Youngtimer-Träume: Autos, die es nie gab, Teil 3 1/2 – Günther Artz

Günter Artz? Klingelt der Name noch nach hier und da….?

Weija… War der Typ cool, oder was? Hm… Sagen wir es so: Ein PR-Genie war er wohl sicherlich – aber an vielen anderen Stellen erfüllte Artz leider die Kriterien dieser kleinen Serie des Youngtimer Blogs: „Autos, die es nie gab….“

Aber mal einen halben Schritt zurück:

Günter Artz – wer ist das?

Doch, der 928er passt in den Golf. Äh... irgendwie

Doch, der 928er passt in den Golf. Äh… irgendwie

In seinem Alltagsjob war Günter Artz zunächst einmal der Geschäftsführer des Autohauses „Nordstadt“ in Hannover. Er vereinte großes persönliches Geltungsbedürfnis mit einem untrüglichen Gespür für Pressetauglichkeit. Diese Eigenschaften und seine Experimentierfreudigkeit im Bereich Tuning machten ihn zu einem Lieblingskind der Auto Motor und Sport – denn Günther Artz war immer eine Titelseite erster Klasse wert. Seine Autos waren die Art Hingucker, die Männerherzen höher schlagen ließ. Diese Art von Machbarem, Möglichem, das gerade so weit neben der Serie war, dass jeder hinschauen musste, gleichzeitig aber (theoretisch) alltagstauglich.928er-kombi

Er war der Traumlieferant – und die Autozeitungen druckten – und in seinem Falle druckten sie oftmals blind. Obwohl Recherche damals noch zum guten Ton gehörte, nahm man es hier nicht so genau. Da wurde dann ein Prototyp zur Kleinserie, ein verkauftes Auto zu 20 bestellten Fahrzeugen…. Auch sonst nahm Artz es hier und da nicht ganz so genau, was am Ende zu ein paar Seitenarmen seiner Karriere und unerwarteten Wendungen führte.

Aber hey: Seine Kreationen war einfach genial.

Arzt baute, die Auto Motor sport schrieb - das ging eine Zeit gut

Artz baute, die Auto Motor Sport schrieb – das ging eine Zeit gut

Da war der Porsche 928 unter der fett verbreiterten Hülle eines Golf 1, da war der Audi 200 Kombi vom Typ 43, der Sciriocco 1 als Kombi, der Jetta als Cabrio….. Da steckte so vieles drin. So viele kleine Schritte, so schien es, waren notwendig, um etwas cooles zu bauen – wie schwer etwa konnte so ein Jetta als Cabrio sein? Oder der Audi Quattro als Limousine, der endlich Platz in all den Fuhrparks gefunden hätte, die keine Sportwagen erlaubten (>90% aller Deutschen Fuhrparks zu Beginn der 80er Jahre….).

Man schlug die Auto Motor und Sport auf und wollte förmlich schreien „Bau mir so einen! Der nächste ist meiner!“.

In der Realität sah das ganz anders aus. Günther Artz Autohaus machte sein Geld mit schnell drehenden Gebrauchtwagen, die nahe am Neuwagen waren, damals ein einigermaßen neues Konzept, sowie mit Festpreis-Inspektionen – ebenfalls ein einigermaßen neues Konzept, das aus diversen guten und schlechten Gründen kaum Nachahmer fand….

Titelseiten-Lieferant

Titelseiten-Lieferant

Aber bauten sie dort auch ein paar hundert Cabrios vom Jetta 1? Baute man den Audi Quattro als Limousine für die Deutschen Fuhrparks, den Typ43 als 200 Kombi für all die reichen Familienväter….?

Nein. Die Wagen von Artz blieben größtenteils Einzelstücke, hier und da wurden mal 5 oder 6 gebaut, die in der Presse zu 30 mutierten. In einem besonders lächerlichen Artikel erwarb angeblich ein Scheich 20 von den besonderen Fahrzeugen – die dazugehörigen Bilder jedoch zeigten einen Wagen aus diversen Perspektiven. Hm….

Nach seinem Glanz-Jahr 1981 wurde es dann auch ruhiger um Artz, es regte sich hier und dort Widerstand – und Artz sattelte um.

Mit dem Autohaus Opel-Blitz startete er neu – jedoch mit demselben Konzept. Damit traf er auf einen Hersteller, der für seine Zwecke im Grunde das bessere Konzernregal bot – denn Opel konnte auch richtig groß, wenn man GM dazu nahm – und das tat Günter Artz nur zu gern.arzt-cordette

Seine nun folgenden Objekte waren vielleicht noch krasser – aber schnell ging ihm auch hier die Puste aus – und die ams wollte ihn zu dieser Zeit auch nicht mehr so recht feiern, wie sie es die Jahre zuvor getan hatte.

Schließlich wurde es ruhiger um den umtriebigen Mann, obwohl seine Opel-Kreationen wie die Cordette, ein Kadett E mit V8, teilweise ziemlich cool waren. Schade um einen Kreativen, der ein Hybris-Problem hatte. Zu dieser Zeit wollte die ams ihn eben nicht mehr – und auch so kann man ein automobiler „Niemand“ werden.



10 Gedanken zu „Youngtimer-Träume: Autos, die es nie gab, Teil 3 1/2 – Günther Artz

  1. Der Cordett schaffte es immerhin noch auf die Titelseite der RallyeRacing und einen mehrseitigen Bericht in der AMS
    Sein letztes, teuerstes und vermutlich am besten umgesetztes Projekt schaffte es dagegen in keine Zeitung mehr.
    Dabei handelte es sich um den Lotus Calibra, ein Lotus Omega, der nach bewährtem Muster mit einer vergrößerten Calibra-Karosserie versehen wurde.

  2. Günther Artz habe ich zu meiner Bundeswehrzeit kennen gelernt in Hannover,der Baute Porsche 928 Technik und einen Golf drauf, damals der schnellste Golf mit 300 PS V8, das VW Autohaus Nordstadt hatte damit etliche Autos auf der Autobahn geärgert,das Mausgraue Etwas fiel kaum auf, aber irgendwas stimmte nicht mit den Massen,ganz geschickt wurde die Karosse verbreitert

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