40 Jahre: „Mein“ Siebner BMW E23

Einstiegsdrogen für Teenager

Als ich noch ein Zwerg war, zog einer der ersten 7er BMW, die es überhaupt auf Deutschen Strassen gab, für eine Woche in unsere Strasse ein. Unsere gefühlt stinkreichen Nachbarn, die wenige Jahre später unerwartet spontan mit leichten Gepäck das Land Richtung Guadalajara verlassen sollten, fuhren eigentlich einen BMW 3.0S, der nur wenige Monate alt war.
Dieser fing wenige Meter vor unserem Haus spontan Feuer, keine 50 Meter nach dem Losfahren und brannte ebenso spektakulär wie vollständig aus, kurz nachdem unsere Nachbarn ihn in einer spektakulären Flucht verlassen hatten, nach der in unserer Nachbarschaft immer wieder die frage aufkam, ob diese neumodischen Sicherheitsgurte eigentlich wirklich eine so gute Idee seien oder nicht am Ende des Tages eher lebensgefährlich. Diskussionen, mit denen man damals Grillfeste sprengen konnte, während sie heute nicht mal länger als zwei WhatsAPP Nachrichten durchhalten…

Das Erscheinen des 7ers von BMW macht klar: Premium ist here to stay – dem kann Audi nichts entgegensetzen.

1977 – die Diskussionen verstummten – aber neben Buback und Mogadischu gehört der brennende BMW zu meinen frühesten Kindheitserinnerungen. Zwei Tage später fuhr der lokale BMW Händler pflichtschuldig mit einem 7er vom Typ E23 vor und ließ den erst mal für unbestimmte Zeit bei unseren Nachbarn. Es handelte sich um einen 733i – das Topmodell. Mein Dad erläuterte mir, dass das i etwas ganz modernes war: Der Wagen hatte keinen Vergaser. Ich fragte, ob das dafür sorgen würde, dass er nicht wieder anfängt zu brennen und mein Vater lachte herzhaft und malte mir am darauffolgenden Wochenende auf, wie ein Motor funktioniert, welche Rolle Vergaser, Einspritzung, Ventile und Zündkerzen dabei einnehmen.

Der erste Siebner, Typ E23, brachte mir also die Grundzüge der Fahrzeugmechanik bei und sollte im Anschluss stets einer meiner Helden bleiben. Wir fuhren zu der Zeit einen Audi 100 C1 – damit galt man schon was. Zumal der Audi 100 meines Vaters spektakuläre 115PS hatte. Ein 733i hatte 197PS, also fast doppelt so viel – und sollte, wie gesagt, lange Zeit mein Held bleiben. Im März 1980 sollten wir als einer der ersten einen Audi 200 5T mit unfassbaren 170PS erhalten – da waren wir am 7er dann schon verdammt nahe dran. Mittlerweile hatten unsere Nachbarn sich einen gekauft – einen 730er. Jedoch: 2 Monate nachdem mein Dad mit dem 200er Audi aufgekreuzt war, legten unsere Nachbarn nach: Wie wir nahezu die ersten Besitzer des 200er Audis mit dem dicken Turbo waren, wurden unsere Nachbarn so ziemlich die ersten Besitzer des 745i (!) – whooooooow!

7er BMW E23

Hatte der das geilste Gesicht oder was?

Mit dem hatte BMW damals ein echtes Zeichen gesetzt. Die nagelneue S.Klasse vom Typ W126 hatte 240PS – BMW legte den 745er mit 252PS auf Kiel. Das war neu, das hatte es bislang noch nicht gegeben – BMW griff nach der Krone.

Zu diesem Zweck legten sie mit einem Turbo nach – der hatte 3,2 Liter Hubraum – die 45 in der Modellbezeichnung entstand durch die Anwendung der Turbo-Formel aus dem Rennsport, die den Faktor 1,4 für den Turbo ansetzte – 3200*1,4 entsprachen knapp 4500 Kubik Hubraum. Immer noch weniger als der 500SE von Mercedes. Der 500SE konnte jedoch mit dem höheren Drehmoment von über 400NM glänzen und natürlich dem Prestige von 8 Zylindern.

Der BMW 7er war dennoch schon eine verflucht coole Nummer. 1981 gabelte unser Nachbar mich einmal im Regen an der Bushaltestelle in der Nähe des Fussball-Stadions auf, wo ich Training gehabt hatte. Es schüttete aus Kübeln und mir ist bis heute schleierhaft, wie er mich in diesem Schüttregen an der Bushaltestelle überhaupt erkennen konnte.

Ich war frech und setzte mich einfach nach vorn – ein Fehler historischen Ausmaßes… Ich verliebte mich spontan in den 7er BMW – dieser Palast. Nichts gegen unseren Audi – der war wirklich super – aber der 7er, der schmeckte nach echter Oberklasse, der war eine andere Nummer, spielte realistisch in einer anderen Klasse – das war die echte Oberklasse.

Wie die Inquisition kam ich über meine Eltern mit der klaren Forderung nach einem 7er BMW – was mein Vater rundheraus ablehnte. Einen 7er BMW fand er windig, das war was für Emporkömmlinge – der Audi 200 was für kluge Leute wie uns, die wussten, worauf es im Leben ankam.

Youngtimer am Ende

Der Wertverlust des ersten Siebners war höher als der des benz – einige Exemplare gerieten dadurch auf die schiefe Bahn

In den kommenden Jahren betete ich den E23 an – ich wollte den Wagen haben. 1984 verschwand der E23 erst einmal aus unserer Siedlung – wie gesagt: Unsere Nachbarn brachen sehr spontan auf. Keine Woche später kamen Leute vom Zoll und schleppten den Wagen ab. Wir haben nie herausbekommen, was war, aber Gerüchte besagten, dass sie in  – wie meine Mutter erklärte – „windige Geschäfte“ verwickelt waren… Wir sahen sie nie wieder. Die Familie, die ein Jahr später ihr Haus kaufte, fuhr einen unspektakulären Passat – in dem Jahr erwarb mein Vater einen Audi 200 Turbo vom Typ44. Jesus – was war das für eine Schleuder – 182PS. Hammer. Unsere Nachbarn auf der anderen Seite, die bis dahin einen stattlichen W126 bewegt hatten, erwarben hingegen einen Siebner BMW Typ E23 – einen 745er mit Executive Ausstattung und Büffelleder – unser Nachbar war gerade vom Vorstand zum Vorstandsprecher ernannt worden und wollte das scheinbar nach außen dokumentieren.

Schließlich wurde der E23 am Markt vom E32 abgelöst – der war unglaublich eleganter als der Vorgänger und läutete bei BMW ein gänzlich neue Ära ein. Später sollte der E32 tatsächlich die Führung in der Oberklasse übernehmen und den W140 outperformen. Ich jedoch konnte mich mental nicht vom E23 trennen. Diese schräge Front, die ihm diesen listigen Blick gab, dieses überlegene, abwartende und dennoch klar einen Führungsanspruch erhebende – was für ein Auto… Mit ihm hatte BMW in meiner Teenager-Wahrnehmung die Rolle in der Oberklasse zementiert, klar gemacht, wer hier das Sagen hatte.

Schon mal in Büffel-Leder gekuschelt? Kannst Du dir nicht vorstellen…

1989 erwarb ich meinen Führerschein und konnte mir natürlich keinen 7er leisten, wie auch? Mein erster Wagen sollte ein Golf II werden – don’t get me wrong: der hatte spektakuläre 90PS, fast ein GTI sozusagen. Dennoch tauschte ich ihn 1992 gegen einen 525i ein, Baujahr 1985, Typ E28 – meine Eltern erklärten mich für irre.

Erst 1994 war es soweit: Am Strassenstrich einer Münchner Ausfall-Strasse erwarb ich einen 1979er 735i – satte 218PS, die selbst meinen 525i blass erschienen lassen. Der Tag, an dem ich auf dem Vordersitz Platz nehmen durfte, ganz in der Nähe des Ostbahnhofes, ließ mich alles andere vergessen. Das war der Platz, wo ich immer hin gewollt hatte. Es folgte ein entschieden neuerer 735i, Baujahr 1984. Schließlich ein 85er 745i, den mir ein Heilbronner BMW Händler aufbereitete, als hätten sie den Wagen gerade aus dem Showroom gefahren. Was für ein Fahrzeug. Der Wagen erhielt bei knapp 300.000 Kilometern einen Tauschmotor, nachdem ich ihn in der Nähe von Düsseldorf hatte überkochen lassen in dem verzweifelten Verlangen, meinen neuen Highscore in Durchschnittsgewindigkeiten zu schlagen.

Dumm.

Ich lernte, wie man Kindersitze in den E23 einbaut und einen Dachgepäckträger auf dem Oberklassewagen ohne Kombiheck montiert und ich liebte den Wagen über die ganze Zeit. 2005 nahm ich einen Job bei einer internationalen Unternehmensberatung an. Unfassbare Arbeitszeiten, oft im Ausland, wenig Zeit für Hobbies. Nach 5 Monaten wurde ich untreu und erwarb einen Golf R32. Mit dem konnte man signifikant besser an Flughäfen parken. Die selbe Leistung, mehrere hundert Kilo Gewichtseinsparnis. Krass.

Aber irgendwann, wenn ich mal Zeit hab, werde ich… nein – ich werde mir keinen E32 kaufen, sondern einen BMW E38. Den hatte ich oft als Mietwagen und in aller Fairness: Der ist der bessere Siebner. Der Beste vielleicht. Hätte ich nie gedacht…



4 Gedanken zu „40 Jahre: „Mein“ Siebner BMW E23

  1. Unser Nachbar fuhr auch eine 730. Hatte der nicht noch einen Vergasermotor? Egal. Mir gefiel das Heck des Wagens nicht. Irgendwie zu bräsig für die schlanke Front. Den Nachfolger fand ich harmonischer. Und dann mit Zwölfender……

  2. Ich persönlich bin vor einigen Jahren im Alltag von E34 Touring auf E39 Touring umgestiegen.
    Beides tolle Autos – der Unterschied bei diesen beiden ist mit Sicherheit ähnlich wie zwischen dem E32 und E38.

    Jetzt fahre ich E32 735i und bin sehr zufrieden. Der E38 ist sicher moderner und es gibt klasse Ausstattungen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob er wirklich „Besser“ ist. Von den Materialien denke ich nicht. Er ist leiser und fährt sich „gediegener“.
    http://www.cultrod.de/allgemein/bmw-e32-735i-im-alltag/

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