Kommen bürgerliche Coupés wieder?

Als Autor einer Serie mit Namen „Sportler von der Stange,“ die sich den Coupés der 70er Jahre, vor allem eben den Bürger-Coupés, die eben von der Stange kamen, widmete, zuckst Du, wenn am Nebentisch jemand sagt „Coupés können auf keinen Fall wiederkommen“.

Da geht schon dein weisender Zeigefinger hoch, du holst Luft, um anzumerken, dass man das wahrscheinlich auch über Roadster gesagt hätte, bevor Mazda damals den MX5 brachte….sexy2

Du bist überlegen – doch dann überlegst Du einen Moment und fragst Dich, ob das wirklich so ist – und du beginnst, dich umzuhören, zu recherchieren…

Wer kauft denn eigentlich Coupés?

Tatsächlich war eine der lustigsten Automobilschlagzeilen des Jahres 2014 die, dass kein Auto anteilig so viele interne Zulassungen aufweisen konnte wie der VW Scirocco vor seinem Facelift – und ganz ehrlich: Das Facelift wird daran nicht viel geändert haben. Der Scirocco wurde praktisch ausschließlich auf Händler zugelassen, bevor ihn ein Kunde in die Finger bekam – sogenannte Stützkäufe, die im Grunde nichts anderes sind, als ein Vorwand für einen niedrigeren Preis. Substanziell niedrigeren Preis…

Der VW Scirocco war einst ein Highlight der Marke. Natürlich waren da nie so viele von auf der Strasse wie vom Golf – das müsste einen auch wundern – aber der Scirocco war ebenso relevant wie die anderen Sportler von der Stange: Der Capri, der Manta, der Honda Prelude, der Toyota Celica und wie sie alle hießen. Wo sind die eigentlich heute…?sexy

Immer, wenn einer von denen wieder kommt, wie etwa der Scirocco nach langer Pause, erdummen sich Motor-Journalisten „Die Rückkehr“ des Coupés anzukündigen – das war beim Toyota GT86 so, das war beim Scirocco so – und die Autobild will immer mal wieder vom neuen Manta und vom neuen Calibra gehört haben….

Fakt ist: keiner derer, die wieder erschienen sind, ist je wieder auf Stückzahlen gekommen. Erst sind die großen Coupés wie der Capri mit seinen V6 Motoren, gestorben, dann sind sie kleiner geworden, dann wurden für die Zielgruppe Sportversionen der Kompaktlimousinen entwickelt, wie etwa der Astra GTC [der irgendwie weit cooler ist, als der fettärschige Scirocco der Gegenwart] und Modelle wie der Fiesta XR2 natürlich, die praktisch auf den kleinstmöglichen Modellen aufsetzten. Aber ein echtes Coupé von der Stange?

Wer fuhr Coupés zu Youngtimer-Zeiten?

hondMeine Mutter könnte diese Frage beantworten: Typen mit langen Haaren und Stone-washed Jeans…. Genau die waren das nämlich tatsächlich in den 80er Jahren: Männer, jung, Macho-Tendenz, die gerne zu laut Foreigner hörten…

Und wo sind die heute? Richtig – die sind ausgestorben. Hier hat sich einfach ein gesellschaftliches Bild verändert, wie uns der Berliner Psychologe Patrick Fischalek bestätigt: „Das Rollenmodell ist über die Jahre ausgestorben. Die Männer, die heute noch diesem Rollentypus entsprechen, haben eher sportliche Hobbies und die erfordern oftmals eher die Art Autos, in denen die Kunden auch Sportgeräte unterbringen können. Speziell bei gebildeten jungen Frauen gelten Sportwagen eher als Potenz-Kompensativ – und das kann kein Mann so recht wollen.“

Foreigner_-_4Er erläutert uns auch: „Die böse Wahrheit der Gegenwart ist: in niedrigeren Bildungsschichten spielen ‚Coupés von der Stange‘ durchaus noch eine Rolle – oder generell Macho-Autos. Das kann aber auch mal ein älterer Siebner BMW sein. Aber diese Schichten kaufen sicherlich nicht den aktuellen VW Scirocco, dem es einfach an Maskulinität und Angriffslust fehlt.“ Klischeehaft – aber vermutlich wahr.

Hinzu kommt, dass die gesellschaftliche Struktur sich hier geändert hat. Die junge, männliche Zielgruppe fährt heute vielleicht lieber mal einen Mini oder eben tatsächlich einen Wagen, in den das Mountainbike passt – oder nutzt Car Sharing in der Großstadt. Autos haben strukturell an Bedeutung gewonnen – und viele Kunden wollen eher sinnvolle Autos – und Autos mit weniger Türen und weniger Kofferraum sind da vielleicht nicht die erste Wahl, zugegeben…

Das Coupé ist also ein ganzes Stückerl vorbei – und es ist auch wirklich nur schwer vorstellbar, dass sich das an irgendeiner Stelle ändert im Zuge der Bestrebungen zum Elektro-Auto und ähnlichen Themen.

Wir sollten unsere Coupés also umso liebevoller pflegen und dazu stehen, dass wir die Typen mit den Stonewashed Jeans und den Foreigner Platten doch immer irgendwie cool fanden…

8 Gedanken zu „Kommen bürgerliche Coupés wieder?

  1. Hhmmm… ich weiß ja nicht, wo ihr lebt – ich sehe hier sowohl im Norden Deutschlands jeden Tag tonnenweise Coupés herumfahren?

    Mercedes, Audi, BMW etc., da sind doch jede Menge Coupés unterwegs, ältere und neuere! Und junge Machos sitzen da heute eher weniger drin…. ich habe eher den Eindruck, dass Coupes eine ziemlich stabile Kundschaft haben und wieder mehr gekauft werden.

  2. … sehe ich ebenso – die „Massenhersteller“ trauen sich nicht so recht, Experimente anzustellen. Der wirtschaftliche „Erfolg“ des Opel Speedsters zeigt allerdings auch, dass diese Zurückhaltung schon begründet ist. Schade nur, dass das zur Folge hat, dass die Hersteller nur noch eine kleine Zahl von Plattformen anbieten, denen sie dann aber unzählige Derivate – teils mit Gewalt – aufstülpen – da entstehen ja verschiedentlich unanguckbare Wurstwagen – auch bei den eher teuren Herstellern.

  3. Halt, da ist noch eine zweite Zielgruppe, das ältere Ehepaar, dessen Kinder aus dem Haus sind.
    Ja und die fahren jetzt SUV: „Da hat man so einen guten Überblick und es ist auch viel bequemer die Enkelkinder auf dem Rücksitz zu verstauen.“ Da killt das Megaplastikkindersitzvielpunktgurtmonster jetzt das Coupe.
    Unsereins sass damals bei Opa noch unangeschnallt in der Mitte und der hatte selbstverständlich den 2 Türer (Typ 43) gekauft. Man musste sich ja subversiv von denjenigen abheben, die einen Wagen wegen der Transportmöglichkeiten erwerben mussten.
    Als grosser Coupefreund muss ich euch Recht geben. Sie werden nicht wiederkommen. Einen 2 Türer Golf oder Corsa finden wir ja alle auch nur unpraktisch.

  4. In der Tat waren Coupes noch nie so richtig praktisch, aber in den 70/80 gab es eine Menge kleiner Flitzer mit Heckklappe, die durchaus auch den vernünfitgen Transport- und Mobilitätsbedürfnissen der/des Single/s entsprochen haben.
    Ein Alfasud Sprint, Honda CRX oder Ford Capri wäre auch heute in modern sicher verkaufbar – der aktuelle VW Scirocco ist einfach kotzhäßlich, teuer und völlig an der Zielgruppe vorbei – da kann das kleine praktische Coupe mit Heckklappe im allgemeinen aber nix für.
    VW konnte noch nie Design abseits der Pampers-Bomber-Linienführung. Der erste Scirocco war das einzige ansehnliche Coupe von denen, weil es von Guigaro designt war – seit sie es wieder selber machen, wirds halt wieder Niedersächsisch bieder.

    1. @ Toni
      Genau das langweilig, biedere Design scheint ja gerade sehr angesagt zu sein (mit dem, weiter unten genannten, „Aufsatz“) – suggeriert augenscheinlich Solidität, Mittelschicht-Erfolg und finanzielle Sicherheit.

      „Speziell bei gebildeten jungen Frauen gelten Sportwagen eher als Potenz-Kompensativ – und das kann kein Mann so recht wollen“
      Wobei ja die, von Audi seinerzeit ausgerufene, „aggressivere“ Gestaltung biederer Firmenflotten-Wagen der Anerkennung ihrer Fahrer in der Frauenwelt keinen Abbruch zu tun scheint.

      Nach den Kombi-Jahren, in denen es ja noch trister zuging (aber es aus den gleichen Gründen angesagt war), kommen nun die „solide semi-sportlich-eleganten“ „Einheitsdesign“ – Limousinen für den Herrn und das SUV für die Dame.

      Für Individualisten und ihre Fahrzeuge ist in einer Gesellschaft, die, seltsamerweise unter dem Deckmantel der krampfhaften Betonung des eigenen Ichs, immer uniformierter und grauer wird, einfach kein Raum mehr.

      Entwicklungs- und Produktionskosten und daraus resultierender Kopierwahn tun ihr Übriges.

      Btw. wo ist die ganze Tuningszene mit ihren GFKs, Fritten-Theken und Ofenrohren eigentlich geblieben?

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