Still und leise verstorben: Jan Wilsgaard

Der Name Jan Wilsgaard löst auch bei stark motomanen Menschen im Regelfall nur ein Fragezeichen im Gesicht aus – man ahnt, dass der Mann dem Namen nach wohl Schwede war und somit entweder etwas mit Volvo, Ikea oder Olof Palme zu tun haben muss….

Promi-Bilder von Jan Wilsgaard? Eher nicht. Nach seinem Weggang von Volvo im Jahre 91 lebte Wilsgaard zuhends zurückgezogen, abgesehen von einem Vortrag hier und dort

Promi-Bilder von Jan Wilsgaard? Eher nicht. Nach seinem Weggang von Volvo im Jahre 91 lebte Wilsgaard zuhends zurückgezogen, abgesehen von einem Vortrag hier und dort

Tatsächlich war Jan Wilsgaard technisch gesehen Norweger. Dennoch prägte er das Design des schwedischen Herstellers Volvo wie kein anderer und reiht sich damit in einer ganz und gar anderen Art in die Reihe der Großen Designer ein: Uwe Bahnsen, Paul Braq, Bruno Sacco, Claus Luthe, Giorgetto Giugiaro.

Anders, weil Jan Wilsgaard kein Start war, wie manch ein Designer bei den Deutschen Automobilherstellern in den 70er und 80er Jahren, als die große Zeit der Designer-Prominenz war – und das nicht nur im Automobilbau.jan-wilsgaard-todesanzeige

Jan Wilsgaard prägte seine Marke in gänzlich anderer Weise und viel massiver als dies andernorts geschah – am nächsten kam dem vielleicht noch Bruno Sacco, dessen Prägung des Gesamtgesichtes der Marke ein großer Wurf mit weitreichenden Konsequenzen war.

Wilsgaard jedoch prägte praktisch exakt ein Design: Das des Volvo 140. Das adaptierte er dann mit dem 164er beinahe verspielt und versachlichte es später noch einmal mit der 200er Serie, um es später mit dem 7er mundgerechter für den US-Markt zu gestalten. Alles große Würfe, wenn man auch böse lange Zeit sagte, dass Volvos durch dieses Design stets ein wenig wie Steine wirkten und man ihnen „Design“ als solches mancherorts absprach.

Das zeugt primär von mangelnder Auseinandersetzung mit dem Design von Volvo, das nämlich durch diverse Kleinigkeiten wie den Chromrahmen oder die klassische Schulter der Fahrzeuge, die man bei den Limousinen sehr charakteristisch sieht, sehr klar das ausstrahlte, wofür Volvo stehen wollte: Sicherheit und Vertrauen.

Wer das Design der feiner gestalteten US-Autos dieser Jahre genau betrachtet, der findet diverse Anklänge an Wilsgaards Schöpfungen wieder – Die Schulter etwa galt in den USA oft als amerikanisches Design-Element, was so tatsächlich nicht der Wahrheit entspricht.

Die US-Scheinwerfer hatten teilweise seuchenartige Verbreitungsgrade erreicht

Nordisch by nature

Wer nun aber meint, Jan Wilsgaard hätte nur das „Brick“-Design („Mauerstein-Look“) gekonnt, der irrt: Der Schneewittchensarg etwa stammt auch aus seiner Feder, ebenso gestaltete er federführend die Front des legendären Volvo Amazon, was nach dem Buckel-Volvo eine echte Herausforderung gewesen sein muss.

Die Tatsache, dass kein Automobilhersteller so viele Teile mit in eine neue Modellreihe nimmt wie Volvo, begünstigte sein Schaffen sicherlich – speziell im Innenraum zeigte Volvo diese Konsistenz jahrelang sehr sichtbar, aber auch unter dem Blech war Volvo immer Volvo, war Volvo, war Volvo….

Semper Idem.

Jan Wilsgaard war für Volvo der richtige Designer zur richtigen Zeit.



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