Zwischenruf: Die Airbag-Lüge ;-) 

Unsere Autos sind über die Jahre immer sicherer geworden – die Zahl der Verkehrstoten ist praktisch durchgängig rückläufig, wie wir uns mit unseren unsicheren Autos immer wieder anhören müssen – ganz im speziellen von unseren Verwandten – und da im Speziellen von unseren Eltern.

Grillgemütlichkeit und pfandfreie Bierflaschen

Wir akzeptieren das grundlegend. Knautschzonen bei Fahrzeugen sind beispielsweise unzweifelhaft etwas wunderbares – die heutigen Bremsen machen einen deutlich bessern Job als irgendwelche Trommelbremsen in den 70er Jahren – Sicherheitsgurte, Airbags… das akzeptieren wir alles.

Sind das die Zutaten, die die Verkehrstoten so massiv haben zurück gehen lassen? Speziell, wenn wir da jetzt mal auf unsere Verwandten der Eltern und Großeltern-Generation schauen, die uns immer auf die Unsicherheit unserer Fahrzeuge hinweisen, dann kommt uns ein ganz entschiedener weiterer Verdacht.

Mal in den 70ern auf einer Familienfeier gewesen? Mal in einem Schrebergarten im Ruhrgebiet  oder irgendwo auf dem Dorf gegrillt?

Promille Opfer?

Promille Opfer?

Wie endete das immer? Richtig – Onkel Paul (an der Stelle nur mal so als Rollen-Modell, nicht unbedingt der Onkel Paul) fuhr nach gefühlten sechs Bier mit dem Wagen heim. Tante Gerda konnte ihm die Fahrt nicht abnehmen – Frauen hatten zu der Zeit traditionell keinen Führerschein – obwohl das vielleicht ganz clever gewesen wäre…

So aber fuhr eben der sechsbierige Onkel Paul. Und das schlimmste: Er tat das mit vollem Recht! Bis 1973 galt tatsächlich die aus heutiger Sicht vollkommen unfassbare Promillegrenze von 1,5 Promille (!) – in anderen Worten: Wenn der sturzbesoffene Onkel Paul sternhagelvolle 1,4 Promille ins Röhrchen pustete, ließ man ihn Schutzmann Manfred weiterfahren – und das nicht nur in Niederhagelsiepen, wo man maximal einen nachtaktiven Fuchs überfahren konnte, sondern auch in der Kölner Innenstadt.

Erst 1973 kam die 0,8-Promille-Grenze. Unglaublich daran: Mit mehr als 1,5 Promille Alkohol im Blut galten Autofahrer von da an zurecht als absolut fahruntüchtig und begingen somit sogar eine Straftat. Hinzu kommt: Heute würden auch der nüchterne Fahrer auf dem Weg zur Gartenlaube knapp sechs mal so viele Geschwindigkeitsbeschränkungen eindrosseln als noch in den frühen 70er Jahren.

Also – Nichts gegen die Sicherheits-Features moderner Autos – aber hey: bei der erheblichen Senkung der Verkehrstoten gab es auch andere Faktoren als all die Airbags, oder – Opa?

Prost.




4 Gedanken zu „Zwischenruf: Die Airbag-Lüge ;-) 

  1. Die sinkende Zahl der Verkehrstoten hat auch weitere Gründe, allem voran die viel schnellere und bessere Erstversorgung. Ohne Handys, Rettungshubschrauber, Notarzt-Rendezvoussystem etc, gäbe es noch immer wesentlich mehr Verkehrstote. Dazu die bessere intensivmedizinische Versorgung und lebenserhaltende Maßnahmen bei Komapatienten. Als Verkehrstoter gilt nur, wer innerhalb von 30 Tage nach dem Unfall stirbt. Werden also die lebenserhaltenden Maßnahmen bei einem Schwerstverletzten erst nach 31 Tagen oder später beendet, gilt er nicht mehr als Verkehrstoter.
    Auch wer sich schwerstverletzt eine Krankenhausinfektion zuzieht und dann nach mehr als 30 Tagen daran stirbt, fällt aus der Statistik.
    Der medizinische Fortschritt sollte bei der Verkehrstoten-Diskussion nicht vergessen werden.

  2. Da wäre dann noch der Sicherheitsgurt und dessen Nutzungspflicht zu erwähnen. Diese gesetzliche Änderung fällt ebenfalls in die Mitte der Siebziger…

  3. Wie haben heute eine eigentlich gute Ausgangslage: sehr sichere Autos, sehr gute med. Versorgung, gutes Straßennetz – und was machen die Autofahrer? Sie beschäftigen sich nicht mit dem Autofahren, sondern mit ihrem Telefon – während dem Autofahren! Hochgefährlich für alle!!

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