Der Hass zum Detail – die andere Perspektive zur Inception…

Wir tragen uns ja schon länger mit dem Gedanken, mal wieder einem US-Youngtimer die Ehre zu geben – wer weiss, wie lange man solche Dinge im elektrifizierten Europa noch fahren darf…

Aber irgendwie bekommen wir es nicht hin. Wir haben jetzt ein paar wirklich schöne Exemplare gesehen – und unsere Erinnerungen an Caprices, die wir hatten und natürlich Mr. Smooooth, der uns mehrfach länger begleitet hat, stellen wir fest: Wir sind manchmal wirklich zu germanisch für den US-Klassiker….

Die Kofferräume sind so ziemlich das schlimmste – sorglose Platzverschwendung ist ein Zeichen der Überfluss-Gesellschaft, das kann man akzeptieren – dass diese Teppiche sich aber gerne überall ablösen und qualitativ oft aus dem 1€ Laden zu stammen scheinen, senkt unserer Willen großer Investitionen doch ungemein. Man vergisst das beim Fahren….

Es manchmal einfach wirklich die Lieblosigkeit, mit der die Kisten zusammen gezimmert sind – die zeigt sich bei älteren Modellen natürlich in der Natur der Sache oftmals stärker als bei einem neuen Wagen.

Da sind diese stets etwas zu schlecht eingepassten elektrischen Fensterheber, das schlecht geschnittene Holz vom Imitaten-Baum, abgelöste Slush-Häute, erblindende Scheiben… Und natürlich: Teppiche, die im Kofferraum oft nach ein paar Jahren ein verheerendes Eigenleben führen. Wir sind da manchmal wirklich geschockt, mit welchem Hass zum Detail die Amis hier arbeiten. Und da spielt eigentlich keine Rolle, von welcher Marke wir sprechen – vom bürgerlichen kleinen Chrysler bis hin zum begüterten Cadillac.

Verarbeitung? nicht im herkömmlichen Sinne. Vieles hier ist so schief und krumm, wie es aussieht, die Materialien dünsten auch nach 40 Jahren noch Weichmacher aus, die in Europa sicherlich damals schon verboten waren. Wirklich problematisch: Schalter hinter dem dünnen Holz tauschen… Die gute Nachricht: Die Schrauben sind ja leicht zu finden 😉

Ein Fachmann von einem kleinen Restaurations-Betrieb in der Nähe von Köln erzählt uns „US-Großserienfertigung kann man mit bestem Willen als ‚routiniert‘ bezeichnen – das liegt vor allem daran, dass sie viel länger die gleichen Fertigungstechniken verwenden als jede andere Auto-Industrie. Die Motoren und die Mechanik ist meist extrem haltbar, auch mit wenig oder keiner Pflege – nur die Innenräume sind Ruck Zuck verwohnt“ – und der Mann hat um die 200 Fahrzeuge restauriert.

Man muss kein Spaltmaßfetischist sein…

Er sagt uns auch: „Das ist heute lustiger Weise nicht viel besser. Wenn Du mal schlechte Laune haben willst, dass schau Dir den Ford Mustang von heute aus der Nähe an. Innen ist der qualitativ nur auf den ersten Blick schön. Darüber hinaus wird vieles aus schrägen Materialien gefertigt – wir hatten hier neulich einen Chrysler, bei dem eine Cola Flasche im Handschuhfach ausgelaufen ist. Das Handschuhfach war aus irgendeinem Recycling-Material, das sich einfach aufgelöst hat… In Deutschland undenkbar!“

Solche Themen finden wir tatsächlich öfter – und man fragt sich schnell ein Stück weit, mit welchem Recht da die teils schier bizarren Preise aufgerufen werden, die manchen Typen so vorschweben – btw: Kann es sein, dass die meisten überzogen bepreisten US-Klassiker ausschließlich Kerlen mit dicken Armen und eingeschränkt großem Wortschatz gehören….?

Vergessen wir das…

Aber dieses Flair… schon geil

Warum also machen wir uns den Stress? Das kommt uns immer wieder in den Sinn, wenn wir die Kisten dann fahren (und der tätowierte Besitzer neben uns alle seine Wörter für den Tag verbraucht hat…). Denn nach wie vor ist das Fahren in den US-Klassikern, wie sie bis in die 90er hinein noch gebaut wurden, einfach eine andere Welt.

Erzähl jetzt nichts von Parkhäusern & so… Ums Fahren geht es.

Das Geräusch, das aus dem heruntergelassenen Fenster (bedient mit einem wackligen Chromswitch) nach innen dringt, sagt Dir, dass die nächsten 100 kilometer 34 Euro Spritkosten verschlingen werden – und das auch nur, weil es weitgehend geradeaus geht und keine großen Steigungen in Sicht sind.

Nur mal so zum Vergleich… Auch 40 Jahre alt

Ganz klar – Das Argument, dass Youngtimer die bessere Ökobilanz haben, kannst Du bei einem Kilo C02 auf 100 Kilometer auch nicht bringen… Hier musst Du schon ganz ernsthaft in den sauren Apfel beissen. Und Du musst auch wirklich wissen, ob du das willst, denn das ist auch wirtschaftlich ziemlich kompromisslos. Das ist Dir ja von vornherein klar, wenn Du ein einigermaßen rational denkender Mensch bist – schaust Du hier aber wieder auf das Dauer-Thema Vorbesitzer, dann stellst Du fest: viele von denen haben das im Vorfeld oftmals nicht überrissen – kurze Haltdauern sind die Folge von „Wer hätte ahnen können, dass auch noch die Versicherung so teuer….?

Wir hadern noch… Vielleicht ist die Qualität auch nur irgend ein Selbstbetrug. Aber man muss schon sagen – schaut man sich eine Granada oder einen Opel Commodore aus der Zeit an – die sind einfach schöner, besser, liebevoller. Fahren sie sich so sehr von der Realität entrückt?

Nein….




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