In the Line Of Dreier: Sportliche Jettas

Manch einer mag lachen, wenn er Jetta im Kontext der LineOfDreier sieht – am Stammtisch fällst Du damit erst mal durch – hey, der hatte ja nicht mal Heckantrieb, ist ja lächerlich.

sportljettaiAber genau hier lag die Botschaft des Jetta – und die wurde nicht nur von Privatleuten erhört, auch Fuhrparkmanagern wurde der Jetta auf diese Weise angepriesen. Hier nämlich spielte VW beim Jetta der ersten Serie immer die Karte „Sport und Wirtschaftlichkeit“. Der Jetta war – ebenso wie der Konzern-Cousin Audi 80 – zunächst einmal leicht – speziell die GLI-Version mit dem GTI Motor hatte ein fantastisches Leistungsgewicht, auf das mancher BMW Fahrer zunächst einmal neidisch war. So ein Jetta LI / GLI ging unter 10 Sekunden auf 100 – das war damals schon mal eine klare Ansage. Der 110PS Jetta lag mit 9,5 Sekunden gar exakt auf dem Nullaufhundert Wert des BMW 323i. So – und spätestens da wurde dann manch einer am Stammtisch doch mal einen Ton stiller und fuhr Samstag nach dem Einkaufen noch einmal schnell heimlich beim VAG Partner vorbei, um sich das mal schriftlich geben zu lassen.

Der Jetta 1 kam zudem serienmäßig mit den zweiteiligen Spart-Streifen daher, die sonst im Konzern nur der GTI Golf tragen durfte. Hier zielte man eben mit den damaligen Mitteln auf den aufstrebenden Familienvater mit Sportsgeist.

Konnte ausreichend Sport, war super leicht und beherrschbar

Konnte ausreichend Sport, war super leicht und beherrschbar

Realistisch kauften die meisten den Wagen mit 60 oder 70 PS – und realistisch waren auch die meisten Käufer eher 60 oder 70 – und wenn sie es noch nicht waren, dann behielten sie den Jetta traditionell bis in dieses Alter hinein.

Der Jetta hatte eine coole klare Form – schließlich basierte auch er auf den Zeichenhänden des MEISTERS. Das Fahrverhalten war klar und eindeutig – hier konnten auch wenig begabte Fahrer den Dreier des Nachbarn abhängen, das hatte schon was.

Mit der Form hast Du es nicht direkt leicht in der Szene

Mit der Form hast Du es nicht direkt leicht in der Szene

1984 schließlich folgte dem Jetta I der Jetta II, abgeleitet vom Typ 19. War der erste Jetta noch eine Ansage gewesen – der Zweite war es nicht. Wer den BMW E30 als Gegner anpeilte, musste hier etwas mehr bieten. Tatsächlich aber hatte VW hoch gezielt – im wahrsten Sinne des Wortes – und wollte vor allem die Rentner glücklich machen, die den Jetta I so erfolgreich hatten werden lassen. Die schätzten den gigantischen Kofferraum sehr – also sollten sie ihn bekommen. Und das nahm dem Jetta II leider jegliche Linie. Und leider fuhr er sich auch ein wenig so. Einerseits war er im Komfort-Bereich unglaublich besser geworden als der erste Jetta – allem voran durch die massive Verlängerung des Radstandes um stattliche 5 Zentimeter. Das jedoch nach schon dem Golf viel von seiner ursprünglichen GoCart-Dynamik. Den Scirocco II ließ man gleich auf der ersten Plattform entstehen – aber der Jetta wurde dadurch im wahrsten Sinne ausgebremst, wenn es um Sportlichkeit ging. Zwar gab es den Wagen bis rauf zu satten und damals auch noch spektakulären 139PS – mehr konnte der E30 zunächst auch mal nicht – aber der Wagen wurde von der potentiellen Sport-Zielgruppe einfach ignoriert.

Der 3er war einfach zu gut geworden auf der einen Seite und konnte auf der anderen nun auch noch Familie – zumindest auf dem Papier, denn BMW bot ihn ab 1982 auch mit 4 Türen an. Faktisch hatte der BMW immer noch keinen Platz zwischen Rückbank und Vordersitz…

Wurde begeistert versportelt - aber der 3er Interessent würdigten den jetta II keines ernsthaften Blickes

Wurde begeistert versportelt – aber der 3er Interessent würdigten den Jetta II keines ernsthaften Blickes

Volkswagen hatte sich aus der Klasse der sportlichen Kompakten herausgekickt. Der 139PS Jetta blieb unfreiwillig exklusiv.

Das einzige Auto, das noch fettleibiger von der Burg des Wolfes hinabkam, war der Nachfolger VW Vento. den bot man sogar mit 6 Zylindern an – nur interessierte sich wirklich schlicht niemand dafür. Erst der Bora sollte wieder in die Regionen kommen – aber das ist eine andere Geschichte.

In der Linie des großen 3er, den sportlichen, kompakten Limousinen, hatte der Jetta nur einen kurzen Auftritt in den Jahren 1979 bis 1984 – und da war er wirklich eine ernsthafte Konkurrenz – und das sah sogar die heiligsprechende ams so. Und das wollte schon was heißen.

2 Gedanken zu „In the Line Of Dreier: Sportliche Jettas

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