Der Vectra A Youngtimer kommt….! Ups – schon durch…

Die Asconas waren diese typischen Verbrauchsautos – die stellte in den 70er und 80er Jahren keiner auf einen Altar. Den kaufte man, den fuhr man und das taten dann 3 bis 4 Leute und dann war er oft einfach nichts mehr Wert – ganz anders als die 123er oder 124er Benze und ähnliche Autos.

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Die Schrägheckversion hat nicht nur mehr Kofferraum, sondern auch die weniger spießige Linie – dafür fehlt ihr das „bürgerliche“ 😉 Weinrote Metallic-Töne waren zu Kohls Zeiten unglaublich in – mit bestem Dank an opel-bilder.de

Leider gilt das im Normalfall fast für die gesamte Fahrzeugklasse – einem Passat oder Taunus ging es meist auch nicht besser – der 190er Mercedes hingegen; den fuhren von Beginn an solide Spießer, oftmals komplett vom Mund abgespart, weil man sich den eigentlich nicht leisten konnte – natürlich wurde so einer anders gepflegt.

Dem Vectra erging es fast noch schlimmer.

Als wir vor Jahren nach dem langweiligsten Youngtimer fragten, legte der Opel Vectra A einen unfreiwilligen Traumstart hin und hüpfte mit weitem Abstand auf Platz 1, bei der Wahl zum hässlichsten Youngtimer belegte er wieder Spitzenplätze. Der Vectra hatte es auch als B und C nicht leicht – aber der A wurde schier gemieden – auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt.

Im Original der ersten Serie wirkt der Vectra beinahe zierlich, signifikant schmaler als der Passat seiner Zeit

Im Original der ersten Serie wirkt der Vectra beinahe zierlich, signifikant schmaler als der Passat seiner Zeit

In den Zeiten, in denen Opel in Grund und Boden geschrieben wurde, bot der Vectra A nicht einmal genügend Angriffsfläche, als dass sich jemand über ihn hätte aufregen wollen. Und das lag nicht an seiner aerodynamischen Form, sondern am Opel Image auf der einen Seite, an mangelndem Interesse an Mittelklasse-Limousinen und den ersten Signalen, die zeigte, dass die gesellschaftliche Mittelklasse in Deutschland verschwand.

Dass Opel die Idiotie besaß, auch den ersten Vectra ohne Kombi ins Land der Kombifahrer zu schicken, ist vollkommen unverzeihlich. Aber klar war dennoch: Der Vectra A war mal alles andere als ein schlechtes Auto: Solide (nicht nur verglichen mit seinem Ruf), immer noch verhältnismäßig einfach und recht konsequent durchkonstruiert.

Hinzu kommt sicherlich: Der Vectra A bot, auch ohne den fehlenden Kombi, immer noch eine große Modell-Breite – mit Stufenheck-Limousine und der Schrägheckversion sowie diversen Motorisierungen bis schließlich hin zum Allrader mit Top Motorisierung.

In den neuen Bundesländern war der Wagen zur Zeit der Wende deutlich höher geschätzt als im Westen der damaligen Republik – und das blieb auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt so.

Und doch: Jetzt ist er nur noch deutlich schwerer zu bekommen, als seine Segmentsbrüder der Zeit. Immerhin wurden die letzten Modelle 1996 zugelassen – und doch tun sich Youngtimer-Interessenten schwer, einen gescheiten Opel Vectra A zu finden. Nicht, weil es so wenig gescheite Modelle gäbe – die meisten, die man findet, sind sogar in überproportional gutem Zustand – es gibt nur einfach nicht besonders viele auf dem Markt.

Kaum, dass der Vectra A die Youngtimer-Fahrer hat, die ihn cool finden, die in ihm auf der Rückbank groß geworden sind, da fehlen die Guten auch schon wieder – ein Schicksal, was die Autos dieser Klasse sehr oft trifft, die Kombis vielleicht traditionell noch mehr.

Eigentlich wäre das irgendwie cooler gewesen, oder? Speziell im ehemaligen Ostblock ist der "Calectra" Umbau sehr beliebt gewesen und wurde sogar von GM-Werkstätten durchgeführt

Eigentlich wäre das irgendwie cooler gewesen, oder? Speziell im ehemaligen Ostblock ist der „Calectra“ Umbau sehr beliebt gewesen und wurde sogar von GM-Werkstätten durchgeführt

Man kann ihn heute wirklich mögen – auch wenn er auf seine Weise wohl visuell ein langweiliges Auto ist. Die Entwicklungs-Legende sagt, dass er tatsächlich die Front des Opel Calibra bekommen sollte – und man muss im Nachhinein sagen: Diverse Umbauten, die diesen Schritt gegangen sind, zeigen, dass das wahrscheinlich cooler ausgesehen hätte. Wahrscheinlich zu cool, zu sportlich, zu aggressiv – Opel wollte raus aus der „Proll“-Ecke Mitte der 80er, als Manta-Witze zum allgemeinen Kulturgut wurden – da durfte es dann ruhig ein bisschen seriöser sein. Dabei wäre es vielleicht ein netter Kontrapunkt zum vielleicht noch langweiligeren Nasenbär-Passat-Gesicht gewesen und hätte den Vectra A stärker vom späten Uwe-Bahnsen-Sierra abgehoben.

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Ergonomisch dem Sierra durchaus überlegen, ruhig, sachlich. Airbags zogen mit dem Facelift ein

Hätte, könnte, sollte…

Wie fährt sich so ein Vectra A heute? Angenehm vergangen. Nicht schrullig – bis auf die Lenkkräfte vielleicht, die schon beim Ascona C immer irgendwie den Verdacht nahe legten, dass Frontantrieb bei Opel noch ein wenig Übung brauchte.

Viele Kids finden das cool – und wenn wir Mails und Bilder von Vectra Fahrern bekommen – ja – dann gilt hier eben meist: Youngtimer sind die Autos Deiner Eltern – da ist über die Jahre viel Wahres dran, so auch hier. Und hier darf man auch nicht unterschätzen, dass wir das schon gesehen haben: Der Ascona C war lange Zeit so gar kein Youngtimer – und dann machte es Schwubs – und sie waren alle verschwunden….

vectrawerbDer Vectra A ist kein typischer Head-Turner; wird er auch nicht mehr werden. Aber er ist ein guter solider Youngtimer – gerade auch für Leute, die einen einfachen Wagen suchen – denn der Vectra ist tatsächlich angenehm reparaturfreundlich gestaltet – auch so eine Qualität, die in den Jahren danach verloren ging. Wenn es geht: lieber einen größeren Motor und keine Automatik. Die Automatik ist nicht nur anfälliger als die Handschaltung – sie ist auch keine wirklich gute Automatik. Hier hinkte selbst der Vectra B dem Markt noch ein wenig hinterher. Ärger machen gerne die Benzinpumpen, speziell aus den Baujahren 91/92 und hier und da eher Kleinigkeiten. Richtig nervig sind die Zündschlösser – vor allem bei Vectras vor dem Facelift von 92. Ab da sind die Vectras für die damalige Wahrnehmung irgendwie hübscher geworden – aus heutiger Sicht wirkt gerade der erste Vectra A – und da mag er langweilig sein – viel mehr wie ein Auto, das der Gegenwart auf angenehme Weise entrückt ist.

Und eins sollte klar sein: Die ältesten gehen gerade Richtung H-Kennzeichen und so langsam finden die Leute den Vectra A cool – billger als jetzt, wo man gute Exemplare teilweise für weniger als 1000€ bekommen kann – und dann haben die TÜV – wird der Vectra A nicht mehr werden.




4 Gedanken zu „Der Vectra A Youngtimer kommt….! Ups – schon durch…

  1. War eines meiner besten Autos,gekauft für 300€, 75 PS,1600 ccm,laut Tacho bis 200km/h schnell,keine Servo,Verbrauch 5-6 Liter da kommt kaum jemand dran, zum Glück fand ich weil er durchgegammelt war jemand der ihn jetzt restauriert. Der Kadett E den ich jetzt fahre ist da gar nicht zu vergleichen. Habe gesucht und keinen gefunden,leider sind die 88 er Modelle nicht zu finden in klassischem Rot, auch machte die Abwrackpramie den Wagen rar. Wie gerne hätte ich wieder einen, zuverlässig, spurtreu, bequem,noch mit Roßhaarsitzen, dadurch kein Schwitzen,die Facelifts hatten den ollen Schaumstoff.

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