Honda Insight I – Ready to buy?

Kürzlich erreichten uns ein paar witzige Mails zum Honda Insight. Den Tenor dieser Mails kannten wir schon – der war uns nämlich erst kürzlich bei einer Garagengold-Diskussion in Großbritannien begegnet: Dort gilt der Honda Insight nämlich als eine Art Nerd-Klassiker – und wozu führt das?
Zu bizarr hohen Preisen…

Youngtimer Honda Insight?

Honda Insight

Unverkennbar futuristische Linie: Honda Insight der ersten Generation

Der Insight ist hier tatsächlich schon einmal vor einiger Zeit aufgetaucht. Bei den Recherchen zu dem damaligen Post – und das ist gar nicht sooooo lange her – waren die Preise des ersten Modells des Honda Insight total unauffällig -2000, 3000€. Dennoch waren wir uns sicher, dass sich das ändern würde; wenn auch nicht so schnell wie jetzt – und da macht es plopp und die Leute verlangen 7.000.

Schaut man sich einmal bei Mobilde.de um, dann begegnen einem die ersten Insights dort bunt gemischt mit den deutlich deutlich jüngeren Exemplaren – eine Kopie des Toyota Prius, die in Deutschland nicht wirklich erfolgreich war. Dieser zweite Insight wird teils mit geringen Laufleistungen zu Preisen angeboten, die deutlich unter den Modellen des ersten Insight liegen, ganz gleich, welche Laufleistung der aufweist – und 200.000 ist da im Durchschnitt eher der untere Level Youngtimer-Modells.

Was ist das genau?

Phantomas? Irgendwie kommt es einem beinahe so vor

Vom Honda Insight wurden in Deutschland 2 unterschiedliche Modelle verkauft. Der zweite, der wie gesagt sehr auffällig an den Toyota Prius angelehnt ist, wurde von 2009 bis 2013 in Deutschland verkauft und war Zeit seines Lebens maximal irrelevant.

1999 erschien jedoch der erste Honda Insight, der satte 7 Jahre vom Band lief – und der ist aus einem gänzlich anderen Holz geschnitzt als sein tendenziell langweiliger Nachfolger.

Der Honda Insight I ist zu Recht einNerd-Klassiker: Er ist einfach zu absurd, um Ende der 90er als Auto vom Band gelaufen zu sein – in einem Computerspiel von damals wäre er dir hoch realistisch vorgekommen…

Dabei ist es nicht nur die Technologie – Toyota hatte den ersten echten Serienhybrid mit dem legendären (und hässlichen) Prius I bereits knapp 2 Jahre früher auf den Markt gebracht. Es ist mehr die brutale Konsequenz, mit der der Insight auf das Thema Sparsamkeit und akademische Geringst-Verbäuche hin entwickelt wurde, die ihn so ungewöhnlich und unzweifelhaft auch erhaltenswert macht.

Der Honda Insight I ist ein modernes Denkmal. Das Fahrzeug, das Honda ausdrücklich als Niedrigenergie-Auto deklarierte, ist schon deshalb in Deutschland so unbekannt, weil es nie wirklich offiziell importiert wurde. Honda testete das Wasser, indem es zunächst 80, später noch einmal 30 Exemplare nach Deutschland brachte. Einige EU-Händler importierten den Wagen jedoch auch – und das bis mindestens 2004.

Hightech? Nicht unbedingt. Im Grunde sind die zusammenhänge verhältnismäßig durchschaubar

Technisch befindet der Wagen sich für die damalige Zeit tatsächlich in einer anderen Dimension. Wie schon der Honda NSX vollständig aus Alu gefertigt, ist der Wagen einerseits bauartbedingt leicht, gleichermassen als 2 Sitzer rund um die beiden Personen herum hemmungslos auf Effizienz und Aerodynamik ausgelegt. CW 0,247 ist ein Wert, der für ein Fahrzeug dieser Länge schier unrealistisch gut ist. 850 Kilogramm Gewicht tun ihr übriges… Und dieses Gewicht, bevor jetzt die Golf I Fahrer aufbegehren, muss man natürlich im Licht der Sicherheitsbestimmungen der Jahrtausendwende sehen und der Tatsache, dass dieser Wagen immerhin 2 Motoren hat (einen Dreizylinder-Benziner und natürlich einen Elektromotor) und zudem natürlich noch Rekuperationstechnik und ähnliche damals unausgegorene Technik an Bord herum schleppt.

Auf gewisse Weise ist der Wagen dennoch viel zugänglicher als heutige Autos dieser Art, wirkt experimentell, hat ein eigenartiges Flair von Fischer Technik meets Conrad Electronic. Dieser Wagen weckt nicht nur bei Physik-Studenten den Willen, den Wagen zu verstehen, die Grenzen der Technik auszuloten und herauszufinden, wie weit man mit Rollen wohl kommen mag und was das am Ende für den Spritkonsum bedeutet… Das ist schon irgendwie lässig, das muss man wirklich selbst spüren.

In UK sind wir ein Modell von 2002 gefahren – hier gilt der Wagen nicht nur schon länger als Kultmobil – er hatte auch eine höhere Verbreitung, wie generell Hybrid-Fahrzeuge in UK als ebenso cool gelten, wie man sie lieber fährt als germanische Diesel. Der Prius ist dauerhip – und auch den teilelektrischen Auris sieht man ebenso häufig wie den teilelektrischen Toyota RAV und natürlich deutlich mehr der Hybrid-Modelle von Lexus.

Am Ende des Tages steckt im Honda Insight einfach angenehm viel Pioniergeist – und wer den Youngtimer heute erwirbt, dem kommt es fast vor, als hätte er das Original-Fahrzeug von Bertha Benz oder den Wright Brüdern erworben oder etwas ähnlich epochales. Zu sehr ist dieser Wagen einfach auf das Hybrid-Thema ausgerichtet und strahlt diese damals wahrgenommene Modernität bis in die letzte Schraube aus. Das ist cool, ohne Zweifel.

Aus nächster Nähe: Der Honda Insight

Dass man an dem Wagen gleichzeitig viel selbst machen kann, hätten wir pauschal nicht gedacht, durften wir aber bei einer ausgiebigen Besichtigung in UK aus nächster Nähe erfahren.

Die offiziellen Angaben zum Spritkonsum beliefen sich beim ersten Insight auf spektakuläre 3,4 Liter – ein Wert übrigens, der von seinem leicht unwürdigen Nachfolger weit überschritten werden sollte. Ist dieser Wert erreichbar? In UK haben wir gelernt, dass der Besitzer des dort gefahrenen Insight einmal 102 Miles per Gallon geschafft hat – anschließen, so erzählt er uns, sei er schweissgebadet gewesen – dieser Verbrauch entspricht etwa 2,7 Litern auf 100 Kilometer nach unserer Art zu rechnen. Realistisch liegt er bei etwa 75 MPG – das entspricht immer noch spektakulären 3,7 Litern – und das wohlgemerkt mit einem Auto, das vor knapp 20 Jahren bereits auf den Markt kam. Cool. Brian, der Besitzer, löst aber auf: „Die 100 gingen nur auf einer Tour von Schottland in Richtung Midlands – da geht es wirklich weite Strecken bergab und du kannst sowohl rollen lassen, als auch die Rekuperation nutzen – sonst ist so ein Wert nicht mal auf der Ebene möglich“. Immerhin ehrlich – dennoch: Selbst der „schlechte“ Wert ist cool – und wir können im Bereich Spritsparen immerhin auf einen exzessiven Selbstversuch zurückgreifen 😉

Es wird wohl Zeit, diese Art der neuen historischen Technik zu akzeptieren. Abgesehen davon: Das Fahrerlebnis in dem immer noch experimentell wirkenden Wagen ist wirklich cool. Und an der Ampel starren dich all die Leute an, die Denken, Du bist in einem Eigenbau unterwegs… 😉

Und dass Du ein Großserienauto findest, das bei uns seltener ist, ist praktisch ausgeschlossen…



4 Gedanken zu „Honda Insight I – Ready to buy?

  1. So sehr ich meinen Insight mag und fahre, man darf nicht vergessen, daß es praktisch kaum Ersatzteile gibt. Die Bremsen sind nicht das Problem (die gibt es, liegen im Civic-Regal), sondern z.B. die rechte Antriebswelle, die gerne mal bricht, wenn die braune Pest sie bezwungen hat.

    Auch der Akku braucht regelmäßig Zuwendung. Vergißt man das, dann muß man so etwa alle 8 Jahre gut 2000 Euro für einen Neuen ausgeben. Wenn man denn einen findet.

    Wer keine Scheu hat, seine Hände in die 160-Volt-Eingeweide zu stecken (wozu aber eine Fachausbildung gehört, das ist nix für einen Laien), der kann seinem Akku etwas Pflege angedeihen lassen. Das tut ihm gut, ist aber kein Garant für ein ewiges Leben.

    Trotzdem ist das Auto den Kauf wert. Wenn der Akku tot sein sollte – nicht schlimm. Einfach abschalten und ohne Elektrozauber weiter fahren. Der Insight hat noch einen klassischen Anlasser an Bord, nur für den Fall… und damit ist ein verstorbener Akku im Gegensatz zum Prius kein wirtschaftlicher Totalschaden.

    Was dem Akku gut tut, sind lange Autobahnstrecken, auf denen er wenig schuften muß. Und auch dort erreicht er ordentliche Verbräuche. Selbst bei flotter Fahrt ist es schwierig, den Verbrauch über 4,5 Liter auf Hundert hochzutreiben. Die täglich zweimal 45 km, die meiner bis vor kurzem fahren mußte, taten ihm gut. Hybrids mögen nichts weniger als herumstehen.

    Letztes Wochenende erst hatte jemand, der den Wagen seinerzeit neu gekauft hatte, mein Exemplar bewegt. Fazit: nach 17 Jahren ist an meinem Exemplar nicht mehr alles taufrisch, keine Frage. Und trotzdem bekam der Mann bei einer kurzen Landstraßenrunde einen Verbrauch von 2,7 Litern hin.

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