Youngtimer-Träume: Autos, die es nie gab, Teil IV

Über 3 Jahre hat es gedauert, diese Serie wieder einmal fortzusetzen – immerhin hatten wir mit einem Teil 31/2 im vergangenen Jahr schon einen Anlauf genommen – aber man kann nicht alles haben.

Immer mal wieder gehen uns da ein paar Modelle durch den Kopf – und natürlich sind das oft Ableitungen bekannter existierender Modelle. Die naheliegendste Flanke sind dabei tatsächlich immer wieder Cabrios, die die Hersteller oftmals nicht gebaut haben, obwohl sie Traumautos gewesen wären. Der 7er Volvo ist so ein Fall, der uns praktisch bei seinem Erscheinen vor 35 Jahren schon zu diesem Gedanken inspiriert hat. Das Coupé, das schließlich von ihm abgeleitet wurde, war eine Schönheit der seltenen Art, verfehlte aber ein paar der kantigen Elemente – und wurde auch nie als Cabrio gebaut. Diese Ehre wurde erst dem C70 auf Drängen des US-Marktes zuteil, während Saab mit seinen offenen 900ern schon weltweit gutes Geld verdiente.

Diese Linie wäre doch die Ideal-Blaupause gewesen, oder?

Bei Cabrios ist zumindest wirtschaftlich oft erklärbar, dass sie nicht gebaut wurden. Da stehen recht hohe konstruktive Aufwände hohen Aufpreisen und geringen Stückzahlen gegenüber. Ein Cabrio bringt dir im Regelfall eher Prestige als Geld in die Kasse, weshalb auch in den letzten Jahren immer mehr verschwunden sind oder downgesized wurden.

Der Volvo 162… In dem Falle ein privater Umbau aus Bohuslän

Warum jedoch Volvo ein Coupé des Volvo 164 verschlafen hat, geht einem aus heutiger Sicht schon weit schwieriger in den Kopf. Schließlich war das ja durchaus eine Klasse, in der Volvo sich mit dem 1800er Erfahrung sammeln und erfolgreich werden sollte. Der Volvo 162, soviel steht fest, wäre heute ein Wagen, für den irrsinnige Preise gezahlt werden – in Schweden gibt es angeblich 3 Stück, von denen 2 private Umbauten sind und einer tatsächlich aus dem Werk stammen soll – so erzählt man sich spät abends bei Schnapsen.

Mercedes W126 – die vielleicht generell harmonischste aller S-Klassen hätte auch als T-Modell eine gute Figur gemacht – und wäre zur Legende geworden. 380 SET… klingt unrund, hätten wir aber gekauft, als die Kinder klein waren und wir ständig die Kinderwagen irgendwo unterbringen mussten. Der hat uns schon einmal in Teil 1 beschäftigt – war der nicht eigentlich unheimlich nahe liegend?

Bei Kombis jedoch ist das ganze schon schwerer nachvollziehbar. Unser heimlicher Traum war ja immer ein Oberklasse-Kombi, den es bis heute leider so nicht gibt. Der sollte signifikant mehr Raum haben und wir würden ihn stark gebraucht kaufen wollen 😉 Diverse Umbauten zeigen jedoch, dass wir mit diesem Anspruch nicht alleine sind – auch wenn der heute bei der derartig gewachsenen gehobenen Mittelklasse zunehmend blödsinniger erscheint.

Noch dekorativer hätten wir unter Umständen den BMW E38 in einer Touring-Version gefunden – auch hier ist die Basis mit ihrer geraden Linie im Grunde unfassbar gut geeignet. Und groß wäre dieser Wagen dadurch schon zu einer Zeit gewesen, als der 5er als Touring noch knapp geschnitten war und Fahrzeuge wie der BMW X5 noch lange nicht vorgesehen waren, um die Ladegüter BMW-affiner Großfamilien aufzunehmen.

Der Golf 1 häte als Kombi im echten Leben vermutlich etwas eleganter ausgesehen – aber klar ist: Das wäre ein Erfolg geworden

2-3 Klassen weiter unten gab es lange Zeit einen knallharten Kombi-Verweigerer: Ausgerechnet das Erfolgsmodell VW Golf verlor hier heftig gegen den Kadett Boden – war schon der Kadett B als Caravan ein Erfolg gewesen, waren vor allem seine Nachfolger D und E als Kombi ungewöhnlich beliebt – auch getrieben von der Tatsache, dass Opel Kunden keinen Ascona Kombi kaufen konnten. Ein Golf als Kombi hätte vermutlich die Einstellung der Deutschen zu dieser Fahrzeuggattung viel schneller herumreißen können – aber Volkswagen wartete mit dem Kombi tatsächlich bis zum Golf 3. Unverständlich?

Tatsächlich hatte Volkswagen hier eine im eigenen Universum logische Haltung entwickelt: Man wollte den Kombi des Passat, der nicht nur absolut betrachtet mehr Geld abwarf, sondern auch höhere Gewinne pro Fahrzeug gestattete, nicht durch ein zu attraktives Angebot in der darunter liegenden Klasse gefährden.

 

 

VW folgte dieser Logik tatsächlich noch einmal, als sich die Wolfsburger Strategen Mitte der 80er Jahre dazu durchrangen, den Passat nicht mehr mit dem bis dahin führenden Fließheck anzubieten. Auch hier ging es primär darum, die Kunden lieber gleich zum Kombi zu bewegen – einer der Gründe, keinen Kombi zu kaufen, war bei Befragungen tatsächlich gewesen, dass der Schrägheck-Passat ja auch einen ziemlich großen Kofferraum zu bieten hatte – weshalb man ihn beispielsweise auch bei Vectra, Insignia oder Mondeo findet, den schrägen Kofferraum mit Durchlade. Hier muss man aus heutiger Sicht vielleicht sagen: Nicht so ein riesiger Verlust – das schräge Heck war nicht ganz so dekorativ. Am Ende hätten die Leute doch den Kombi gekauft – das taten sie allerdings auch, als man ihnen das hässliche Entlein mit Stufenheck anbot.

Volvo 243 / 263 – der Name geht einem nur schwer über die Lippen

Schräge Anekdote: Volvo experimentierte auch schon in den 70er Jahren mit Schrägheckmodellen des Volvo 240 – tatsächlich zielten die auf den Passat und die Franzosen vom Schlage eines Renault 20/30, mit denen die Schweden sich gerne stärker gemessen hätten – und natürlich war der einzige schwedische Mitbewerber mit seinen Schräghecklimousinen im Land stets der „coolere“ Player. Aber in aller Fairness: Der 243 / 263 bleibt im Erscheinungsbild gehoben spießig – daran konnte die Heckklappe nichts ändern- Manchmal hat es eben auch andere Gründe, dass Autos nicht auf den Markt kommen, die ein Baukasten bedienen könnte…

bisherige Teile: Teil I, Teil II, Teil III, Teil 3 1/2



11 Gedanken zu „Youngtimer-Träume: Autos, die es nie gab, Teil IV

  1. Den gezeigten W126-Kombi gibt es tatsächlich. 500SET, ein Einzelstück der Fa. Caro. Wird immer wieder mal auf Mobile.de inseriert, aber nicht verkauft.
    Von außen und innen sehr schön. Leider ohne Durchlademögluchkeit, wegen des hochstehenden Tanks…

  2. Mich wundert es ein wenig, dass noch keiner es gewagt den Golf 2 als Variant umzubauen. Technisch auf dem Jetta basiert, wäre es an sich kein Hexenwerk.
    Trotzdem: Mein Favorit wäre der E38 Touring, die Karosserielinie ist dafür wie geschaffen. Selbst fahre ich einen E39 Touring.

  3. Hallo zusammen,

    das lange Warten auf die Fortsetzung hat sich gelohnt.
    Sehr interessante Konzepte und Ideen.

    Wer sich noch mehr Youngtimer die es nie gab anschauen möchte, ist auf meiner Homepage richtig, wo es 200+ photoshop chops von (überwiegend) Youngtimern gibt. Unter anderem BMW 02 als Viertürer und Kombi. Über Feedback würde ich mich freuen.

    Viele Grüße
    Sebastian Motsch (www.virtualmodels.org)

  4. Ein Volvo „162“ Coupe gibt es vermutlich nicht aber eins auf Basis des alten 142 gibt ( oder gab) es als Eigenbau in Split. ( Kroatien) Ich habe seinerzeit vor über 25 Jahren mal Fotos gemacht und bin auch mal mit gefahren. Der Motor stammte aus einem Boot und wurde mit Mercedes Teilen ergänzt (Getriebe, Lichtmaschine etc.) PS sind nicht bekannt, jedoch war der Vortrieb durchaus Sportwagentauglich. Die alte S Klasse ( W116) wurde regelmäßig von Crayford in UK und in Holland von Wensink ( einem Händler) umgebaut. Auch Pollmann in Bremen baute die S Klasse um. Allerdings war dies der stylistisch schlechteste Umbau. Crayford war der Beste. Alles in allem dürften weltweit noch über 100 Fahrzeuge rumfahren. Ist also nicht so selten für einen Umbau.

    Wer näheres wissen will einfach mal googeln.

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