DeLorean – da sollte wirklich Zukunft drin stecken – Teil 1

DeLorean? Klar – kenn ich! Zurück in die Zukunft und so, oder?

Ja… irgendwie schon. vor 30 Jahren tat Robert Zemeckis dem De Lorean DMC-12 den wohl größten Gefallen in der kurzen heftigen Geschichte der Unternehmung DeLorean.

Aber wer weiss schon was über diese Company? Angefangen mit der Tatsache, dass US-Amerikaner diese Company in jedem Falle für eine US-Company halten, oftmals für eine Tochter der Chrysler Gruppe – was faktisch Blödsinn ist – und da fängt eine interessante Geschichte an. Spätestens 2017 soll der DeLorean wieder auf den Markt kommen – es ist also Zeit, mal einen Blick zurück zu werfen…

DeLorean – ein US-Autohersteller? Mitnichten

Das Werk in Dunmurry - so ziemlich das einzige erkennbare Highlight der Region in diesen Zeiten

Das Werk in Dunmurry – so ziemlich das einzige erkennbare Highlight der Region in diesen Zeiten

Tatsächlich ist De Lorean eine Irische Company. Die Iren haben Autos gebaut? Tatsache, ja – und zwar aus einem schlechtem Grund – dazu später mehr.

John Zachary Delorean, Jahrgang 1925, galt als einer der Überflieger der Automobilbranche – in genau der Zeit, als diese Branche ihren Höhepunkt hatte und für damalige Verhältnisse schier unglaubliche Spitzengehälter zahlen konnte – obwohl sich der Niedergang dieser Industrie in ihrem eigenen schillernden Glanz für viele bereits am Horizont abzeichnete. Ganz sicher jedoch nicht für Gewinner-Typen wie DeLorean – der wollte eine Wachstumsstory sondergleichen schreiben – und schrieb dann doch nur ein bissel Filmgeschichte – und Steuergeschichte, falls man von so etwas sprechen kann.

Dunmurry heute: Die Natur holt sich wieder, was ihr rechtmäßig gehörte

Dunmurry heute: Die Natur holt sich wieder, was ihr rechtmäßig gehörte

Delorean war bei Chrysler groß geworden, zuvor bei anderen Companys erwachsen geworden – und wollte sich Ende der 70er jahre den Traum vom eigenen Sportwagen erfüllen. Etwas richtig cooles musste das sein, etwas, womit man von New York bis Cannes vorfahren konnte – aber gleichzeitig zu bezahlbaren Preisen… Man ahnt schon, dass bei dem mentalen Lastenheft etwas schief gehen würde – und genau: das tat es auch. Und zu allem Überfluss sollte es sich hier um eine ethisches Sportauto handeln – wenn etwas nicht erfüllt wurde, dann das.

DeLorean: Warum Irland? Oder: Warum besser nicht….

Irland (ganz gleich, welches der beiden) in den 70er Jahren: Ein Desaster wirtschaftlichen Niedergangs, Terrors und akuter Völkerflucht. Heute kaum noch vorstellbar, galt Nordirland damals bei Urlaubern als ungefähr so sexy wie heute Syrien, Afghanistan oder jedes andere Land, in das Du freiwillig nicht möchtest – mitten in Europa ging ein Land vor die Hunde.

Ach ja - es hätte alles so schön sein können - oder etwa nicht? Externe Gutachten sprachen von einem Maximum von 8000 Autos, die sich jährlich absetzen lassen würden - Maximum wohlgemerkt - und das basierte auf einem geringeren Preis und einem sportlichen Motor

Ach ja – es hätte alles so schön sein können – oder etwa nicht? Externe Gutachten sprachen von einem Maximum von 8000 Autos, die sich jährlich absetzen lassen würden – Maximum wohlgemerkt – und das basierte auf einem geringeren Preis und einem sportlichen Motor

Und John Z DeLorean, wie er sich zu dieser Zeit meist nannte, kam da der irischen Regierung ganz recht. Er versprach 4.000 Arbeitsplätze in einer Region, die praktisch geschlossen arbeitslos war – dafür musste ihn die irische Regierung nur mit den besten Bedingungen ausstatten – und jeder Menge Krediten. Die Rechnung erschien logisch: Jedes Pfund, dass man in die Schaffung von Arbeitsplätzen steckte, kam doppelt und dreifach zurück: Die Leute müssten nicht mehr von der Fürsorge bezahlt werden, hätten Arbeit, zahlten Steuern und am Ende des Tages würde es dem Terror möglicherweise teile seines Nährbodens entziehen. Was konnte man da mehr verlangen? Und da stand ein Mann vor ausgewählten Mitgliedern des House of Commons und konnte mit artistischen Business-Plänen erklären, wie das ganz gehen würde – und die Zeichnungen seines Flügeltürer-Sportwagens hatte er stets bei sich – und der schien tatsächlich etwas her zu machen.

I Have a dream... Wenn Ego, Hybris und Realität nicht sauber zusammen passen

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Bis dahin war die Geschichte eigentlich ausgezeichnet. Im Film würde jetzt düstere Cello-Musik erklingen… War die Geschichte nicht eigentlich sogar zu gut, um wahr zu sein?

DeLorean – getting in the Game

Es gibt diverse Bücher über DeLorean – viele sind sehr spekulativ und teilweise gar dümmliche – wie meine Oma gesagt hätte – „Räuberpistolen“. Eine enorm rühmliche Ausnahme ist die DeLorean Story von Nick Sutton, die dadurch hervor sticht, dass Nick Sutton tatsächlich einer der ersten Mitarbeiter der Compny war – und bis zum Schluß blieb, sogar ein paar Tage darüber hinaus. Er beschreibt die Anfänge der DeLorean Geschichte ein wenig so, wie man es bei vielen StartUps erlebt, die plötzlich Geld erhalten haben und nun einerseits nicht so recht wissen, wie man die Füße auf den Boden bekommt, andererseits unter massivem Erfolgsdruck stehen.

später sollte einiges häßlich werden - ob nun immer zurecht oder nicht

später sollte einiges häßlich werden – ob nun immer zurecht oder nicht

Im Gegensatz zu ein paar Teenagern, die eine App in die Store bringen müssen, hatte das Team von DeLorean in Dunmurray, einer der arbeitslosesten Gegenden Irlands und erst recht Nord-Irlands, jedoch einen Task, der aus verschiedenen klassischen Hardware Gründen unerfüllbar war: DeLorean hatte gleich zu Beginn der ganzen Geschichte eine Hypothek aufgenommen, die im Grunde den Weg in den Ruin klar vorgab: Er hatte sich ein Zeitversprechen abnehmen lassen, das utopisch war und wollte den Wagen in etwas über 2 Jahren auf den Markt bringen, was schlicht dummes Zeug war – und eigentlich hätte das jeder wissen müssen. Und so beginnt in Dunmurry eine Spirale Abwärts, die so wirkt, als ginge sie aufwärts.

DeLorean in Production – Jugend Forscht

Einen Wagen in Produktion zu bringen, dauert schon in einer laufenden Firma mit bekannten Zutaten eine ganze Weile – wenn Du eine Firma, wie der Brite sagt „from scratch“ aufbaust, dann sieht das noch ein ganzes Stückchen anders aus. Da gibt es dann keine Produktionsstrassen, keine Händlerkontakte, keine Teile vom Vorgängermodell und laufende Produktionsprozesse, auf denen Du aufsetzen kannst – da gibt es nicht mal Zulieferer, die mit Dir spielen wollen – und was solltest Du denen auch zeigen, wenn Du nur eine Zeichnung hast?

Und so gingen die Leute im DeLorean Werk den einzig möglichen Weg: Dinge parallelisieren, was immer besser klingt, als es in der Realität ist, da man in einem solchen Projekt erfahrungsgemäß auf Dinge aufsetzen muss, die noch gar nicht geschaffen sind. Und davon gab es hier einige. Angefangen bei der Tatsache, dass der DeLorean konstruktiv exotisch war. Die sehr schweren Türen bedurften diverser nicht geplanter Lösungen oder etwa auch die Karosserie, die mehrere Material-Träume gleichzeitig verwirklichen sollte. Solche, die dann dazu führten, dass Du viele Produktionsprozesse auf etwas ausrichten musst, womit niemand wirklich Erfahrung hat.

Der komplette Irrsinn am Rande: 3 DeLorean wurden aufwändig in Deutschland vergoldet - nicht mit einem coolen Effektlack - mit GOLD

Der komplette Irrsinn am Rande: 3 DeLorean wurden aufwändig in Deutschland vergoldet – nicht mit einem coolen Effektlack – mit GOLD

Und so wirkt vieles an der DeLorean Entwicklung dann ein wenig wie Jugend forscht und niemand muss sich wundern, dass nicht alles so klappte, wie in den legendären Business-Plänen John DeLoreans, die er in den kommenden jahre immer wieder der Regierung vorlegen musste – denn eins kam mal gar nicht hin: Seine finanzielle Schätzung.

Jenseits diverser katastrophaler technischer und vor allem Produktions-technischer Fehleinschätzungen kam der Zeitdruck hinzu, der vieles teurere machte. Gleichzeitig schloss John DeLorean selbst in den kommenden Monaten immer wieder diverse Verträge eigenmächtig – oftmals mit alten Buddies aus der Vergangenheit, die allesamt nicht unbedingt wirtschaftlichen Sinn gaben. Schon hier wurde einiges leicht dubios, was in der Presse später zu Betrug aufgebauscht wurde, es aber zu dieser Zeit sicherlich noch nicht war, nicht im strengen juristischen Sinne jedenfalls. Allenfalls waren ein paar Dinge hier etwas grenzwertig.

Fragwürdige Figur am Rande: Colin Chapman. Niemand wird je erfahren, welche Rolle er tatsächlich beim Verschwinden von ein paar britischen Staatsmillionen spielte

Fragwürdige Figur am Rande: Colin Chapman. Niemand wird je erfahren, welche Rolle er tatsächlich beim Verschwinden von ein paar britischen Staatsmillionen spielte

Dann kam noch ein teurere Beratervertrag mit Lotus hinzu, der später wirklich zum Problem werden sollte – und hier fielen in mehrerlei Hinsicht große Summen an. Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, wurde nun mit dem Hubschrauber zu Lotus und zurück geflogen und nicht mehr in Nordirland gewohnt – John DeLorean bevorzugte Nächte in London und Wochenenden in den USA – all das wollte jenseits eines üppigen Salärs bezahlt werden.

Auch die Suche nach dem Herzstück des DeLorean, die Sucha nach dem Motor, gestaltete sich eigenartig und für viele Beteiligte ebenso undurchsichtig wie nicht nachvollziehbar. DeLoren entschied sich, ohne seine wichtigsten beiden Ingenieure dazu zu befragen, für den PRV Motor.

Man kann wohlwollend zugestehen, dass der PRV Motor kompakt und leicht ist – man mag über seinen rauhen Lauf jammern, den er fast bis zum Ende seiner Bauzeit hatte – aber über eins konnte man sich sehr schnell einig werden: Der Motor ist nicht sportlich, war er auch beispielsweise im Renault Alpine nicht.

war deutlich länger legendär, als er populär war: Delorean DMC12

war deutlich länger legendär, als er populär war: Delorean DMC12

Am Ende schob er den DeLorean, der auch noch rund 120 Kilo schwerer wurde als geplant, den Wagen in 10,5 Sekunden auf 100 KM/H – ein Golf GTI dieser Zeit ließ den DeLorean stehen.

Der Motor Deal hatte außerdem weitere Konsequenzen operativer Natur, die erstmals nach dem Zugang der Lotus-Beratung einen holprigen Lauf zeigten. Die Kontrolle der Verträge ergab zufällig, dass DeLoren mit unterschiedlichen Zahlen agierte. Seine Bsiness-Pläne der Regierung gegenüber enthielten höhere Produktionszahlen, als Motoren abgenommen werden sollten. Beim näheren Hinsehen ergab sich hier eine Peinlichkeit: DeLorean hatte die Gutachten, die er zur Erlangung des grundsätzlichen Kredites der Regierung hatte vorlegen müssen, vielleicht nicht geschönt, aber doch sehr positiv gefiltert in seine Business-Pläne einfliessen lassen. Die Schlagzeilen dazu reichten dicke bis auf die britische Insel.

Und das sollten nicht die letzten Schlagzeilen dieser Art bleiben…

Weiter geht es im Teil 2




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