freund von mir, der bei einer Versicherung arbeitet, berichtete uns letztens, dass immer mehr Leute rückwärts feste irgendwo gegen fahren, weil sie einen Wagen mit Parkpiepsern haben und einen ohne – und dann von dem ohne die Piepser irgendwie erwarten, dass er sie über Hindernisse informiert. <kopfschüttel>

All diesen Komfort erkaufen wir uns nicht nur mit Verdummung – Autos werden in dem Zuge auch zunehmend unbedienbar. Bei einem kürzlich spontan übernommenen Mercedes der aktuellen M-Klasse hatte ich Mühe, den Wagen in „P“ zu bringen, was eigentlich beleidigend ist. Man benötigt beinahe das Handbuch, um den Wagen vom Fleck zu kriegen. Setzt man sich dagegen in den leeren Ford Escort, dreht man den Schlüssel, legt den Gang ein und fährt los – keine Rätsel, keine sinnlosen Informationen, nichts, was einen vom eigentlichen Fahren ablenkt oder dir das Denken abnimmt.

Diese Front galt damals als "Tief heruntergezogen (Auto Zeitung)" - heute nur schwer nachzuempfinden...

Diese Front galt damals als „Tief heruntergezogen (Auto Zeitung)“ – heute nur schwer nachzuempfinden…

Hinzu kommt, dass die Informationen ja immer trügerischer werden. Heute sind die vorderen Schürzen moderner Wagen stets so weit herunter gezogen, dass man keinen Bordstein mehr damit erklimmen kann – schon mal gar nicht in Städten wie Berlin – an der Weitergabe dieser Information scheitern jedoch viele Parkpiepser. Zudem man es bei manchen Autos auch einfach nicht vermuten würde. Ein Opel Mokka etwa gehört doch wohl zu der weiter gefassten Gattung der Geländewagen, ragt aber vorne fast mit der Schnauze auf den Boden – wie dämlich ist das denn?

Aber scheinbar wollen die Neuwagenkäufer das so – ganz so, als würde die Mehrzahl der Kilometer auf dem Nürburgring zurückgelegt – und nicht etwa auf dem Weg zwischen heimischer Garage, dem Bäcker und der Firmentiefgarage – staugeprägte Durchschnittsgeschwindigkeit von 39 KM/H…

15 Gedanken zu „Autos werden unbenutzbar und Fahrer dumm

  1. Was in Dreiteufelsnamen ist ein Opel Mokka?

    Kein Witz. Das Auto kenne nicht. Vermutlich will ich es auch nicht kennen.

    Niemand muss automobile Geschichte pflegen wenn er nicht will. Aber wo steuern wir ohne den geschichtlichen Fahrassistenten hin wenn uns niemand sagt, was später mal „die gute alte Zeit“ ist?

    Viel schlimmer: Wenn Ventildeckel Wegwerfwahre sind und bei der Demontage kaputt brechen.. Wer traut sich in 25 Jahren noch, bei einem Youngtimer Hand anzulegen und das Auto in die Ewigkeit zu überführen?

    Offenbar sind die letzten zukünftigen Oldtimer schon gebaut worden.

    1. Die letzten Youngtimer, respektive kommende Oldtimer wurden Anfang bis Mitte der 90er Jahre gebaut. Selbst die coolen wie ein BMW e39 werden mit weit über 10 Steuergeräten nie ein Youngtimer, dazu fehlt die überschaubare Einfachheit, die Möglichkeit selbst Hand anzulegen. Viel Elektronik und geclipste Plaste (ja das Zeug baut mit der Zeit auch ab und bricht leichter) machen diese Fahrzeuge uninteressant.

  2. Ohja die oben beschriebene Situation, dass ein Neuwagen einen mit sinnlosen Informationen bevormundet und sich weigert bei Missachtung loszufahren, kenne ich nur zugut.
    Auch kenne ich viele junge Fahrer, die durch durch ihre Fahrschulautos und die Neuwagen ihrer Eltern, ein altes Auto ohne sämtliche Helfer nicht mehr fahren können oder aber total verwundert sind wie „leer“ mein Käfer (Bj. 71) ist.
    Ich bin keinesfalls sehr viel älter als das oben erwähnte Mädchen aber mir graust es wenn ich die momentane Entwicklung der Automobilindustrie sehe. Denn was für einen Mehrwert hat es für mich, wenn ich weiß wie kalt es draußen ist, ob ich angeschnallt bin oder ob die Handbremse noch angezogen ist? Das alles weiß ich doch wenn ich im Auto sitze bzw interessiert mich nicht, weil es nichts mit dem fahren an sich zu tun hat. Ich fordere wirklich wieder die Rückkehr zu einfachster Elektronik ohne jegliches Spielzeug! Der Kram lenkt nur unnötig ab und verursacht Unfälle die das Auto mit noch mehr Elektronik versucht zu verhindern.

    1. Und wenn der Käfer dann noch ein Fussschalter zum auf- und abblenden hat oder einen Hebel im Fussraum um den Tank auf Reserve zu schalten, dann sind se hilflos überfordert!

  3. hahahaha….das mit dem gepiepse kenne ich auch. Immer schon gehoerte meine Faszination den Autos der 70er/80er.
    Als ich mal meine Grossmutter nach Hause fahren wollte, mein Vater gab mir seinen Neuwagen, da konnte ich nicht noch auf einen Kaffee mit reinkommen, da ich nicht wusste wie man das Ding abschliesst! Mit dem Schluessel ging das naemlich nicht. nach etwa 3 Minuten ging dann immer die Alarmanlage an. Wieder zuhause angekommen sagte man mir dann, da gibts einen Knopf am Griff, da macht man das Ding dann zu.
    Da frag ich mich dann doch wofuer es den Schluessel gab ;-)….

  4. Ich erinnere mich mit Grausen daran, als ich bei einem 5er (F11) den „Zündschlüssel“ nicht rausbekommen habe, weil der Eimer piepsenderweise wohl danach verlangt hat, dass die Parkbremse aktiviert wird. Hab aber den Handbremshebel nicht gefunden… 😉

    Saab und Simca, was liebe ich Euch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.