Renault Twingo – der Vollgas-Youngtimer

„knuffig“ hieß das damals

Der erste Reanult Twingo war rücklblickend in seinem Grad an revolutionärem Potential zu Lebzeiten nie so recht gewürdigt worden. Er hatte von Beginn an dennoch jede Menge Fans – und das aus verschiedenen guten Gründen.

  • Das One-Box Design des Twinge ermöglichte auf enorm kleiner Fläche einen unglaublich großen Innenraum – im Grunde war der Twingo schlicht ein sehr kleiner Van
  • Der Twingo war günstig in Anschaffung und Unterhalt
  • Der Twingo strotzte vor „Fun“ – vor allem dann, wenn das große Schiebedach an Board war – und in Deutschland war es das sehr oft

Die schier unfassbar lange Bauzeit von satten 14 Jahren zeigt nicht etwa, dass Renault zu faul war, einen Nachfolger zu bringen – der Twingo war einfach ein großer Wurf und verkaufte sich bis zum Schluss. Dann folgte ein langweiliger Nachfolger, dann ein beknackter…

Die gute Nachricht für uns: von diesem zeitlosen Youngtimer kannst Du Exemplare kaufen, die gerade mal 10 Jahre alt sind – fast wie beim Lada Niva 😉

Gut 2,5 Millionen Twingos wurden im Laufe der Jahre hergestellt – jeder 5. davon ging zu den Germanen – und dort bestellten ihn eben glücklicherweise jede Menge Leute mit dem Faltdach. Der macht aus dem Twingo dann bei der Gelegenheit noch eines der wenigen „Cabrios“ dieser Klasse. Tatsächlich ist der Effekt enorm. Beim Twingo ist schon das Herunterlassen der Fenster enorm – die nehmen einen gigantischen Teil der Karosserie ein. Ähnlich ist das beim Faltdach – technisch ist das gar nicht so groß, absolut betrachtet – anteilig aber kommt man dem Cabrio mit einem Faltdach wohl nie näher, selbst bei der ersten A-Klasse nicht.

Teenager-Romantik

Das betont den freundlichen lustigen Charakter des Twingo ungemein. Ein wenig wie die teilweise lustig bunten Schalter und Drehregler, die auf Wunsch den Innenraum beherrschten.

Selbiges gilt in Teilen für das Fahren im Twingo. Man sitzt sehr zentral auf Sitzen, die deutlich mehr Halt geben, als man rein visuell vermuten würde. Und das ist nur die Hälfte des Spaßes. Die andere ist die Strassenlage des Twingo, die so bei keinem anderen Auto zu bekommen ist. Der Twingo scheint Fahrfehler jeder Art zu verzeihen. Wenn Du mit entschieden zu hoher Geschwindigkeit in eine Kurve fährst, bremst der Twingo dich ein – funktioniert selbst bei Nässe einigermaßen gut und macht auf eine sehr schräge frontgetriebene Weise Spaß, bisserl wie ein Computerspiel – und Kids: Don’t try that with any other car….

Qualitativ ist der Twingo auch beileibe nicht so schlecht, wie man über Franzosen am Stammtisch gerne sagt – wenn auch mit einigen Ausnahmen. Der erste Motor, der bis 1996 verbaut wurde, ist nicht nur lauter als die anderen, er ist auch etwas empfindlicher und will gescheite Ölwechsel und saubere Einstellungen haben, Die Ventile neigen zu Spiel, die Zylinderkopfdichtungen zum durchbrutzeln – gleiches gilt für den Übergang ins Abgas-System. Die Fahrwerksfedern neigen zum Brechen, was erfahrene Twingo Fahrer spüren – bei einer Probefahrt fällt das jedoch pauschal nicht immer gleich auf. Defekte Kühler und Thermoschalter runden die Mängel-Liste ab, gepaart mit idiotischen Kleinigkeiten wie schwachen Wischermotoren und Übersetzungen. Der Rest des Twingo ist solide Hausmannskost, der kann was und hält deutlich länger als man meint. Auf Fuerteventura haben wir mal einen mit 360.000 gefahren – lief dort noch als Mietwagen…

Und das ist kein Einzelfall. Wer sich dieses Jahr also mal zu  Schnäppchenpreis einen coolen Sommer-Youngtimer gönnen möchte: Hier ist er. Den kann man sich sogar notfalls einfach mal für ein paar Monate nebenbei gönnen – und das macht wirklich Spaß. Teilweise schon unter 1.000€. Der Twingo ist ein echtes Original – und davon gibt es in den Jahrgängen nicht mehr so viele…



8 Gedanken zu „Renault Twingo – der Vollgas-Youngtimer

  1. Netter Artikel über den Twingo, der das Kultpotential des Wägelchens unterstreicht – wenn auch im Detail nicht ganz fehlerfrei. So zum Beispiel in punkto Motor: Der Twingo wurde mit dem altbewährten Cléon-Motor des R5 geboren. Ohne diesen wäre das Projekt X06 nicht auf auf den Markt gekommen. Und ja, der alte Motor (Motorcode C3G) ist lauter als die moderneren Nachfolger, er neigt zu Ölverlust und gelegentlich zu durchgebrannten Zylinderkopfdichtungen aufgrund defekter Thermoschalter. Unterm Strich ist der Cléon-Stößelstangen-Motor mit seiner Steuerkette aber das langlebigste Aggregat, das man im Twingo bekommt. Bei einem Mindestmaß an Pflege ist der C3G jedoch nahezu unverwüstlich. Die moderneren 1.2 und 1.2 16V Aggregate aus der D-Motorenfamilie sind hier wesentlich empfindlicher – nicht mechanisch, sondern durch die Elektronik (speziell beim 16V).

    Der Twingo ist der moderne R4, ein einfaches, günstiges Auto mit hoher Variabilität und geringen Unterhaltskosten. Leider wurde der Twingo meist nicht nur günstig angeschafft, sondern von seinen Fahrern noch billiger betrieben – viele Twingos bekamen nicht mal ein Mindestmaß an Wartung und Pflege. Ein Umstand, weswegen der Twingo in den TÜV- und Pannenstatistiken immer auf den hinteren Rängen zu finden ist… Als echte Probleme gibt es bei den Phase 1-2-Modellen (1993-2001) im hohen Alter nur ein echtes Problem: Rost an Schwellern und dem Fahrschemel. Alles Andere sind verschleissbedingte Mängel und Wartungsstau.

    Modelle der Phase 3 (2001-2007) sind verzinkt, sodass das Thema Rost sich hier eigentlich nicht findet.

    So starben die meisten Twingos (ab 9/1996) auch den Motortod in Folge eines gerissenen Zahnriemens – eine Folge mangelnder Wartung. Was meist das Aus für das Auto bedeutete, da bei älteren Fahrzeugen die Reparaturkosten den Zeitwert überstiegen.

    Zum Thema Design und Innenraumgestaltung. Twingo-Kunden konnten nie zwischen den bunten Schaltern wählen, sondern der Twingo kam in verschiedenen Kollektionen auf den Markt, von denen jede Phase, Kollektion oder mitunter auch ein Sondermodell eine bestimmte Schalterfarbe hatte.

    Der erste Twingo sollte ein günstiges und einfaches Auto sein, mit nur einer Ausstattung mit drei Extras (Faltdach, Klimaanlage und Metallic-Lack) und nur einem Motor. Im Laufe der Jahre ging RENAULT von diesem Konzept ab, da die Kunden mehr Luxus und Ausstattung forderten und auch bereit während, mehr Geld für den Twingo bei der Anschaffung in die Hand zu nehmen.

    Der Twingo ist eine Ikone. Und es ist höchst bedauerlich, dass es RENAULT nie gelungen ist, an den Charme und das geniale Konzept des Ur-Twingos anzuknüpfen – wie der Autor hier völlig richtig schreibt.

  2. @Michael Bin mir da nach insgesamt 7 Twingos in unserer Familie nicht so sicher. Der alte Motor hat immer wieder Stress gemacht – und eine durchbrennende Zylinderkopfdichtung kann ich durch Wartung auch nicht so recht verhindern – und das hatten wir beim Twingo meiner Mutter 2 Mal, bei dem meiner Schwester einmal – und das bei unglaublichen 19000 kilometern, als zum Glück der zeitwert noch stimmte. Dennoch: Eine teure Not-OP.
    Ansonsten ist der Twingo das beste Spaßauto – mein jetziger ist unser Drittwagen, hat 1200€ gekostet und mittlerweile 205.000 drauf. Super Ding

    1. Ich fahre diese Motoren in Twingo, R5 (Serie 1), Super 5, Rapid und aktuell im R9. Wenn man darauf achtet, dass Kühlerthermostat und Thermoschalter des Kühlerventilators richtig arbeiten, brennt keine Kopfdichtung durch. Ist beim Twingo natürlich schwierig, weil er keine Kühlwasser-Temperaturanzeige hat, sondern nur die Notfallleuchte. Und um den Kuhlerlüfter im Fahrbetrieb wahrzunehmen, braucht man ein feines Gehör beim Twingo, da sehr leise. Oder man spürt, wenn er sich einschaltet. Daher tausche ich die Teile präventiv alle paar Jahre und achte auf ein sauberes Kühlsystem. Da schreibt RENAULT ohnehin alle 4 Jahre oder 60.000km einen Wechsel vor. Leider wird das in der Praxis oft nicht gemacht.

      1. Wartung ist bei Kleinwagen und billigen Autos ein Dauer-Thema. Selbst aktelle Autos wie ein VW Up! sind da betroffen – und für Dacia ist es in Deutschland ein signifikantes Problem, da die technisch weit besser sind, als ihre TÜV Ergebnisse nahelegen

  3. Unglaublich variabel ist diese kleine Wunderkiste! Vom Umzug bis zum Campingurlaub, dank der komplett vorklappbaren Rückbank geht das alles.

    Und der Twingo ist das wahrscheinlich kleinste Wohnmobil der Welt. Die Vordersitze lassen sich komplett flachlegen und die Rückbank kann leicht nach hinten geneigt werden. Fertig ist das Bett! Nicht besonders bequem, aber für eine Nacht reicht es vollkommen. Und mit offenem Faltdach ist es grandios!

  4. EZ 1994…..gestern über den TÜV….Unterboden musste nur geschweißt werden….ich liebe meine Knutschkugel! Und in 2024 will ich ein „H“ haben….

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