Das Qualitätstief des Automobil-Baus: Die verfluchten 90er

Auto Qualität ist ja immer so eine Sache – viele halten die einerseits pauschal für Stammtisch-subjektiv – andere erkennen, dass Auto Qualität auch ganz viel mit den Besitzern und den sozialen Umständen zu tun hat – das ist die eine Seite. Die andere ist hier mal sicherlich auch die, dass sich Qualität in gewissen Grenzen dennoch messen lässt – zumindest, wenn man ausreichend Vergleichsparameter zur Verfügung hat. Und wenn man das mal flächendeckend macht, kommt man doch zu ein paar erstaunlichen Erkenntnissen.

Eine der interessantesten Erkenntnisse im historischen Vergleich über die Jahre, wenn man einmal den Dekra-Report heranzieht, den Reliability Report der Garantieversicherer, „Qualitätsreports“ wie den JD Power oder auch die Erkenntnisse der Berater im Automotive-Bereich, die strukturiert seit den frühen 90ern Autos zerlegen, Dinge nachmessen, etc – und dann noch die Daten der Dauertests, die in Europa strukturiert durchgeführt werden, heranzieht – dann zeigen sich Trends auf.

Ferdinand Porsche war ein klarsichtiger Mensch: Teile, die nicht da sind, können auch nicht kaputt gehen

Ferdinand Porsche war ein klarsichtiger Mensch: Teile, die nicht da sind, können auch nicht kaputt gehen

Einer ist: Nie waren Autos so schlecht wie in der zweiten Hälfte der 90er Jahre und den frühen 2000er Jahren – mit ein paar Marken als löblichen Ausnahmen.

Die großen Brands jedoch hatten hier ein paar Modelle im Rennen, die jetzt zunehmend ins Youngtimer-Alter kommen, die aber eben kein vernünftiger Youngtimer-Fahrer haben will, weil sie genau die Kriterien, die viele an einen Youngtimer anlegen, nicht erfüllen.

Auto Qualität – Schlimme Youngtimer

Mercedes bringt 1993 den #W202, der zugegebenermaßen ein schweres Erbe des unglaublich guten Mercedes #W201 antritt, aber in seiner ersten Auflage tatsächlich Schwächen hat. Der W210 folgt und stellt sich als teilweise desaströs heraus – Mercedes Quality? Hier eher nicht.

Nur echt ohne Holzlenkrad, das leider viele Leute aus dem Zubehörhandel in den Audi hineinbastelten

Audi verwendete noch den Schlagtest zur Qualitäts-Sicherstellung, obwohl der als altbacken galt. Aber er schaffte Qualität…

Audi hat mit dem letzten Audi 100, der zum A6 mutiert, eines der besten Autos aller Zeiten auf der Reihe und ersetzt den Wagen durch den zweiten A6, der sich als Zicke herausstellt und mit Luftmengenmesser-Problemen und sich Durchrostungen an den bizarrsten Stellen nicht gerade um die allgemeine Auto-Qualität verdient macht. VW guided uns durch die 90er mit dem rostenden Golf 3 und dem zickigen Golf IV – sowie seinem großen Bruder Passat B5 den wohl schlechtesten Passat der Geschichte, dessen reißende Heckscheiben, gepaart mit Bremsenfraß und diversen nervigen Defekten Volkswagen aus diversen Fuhrparks katapultieren.

Alles Fahrzeuge, die Jahre später zurecht die Gebrauchtwagen-Garantie-Preise massiv in die Höhe trieben – die Fahrzeuge sind unausgereift und fehleranfällig. Selbst Toyota erlaubt sich mit dem ersten Avensis einen Wagen, der immer noch ausgezeichnet ist, aber in allen qualitativen Scores schlechter abschneidet als sein legendärer Vorgänger Toyota Carina E – ein rein deutsches Phänomen ist das also nicht – dass Peugeot mit dem Peugeot 406 einen qualitativen Flop in der ersten Generation landet und Renault mit dem Safrane eines der schlechtesten Autos auf die Beine stellt, passt da irgendwie nur ins Bild, schockt aber auch niemanden.

Auto Qualität – Was ist also los in den späten 90ern?

Böse Zungen mögen da jetzt sagen: Da haben die Konzerne damals echt an der falschen Stelle gespart – was das Problem im Kern schon ganz gut umreißt – in der Realität ist es aber etwas komplexer. Automotive Consultant Sören Mattson ordnet das Problem so ein:

Wirkt heute schon beinahe ein wenig unfreiliig komisch: Hightech im BMW E38

Overwhelming Complexity

Ende der 90er ist die Entwicklung crazy. Immer mehr Technik wird selbstverständlich und taucht in hoher Gleichzeitigkeit in den Fahrzeugen auf – vor allem bei den Deutschen Herstellern. Klima-Automatik mit ihren Sensoren, elektrische Fensterheber rundum, Abgasreinigungssysteme mit computerisierter Einspritzung, frühe Navigationssysteme, Digital-Tachos, beheizte Sitze und Bordcomputer verkomplizieren die Kabelbäume binnen weniger Jahre um den Faktor 3-4. Autohersteller wandeln sich binnen kürzester Zeit von Heavy-Metal-Produzenten zu Software-Companies.
Als wäre das alleine nicht schon schlimm genug, sehen sich die Hersteller gezwungen, auf den Preisdruck der erfolgreichen asiatischen Hersteller zu reagieren – durch Plattform- und Gleichteilestrategien verändern sich Konstruktionsprozesse und werden im laufenden Betrieb Sparmaßnahmen unterworfen (!).
Im Nachhinein ist es ein Wunder, daß funktionsfähige Fahrzeuge unter diesen Bedingungen die Werke verließen.

Dennoch fällt auch auf: BMW leistet sich nur 2 halbe Flops: der E38 hat Probleme mit dem Energie-Haushalt, sein Nachfolger in den ersten beiden Jahren mit einzelnen Software- und Update-Komponenten. Sonst bleiben große Skandale und Fehlschläge aus, scheint die Auto-Qualität dieses Herstellers hier nicht zu leiden. Woran liegt das?

Nur so eine olle Möhre oder vielleicht doch eine Wertanlage in einer seltenen Farbe, die die Oldtimer-Markt sofort aufs Titelbuild heben würde? Nachdem Crash kann das der Laie nicht mehr erkennen

Ein Steak aus bestem Fleisch

Sören Mattsen beschreibt das so:

BMW ist eine Ingenieurs-Company – weit mehr als bei den meisten Automobilherstellern haben die Techniker hier das Sagen – vor allem in den 90er Jahren. BMW befindet sich im Kampf um Qualität, ist mit E30, E36, E32, E34 in der höchsten Liga dieser Klasse angekommen und lässt hier keine Experimente zu.

Und unser Freund Gerhard, der damals bei BMW gearbeitet hat, bestätigt

Das klingt nach einer einfachen Erklärung, aber Sören liegt hier völlig richtig – mehr braucht es am Ende des Tages in vielerlei Hinsicht nicht. Am Anfang von Qualität steht immer der Wille, Qualität zu produzieren und für diese auch die entsprechenden Kosten zu tragen. Die Pfennigfuchser hatten bei BMW einfach keine Hoheit. Allein die Tatsache, daß BMW zu der Zeit diverse externe Ingenieure beschäftigte, um speziell im Bereich Qualität und – im klassischen Sinne – Haltbarkeit der Fahrzeuge dazu zu lernen, spricht Bände.

W210 ROST

27% Einsparung

Schaut man hingegen zu Mercedes in den 90ern, dann sehen wir ein Unternehmen, dass tatsächlich dumm genug ist, öffentlich zuzugeben, beim W210 zwischen 20 und 27% Herstellungskosten eingespart zu haben – jede Hausfrau versteht, dass ein gutes Steak in erster Linie aus hochwertigem Fleisch besteht – und das ist bei Autos nicht anders. Am Ende hält bei gleicher Web-Art ein dicker Polsterstoff immer mehr aus als ein dünner – alles andere ist Caféhausgeschwätz.

Vielleicht erklärt das tatsächlich, warum die BMWs aus dieser Zeit die Mercedes-Fahrzeuge so massiv und deutlich verdrängt haben. Auch hier hat Qualität gesiegt – und die gehört neben Schrulligkeit sicher zu den wichtigsten Merkmalen der Youngtimer-Szene.

Und damit konnten dann tatsächlich primär die Aufsteiger BMW und Audi glänzen, die hier keine Experimente machten.

Die späte Rache folgt.


11 Gedanken zu „Das Qualitätstief des Automobil-Baus: Die verfluchten 90er

  1. Ich finde diesen Artikel/Bericht sehr, sehr toll.

    Besonders dieser Spruch unter dem Lenkrad des VW Käfer find ich toll!!!

    Ferdinand Porsche war ein klarsichtiger Mensch: Teile, die nicht da sind, können auch nicht kaputt gehen

    Ich selbst habe vor 2 Jahren für CHF 400.00 ein Ford Scorpio 2.4 i CL, V 6-Motor, Jg. 1989, 5-Gang, mit 203’633 km gekauft, noch ab MFK.

    Das Fahrzeug ist die billigste Ausführung die es bei Ford gab, natürlich mit dem 2.4 i V-6-Motor mit 125 PS.

    CL: manuelle Scheibenheber vorne und hinten, manuelle einstellbare Aussenspiegelverstellung von Innen, nur die nötigsten Kontrolllampen, kein Tourenzähler:

    Aber dafür hat das Fahrzeug:

    Zentralverriegelung, welche heute noch funktioniert.
    Frontscheibenheizung
    Manuelles Schiebedach
    Nebellampen vorne

    Dieses Fahrzeug benütze ich als Sommer-Alltagsfahrzeug und hat jetzt 213’500 km.

    Hier wäre mein Bericht über mein Fahrzeug:

    https://jpwuethrich.wordpress.com/2015/04/07/die-400-00-chf-limousine-ford-scorpio-mk-1-2-4-i-cl-jg-1989-noch-ab-mfk-tuv/

    Ich finde zur Bemerkung die Homepage Youngtimer-blog sehr gut.

    Gruss aus der Schweiz.

  2. Eigentlich ein schöner Artikel. Nur leider in total holprigem Denglisch verfasst und daher mühsam zu lesen. Oder wolltet ihr die Textqualität den Autos der beschriebenen Epoche anpassen? 😛

  3. Ihr müsst einfach die richtige Autos nehmen.
    Meinen ollen Corsa B versuche ich schon seit Jahren zu Grunde zu richten.
    Unzerstörbar das Ding…sogar noch ungeschweißt 😀

  4. Als ich vor über einem Jahr nach einer Bequemlichkeitslimo suchte, hatte ich Eure Artikel zu BMW und Mercedes aus den 90ern stets im Kopf und Mercedes demnach links liegen lassen. Ich hab keinen BMW für schmales Geld (3-4000) gefunden, der nicht fiese Mängel hatte.
    Rost, kaputtes Display, runterfallende Seitenscheiben, verwohnter Innenraum, noch mehr Rost. Es ist dann tatsächlich ein W210 geworden, der nur dort ein wenig rostet, wo der Lack beschädigt wurde. Und weniger kostete als die abgerockten BMWs. Bei dem alles funktioniert, seit über einem Jahr.
    Ich habe mittlerweile daher den Verdacht, dass Ihr nicht so ganz objektiv seid, was BMW und Mercedes angeht.

  5. nur weil die unterirdisch schlechten Benze der 90er (und danach ja auch noch) verfaulen wie Erdbeeren in der Sonne, heisst das noch lange nix für andere Marken… schon lächerlich so ein Geschreibsel…
    Ich bin nach wie vor der Meinung, dass sich die (frühen) 90er Autos, die letzten langlebigen Autos sein werden…
    Einerseits weil sie von der Technik her noch halbwegs beherrschbar sind und andererseits weil bei fast allen der Rost damals schon ziemlich besiegt war…

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