Warum Mercedes immer der Frontrunner der Youngtimer-Szene war

Als Youngtimer sozusagen das erste Mal urkundlich erwähnt wurden – das war so irgendwann in den 80er Jahren – da waren sie von 2 Marken: Volvo und Mercedes Benz. Der Begriff „Premium-Marken,“ der heute in Deutschland Audi, BMW und Mercedes meint, war noch nicht geprägt – aber wenn es welche gab, dann waren das damals diese beiden. Man könnte Saab anführen – aber Saab war damals in Deutschland viel zu exotisch, während es vom Volvo Amazon und von den Modellen der Serien 140 und 160 durchaus eine relevante Menge gab.

Innerhalb des Deutschen Automobilgefüges hatte Mercedes unzweifelhaft eine Sonderstellung. Es war die Marke, die dafür stand, etwas erreicht zu haben – und nicht nur das. Mercedes baute schier klischeehaft steinerne Fahrzeuge, die mit jeder neuen Generation zuerst rückwirkend zum letzten Benz erklärt wurden, dann aber schließlich als ebenso steinern in die Geschichte eingingen.

strichacht

Aus dem Vollen und dann mit dem Meißel die Form herausgeklopft

Das waren Autos, die als Youngtimer irgendwie Sinn gaben: Wenn sie mehrere Jahre alt waren und erschwinglich wurden, waren sich schlicht und einfach immer noch unglaublich gut.

sechsneuner

Walhalla. Nicht nur der Stricher wurde zur Legende – der Sechsneuner war der Marmortempel der Nachkriegs-Premium-Klasse

Konstruktiv waren Autos wie der Strichacht, der klar den Meilenstein auf dem Weg in den modernen Automobilbau darstellt, auch im Alter von 20 noch nicht schlechter als ein durchschnittlicher neuer Ford Escort. Autos mit einem hohen aktiven und passiven Sicherheitsstandard, die bezüglich ihrer Langlebigkeit über schier magische Fähigkeiten verfügten – nicht nur am Stammtisch.

Und dadurch waren sie eine gute Mischung: Erschwinglich, haltbar, und immer noch cool genug, damit die Nachbarn dich zumindest heimlich beneideten. Ein Strichachter für 2000 Mark trug den Stern immer noch stolz und aufrecht. Der Benz war auch mit 20+ noch begehrlich, der Strichachter wurde zur Aussage einer Generation. Gerne auch in sichtbar verbrauchtem Zustand. Darin steckte eine Mischung aus Widerstand und Verehrung des Spießigen, das nur mit dieser Marke herstellbar war.

Und hier stellte sich in einer gewissen Szene auch schon heraus, dass die Wagen im Grunde wirtschaftlich klug waren und keinerlei signifikanten Wertverlust hatten – und im Falle des Strichachters wurden sie am Ende Oldtimer und stiegen gar noch im Wert.

Das damalige Szene Organ nannte sich zwar Oldtimer Markt, war aber just im Markt-Teil voll von Youngtimern – und dabei am meisten die der Marke Mercedes, die in heißen Phasen gut und gerne 20% des gesamten Kleinanzeigenteils ausmachte.

Waren teuer und blieben es

Waren teuer und blieben es

Erst sukzessive holte Volkswagen da auf.

Aber bergehrlich waren die nicht – die waren eben aus einer anderen Epoche und man klopfte Dir auf die Schulter – aber echten Youngtimer Neid gaben die nur W114 und W108 oder W116.

Ein so klar gegliedertes Feld kommt nie mehr wieder, soviel ist klar. Klar ist aber auch: So, wie der Nimbus der Marke Daimler abnahm, nahm er zeitversetzt entsprechend auch in der Youngtimer Szene ab. BMW und Audi holten auf – die premium-Marken, die nun auch in alt begehrenswert wurden, speziell die noch schrulligen Audis vor dem großen Move in Richtung Premium und die sehr ehrlichen BMW, die noch leicht waren wie etwa der Nullzweier. Und langsam aber umso sicherer wurde Mercedes von den anderen Marken in den Schatten gestellt, verblasste und bliebe eine Marke unter anderen. Eine mit dem Nimbus der vergangenen Vergangenheit.



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