Was fährt der Saab Fahrer eigentlich heute?

Eigentlich fragen wir uns das schon eine geraume Zeit – schon als Saab zur Disposition stand.
Und eine interessante Diskussion, die daraus entstand war die Frage: Ist Saab vielleicht verschwunden, weil es eigentlich keinen Bedarf mehr nach dieser Marke gibt?

Wer hat denn früher Saab gekauft?

Saab 900

Ein Saab 900 der ersten Serie mit leicht schrullig anmutendem Heck, dessen Verlauf später visuell gegelätte wurde

Fragen wir uns doch erst mal dies und schauen dann, ob es die heute noch gibt.

Tatsächlich unterschieden sich die Fahrer der Marke in den verschiedenen Ländern massiv – in Schweden etwa stand der Saab für etwas ganz anderes als in Deutschland. Saab war da der sportliche, der Wagen mit dem besseren Schneegrip, mit dem man Rallyes fuhr.

Die große Zeit in Deutschland hatte der Hersteller, als Länder wie Schweden hier gerade en vogue fahren. Als man als Bildungsbürger nicht mehr nach Italien fuhr, sondern nach Schweden, nach Schottland, nach Irland. Da machte der Deutsche dann gar nicht so den Unterschied zwischen einem Ikea Sofa, Kerzenständern von Kosta Boda und einem schwedischen Auto vor dem renovierten Altbau.

Saab 99

In Schweden war Saab eher das kultige Sportgefährt, knackig

Der Saab passte ins Muster der Individualität. und als sicher galt er obendrein und auch noch als zuverlässig – all das wollte von individuellen Autos wie dem Alfa Romeo Guilia nun wirklich keiner behaupten.

Monokultur bei Saab

Gut auch: der Saab war enorm zeit- und klassenlos. Und „Der Saab“ – das war damals der Saab 99, später der 900, die man aus der Ferne zunächst ohnehin kaum unterscheiden konnte. Die Linie der sachlichen Fahrzeuge zeichnete der legendäre Karl-Erik Sixten Andersson, der neben technischen Zeichnungen für Husqvarna auch Flugzeuge für Saab entworfen hatte und dem Saab seine ursächlichen designerischen Gene mitgeben sollte. Interessant dabei, dass der schwedische Hersteller nicht in dieser Zeit längst mit einer breiteren Modellpalette aufwartete – das hatte schwach sozialistische Züge, denn im Grunde baute Saab ein Auto. Selbst später, als es den kleineren 90 neben dem 900er gab, war das im Grunde ein Auto, dass sich primär durch sein Marketing unterscheiden musste – Kombis etwa kamen bei Saab erst später, beinahe schon zu spät, obwohl das ebenso naheliegend gewesen wäre wie Allradantrieb für die verschneitesten Länder Europas.

Saab 96

Beim Saab 96 kann man die Flugzeug-Gene noch weit besser erkennen

Gabs aber nicht. Und dieser Art störrische aufrechte Haltung, die pflegten auch gerne die damaligen Saab Fahrer. Typen, die aus Prinzip keine Krawatte trugen oder gerne mal unpassende bunte Socken oder einen Schal im Sommer. Die aber dennoch auf ihre Weise wertkonservativ (auch ein aussterbender Begriff) waren.

Meine spirituelle Reise

Tatsächlich hatte ich als junger Journalist mal die Aufgabe, zu erschließen, was eigentlich die spezifische Qualität des 900ers ist. Mein Chefredakteur hatte beobachtet, dass immer mehr junge Ärzte und angesagte Architekten den Saab 900 besser als Neu aufarbeiten ließen, statt sich ein neues Auto zu kaufen. Und er schickte mich auf die Reise, das zu verstehen. Eine Reise, von der ich nie mehr zurückkehrte. Technisch gesehen kehrte ich zurück, im Kopf nicht. Und ich brachte es im Artikel einfach nicht auf den Punkt, es gelang mir erst Jahre später, das Gefühl zu beschreiben, für das der Saab 900 bei mir stand: Geborgenheit und Alltagsflucht – das waren die beiden Themen des 900ers, ein ganz schwer zu erklärendes Gefühl, das an ganz mechanischem Komponenten lag, wie etwa der senkrechten Scheibe und den hoch bauenden Sitzen, dem schier videospielartuig frontgetriebenen Fahrverhalten… Ein Traum, der mich jahrelang gefangen nahm – so lange, bis unsere Familie einen Kombi brauchte…

spaeter_900_sedan

Saab hatte eine etwas eigenartige Vorstellung vom Stufenheck

Die anderen Leute, die man immer beim Saab Händler traf, waren über die Jahre auch irgendwie normaler geworden. Als der 9-3er im Showroom auftauchte, war die Aufregung groß. Später versuchte der schwedische Hersteller dann leider nur noch, einem Opel Vectra im Auftrag von GM eine gewisse markentypische Schrulligkeit beizubringen. Und ja – überraschender Weise funktionierte das nicht. Der letzte 9-5, der sollte noch einmal das Zeug dazu haben – auch der 9000er  und der erste 9-5er, speziell als Kombi, waren fein. Der 9-3er kam nur noch als Cabrio richtig in die Gänge, bediente aber noch die rechten Klischees auf eine angenehme, nicht aufgesetzte Weise.

Ganz sicher: der letzte 9-5, der hätte es noch einmal echt bringen können.

Warum? Weil sie sich hier die Mühe gegeben hatten, ein ernsthaft individuelles Auto mit viel Liebe auf die Beine zu stellen. Eines, das wieder wirkte, als könnte man es ewig behalten, als könnte Saab es wieder mal 10, 12 oder 15 Jahre bauen, auch wenn man das heute nicht mehr macht.

Saab Friedhof

Monokultur der etwas anderen Art – Saab Friedhof / Gedenkstätte in Bayern 😉

Aber da war es schon zu spät.

In Deutschland waren die echten Saab Fahrer längst ausgestorben. Die tragen jetzt auch Krawatten und keine grünen Socken mehr, sondern bringen ihre Individualität gerne durch das am schlimmsten überteuerte Smartsphone zum Ausdruck, dessen Verkaufszahlen alles andere als Exklusivität sichern. Manche Dinge bleiben gesellschaftlich unklar.

Und in den anderen Ländern? Da gab es durchaus noch ernsthafte Saab-Fans. Aber nirgends so viele, dass die Marke damit über Wasser zu halten gewesen wäre. Speziell der 9-3 gewann keinen Test mehr, der 9-5 war hoffnungslos überaltert, den luden sie nicht mal mehr zum Test ein, weil das Leichenfledderei gewesen wäre.

Und wie immer saßen die Verantwortlichen in Detroit, nicht in Trollhättan – ein Muster, das man auch bei Opel im großen Stil zu sehen bekommt.

Und irgendwie starben dann die Fahrer weg, noch bevor GM Saab so richtig fallen lassen konnte. Dann kam der Break, ein kurzer Produktionsstop. Die Verzweiflungstaten blieben Saab noch – aber da waren dann auch die wirklich treuen Fans weg – hier und da vielleicht noch ein Cabrio-Käufer. Der Kombi war zu klein und zu wenig Saab…. Das ist einfach nur traurig.

Saab 9-5 2011

Der letzte Saab 9-5 hätte das Blatt vermutlich wenden können – ein Traumwagen der eigenen Art – gestorben, bevor er richtig geboren war

Hatte Saab vom legendären ersten Saab 900 noch eine gute Million Fahrzeuge hergestellt, brachten es die letzten Generationen noch mit Mühe auf 300.000.

Und die Saab-Fahrer?

Richtige Saab Fahrer, solche die mentale Saab Fahrer waren, sind Saab Fahrer geblieben. Ganz einfach, indem sie ihre Wagen behalten haben und sie auf natürliche Weise reifen lassen haben (im Volksmund: Youngtimer ;->).

Eine echte Alternative gibt es nicht. Lexus galt mal als angesagt, ist aber eine Nummer zu groß, Jaguar geht in Grenzen, ist aber zu elitär, Subaru war bis vor kurzem gerade noch schrullig genug, um es einem Saab Fahrer halbwegs recht zu machen. Vielleicht also war die Idee der Zusammenlegung der drei schrulligen S-Marken, die einst unter dem GM Dach lebten – Suzuki, Subaru und Saab – über die ernstlich nachgedacht wurde, nicht mal das dümmste?

Man stelle sich das mal vor: Ein 9-5 mit einem dicken Boxermotor und 1800 Liter Gepäckraum…


11 Gedanken zu „Was fährt der Saab Fahrer eigentlich heute?

  1. Subaru gehört zu GM??? Das wäre mir neu. Die hatten nur eine Kooperation damit GM an den Allradantrieb ran darf. Aber man hat erkannt, dass GM kein guter Partner ist und Kooperiert deshalb jetzt mit Toyota.
    Also ist jetzt mein Wissensstand. Wenn es falsch ist, schlaut mich bitte auf.

    1. GM hatte – je nach internationaler Rechenart – 20-28% Anteil an Subaru. Die (monetären) Entwicklungsanteile an einigen Fahrzeugen waren deutlich höher. Einige Fahrzeuge wurden gemeinsam vermarktet, zb eben als Saab. Und es gab den lustigen Plan, Saab, Suzuki und Subaru als Marken zu verschmelzen (wenn auch wohl nicht für den japanischen Markt)

  2. ich bin leidenschaflicher saab fahrer habe einen 9.3 bj . 2001
    einen 9.3 bj.2003 und einen 9.5 bj.2007

    alle wie neu und so laufen sie auch echte perlen
    ales turbos andere fahrzeuge nie

    1. Der 9-5 I ist für meinen Geschmack endlich richtiger SAAB, mit Details , die teilweise an den 900I erinnern. Zb die über die Kotflügel gezogene Motorhaube , das Zündschloß zwischen den Sitzen.
      Ich werde so lange wie möglich SAAB Fahrer bleiben um meinen 9-5 Kombi aus 2000 am laufen halten . SAAB4ever

  3. Seit 1999 fahre ich (wieder) Saab 901. zunächst als Sauger, dann zwei turbos. Der aktuelle hat nun 150.000 und gilt damit noch nichtmal als eingefahren. Ich mache einfach weiter, solange es noch Benzin gibt . Die Frage, was der Saab-Fahrer heute eigentlich so fährt, ist damit recht einfach zu beantworten: Saab !

  4. Als spätberufener SAAB Fahrer, der so einiges an anderen Marken durch hat, bleibt mir nur unsere 3 SAAB so lange es nur geht am Leben zu halten. Bevor ich ein neues Auto für 40T€ hole investiere ich lieber 10T€ und kann weitere 10 Jahre SAAB fahren. Und es ist tatsächlich so, in keinem anderen Auto fühle ich mich so wohl und sicher.

  5. Ich werde auch so lange wie möglich meinen 9-5 er am Leben halten,, denn SAAB darf nicht sterben , wir die SAABfahrer müssen alles tun um die Marke am Leben zu halten, auch nach dem endgültigem Aus letztes Jahr.
    Allerdings ist mir in dem Artikel ein kleiner Fehler aufgefallen, klar war der 1 millionste SAAB ein 900 er der ersten Baureihe aber es wurden nicht 1 Millionen 900 / 1 gebaut

    1. Hi Jörn – nein, nicht ganz – ja nach Quelle sind das zwischen 908.000, 915.00 und 948.000 – wir haben daraus großzügig „eine gute Million“ gemacht…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.