Youngtimer Ford Mondeo?

Ford Mondeo I

Das wichtigste Argument für den Mondeo I war sein Raum-/Preis-Verhältnis, das speziell beim Kombi ungewöhnlich gut ausfiel. Ford verzichtete beim Mondeo auf den Kombi (Turnier) Aufpreis

Als wir kürzlich mal den Mondeo der Gegenwart erwähnten nach einem ungewöhnlich ausgiebigen Test, da wurden hier tatsächlich ein paar Stimmen laut, die darauf hinwiesen, dass auch der Ford Mondeo I längst schon ein Youngtimer sei, den wir bislang in unverantwortlicher Weise offensichtlich sträflich ignoriert hätten…

Stimmt das? Der Mondeo? Ein Youngtimer?

Na gut – man konnte den schon für DMark kaufen… Aber sonst?
Wir machen uns auf den Weg…

1993: Da sah der Mondeo so lahm aus wie nur möglich

Ford Mondeo Youngtimer 1994

Puuuhh… Was hatte sich Ford gedacht beim Ford Mondeo I? Designerisch konnte man mit dem in einer Gruppe von mehr als 3 Fahrzeugen ungesehen untertauchen

Tatsächlich kam der Mondeo schon vor 24 Jahren auf den Markt – doch eine ganz schön lange Zeit – und natürlich: Das Design wurde entsprechend in den 80er Jahren entwickelt, als Leute noch Schulterpolster trugen und ähnlichen Blödsinn… Jedoch: Überlagert wurde das bei der Entwicklung durch den Wunsch, ein Weltauto zu bauen, was in der Zeit bei vielen Autoherstellern einerseits als hip galt und gleichzeitig damals noch nicht mit Plattformen gemacht wurde, sondern auch ein Einheitsdesign betraf. Und wenn Du einen Wagen bauen willst, der wirklich jedem gefällt, dann wird der eben sehr beliebig…

Ford Mondeo I

Der Innenraum des Ford Mondeo I war irgendwo zwischen wirr und langweilig

Und genau das war der erste Mondeo: Beliebig bis ins Mark. Der Mondeo hatte keine spezifische Erscheinung, sondern wirkte abwaschbar, verschwand im Strassenbild, während sein Vorgänger noch Maßstäbe in den frühen Achtzigern gesetzt hatte.

Im Innenraum trug der Wagen die Züge der Ford Designer dieser Jahre. Das wirkt heute tatsächlich schon ein wenig schrullig. Große, wild geformte Kunststoffstrecken verlaufen über das Armaturenbrett, die leider aus recht kratzempfindlichen Material gefertigt wurden. Das ganze flankiert von leicht gesichtslosen Stoffen… Der erste Ford Mondeo war einfach ein langweiliges Auto. Speziell das zurecht erfolglose Stufenheckmodell sah auch von Außen gruselig aus – Nur die Nord-Amerikaner konnten sich mit dem Weltauto einigermaßen anfreunden – was wieder einmal gegen sie spricht.

1996: Nie war ein Facelift so nötig…

Ford Mondeo I

Das Facelift von 1996 gab dem Mondeo I deutlich mehr Charme und eine gewisse Eigenständigkeit – und wurde von den Europäern honoriert, speziell in UK wurde der Ford Mondeo mit diesem Design zum Erfolgsmodell – seine Nachfolger sollten daran anknüpfen können

Erst das Facelift brachte den relativen Erfolg für den Mondeo in Europa. Der Wagen wirkte mit den größeren Leuchteinheiten nun mutiger, individueller und machte einfach mehr her. Die meisten Käufer kamen zu dieser Zeit jedoch ohnehin nicht mehr aus dem Segment der Privatkäufer: Große Companies wie Philip Morris erwarben den Mondeo fuhrparkweise für ihren Außendienst. Die schätzten den Wagen nicht nur für seine wirklich fürstlichen Platzverhältnisse – sie nutzten auch seine damals schier unglaubliche Strassenlage. Der Passat war hier weit hinterher, der Vectra hatte kaum Anknüpfungspunkte. Das war

Ford Mondeo I Rentner

Heute oft unbeachtete Verbrauchsautos

es, was Ford nun auszeichnete – und das war den Vorgängern Taunus und Sierra in der Art nie gegeben gewesen. Hier hatte Ford richtig investiert – Der Mondeo war auf Landstrassen und Autobahnen ein echter Knüller. Leider trieb das die Versicherungsprämien, speziell beim 1,8 Liter Modell mit 115PS, enorm in die Höhe – der 170PS 6Zylinder war billiger zu versichern, weil den kein Vertreter fuhr…

Schon deshalb fährt sich der Mondeo tatsächlich heute immer noch sehr sehr zeitgemäß und fühlt sich kein bisschen alt an, was diesen Bereich betrifft.

Er fühlt sich auch sonst nicht recht wie ein Youngtimer an. Sicher, Ford ist heute deutlich schicker unterwegs, speziell im Innenraum – aber ein paar Stoffmuster hier, ein wenig Chrom-Immitat dort… mei…

Nein. Wir sind 3 Mondeos der Jahre 1994, 1997 und 1999 noch einmal sehr bewusst gefahren – aber es macht hier einfach nicht „klick“, auch nicht bei den jüngeren unter uns, für die sich der Wagen relativ gesehen mehr nach „Auto meiner Eltern“ anfühlt.

puuuhhh

Hinzu kommt hier: Der Mondeo wurde vernachlässigt. Gab es beim Sierra noch den XR4 und später gar den Cossi – so gönnte man dem Mondeo der ersten Generation nur einen ST – und das auch praktisch erst, als der Nachfolger schon in der finalen Erprobung steckte. Allrad-Modelle wurden – wie bei Ford schon fast eine Art schlechter Tradition – vermarktet, als wären die Autos dem Hersteller peinlich.

Der Ford Mondeo, trotz einem guten Vierteljahrhundert auf dem Buckel, ist einfach noch zu gegenwärtig. Da gibt es auch nicht viel, was irgendwie erhaltenswert, sammelnswert oder vergangen wirkt. Ein guter billiger Wagen ist er – manche Mondeos kommen mit frischem Tüv für weit unter 1.000€ daher. So einen kannst Du dir als Urlaubswagen zulegen, um speziell mit dem Kombi einfach mal irre viel Platz für die Ladung zu haben. Aber sonst….

Nein – der Mondeo leidet an dem typischen Vebrauchsauto-Problem. Irgendwann kommt der Moment, wo Du dich nach dem umdrehst – und dann gibt es einfach keine mehr….


10 Gedanken zu „Youngtimer Ford Mondeo?

  1. Ich bin in einer Ford Mondeo Familie aufgewachsen. Erst kam Papa mit dem Sierra und so folgte Opa mit diversen Escorts, bis dann der erste Mondoe von 1997 vor der Tür stand. Seit dem hat Vater jedes Modell des Mondeos besessen, von manchen sogar zwei nacheinander und so hat sich der Mondeo in unserer Familie bequem gemacht. Er ist groß, sieht ganz gut aus und ist einigermaßen haltbar, was man in drei Jahren und 150.000 km so erfahren kann.
    Emotionen hat er allerdings nie geweckt, da immer irgendwelche Diesel drunter steckten, auch wenn die 180 PS auf dem Papier ganz heftig aussehen mögen. Er fuhr flott genug, aber nicht rasant.

    Irgendwie ist er eben noch immer etwas charakterlos, aber er tut was er soll und das ist ja auch schon eine ganze Menge.

  2. Ja der Ford Mondeo bei uns in der Famillie ein rotes Tuch ob 1996ner Modell oder 2006 Baujahr es waren die grössten Schrottkarren die jemals in der Famillie vorhanden waren.
    (netter ausgedrückt Montagsauto)
    Der 96ner meines Opas hatte nach 120tkm diverese Lichtmaschienen durch und zickte an allen möglichdn Motorenbauteilen und soff unmenschlich viel Sprit , nach 7 Jahren defacto Schrottreif (er wurde nicht verheizt sondern normal gefahren) und der 2006 ist mir noch schlechter in Erinnerung geblieben.(turbos und lichtmaschienen konnte man dort als verschleissteile sehen…)
    Nur der Citroën XM ist noch negativer aufgefallen bei uns.

  3. Und kein einziges Wort zum Rost? Die Schweller und hinteren Radläufe waren bei den ersten drei Mondeo-Generationen fast immer betroffen…

  4. Der Mondeo Turnier MK I war quasi mein erstes Auto. Von meinen Eltern ’96 als Neuwagen gekauft mit super Rabatten, als der MK II bereits im Showroom stand, und von mir als Fahranfänger (Führerschein 2003) geheizt und gestresst. 2006/7 hat er wieder zu meinen Eltern gewechselt – als Baustellenkombi. Er hat neben Alltag und diversen Familienurlauben bei mindestens 5 großen Umzügen mitgeholfen und diverse 1000e km als Zugfahrzeug gedient. 2008 wurde er “abgewrackt”, mit knapp 260.000 km auf der Uhr. Der Innenraum war top in Schuss, der Motor hätte die 400.000 km wohl problemlos erreicht. Der TÜV wollte allerdings nicht mehr so recht, wie von Maerzen schon angesprochen: die hinteren Radläufe, die Schweller, die Aufnahmen der hinteren Federn waren quasi nicht mehr vorhanden. Ansonsten in den 12 Jahren normaler Verschleiß. Der defekte Motor des elektrischen Schiebedachs wurde gegen eine manuelle Kurbel umgebaut. Der Ford-Klassiker der 90er-Jahre-Modelle, der Weichmacher der Stoßstangen, hat zu billigen grundierten Stoßstangen aus dem Zubehör geführt. Zu Schluss wahrlich keine Schönheit mehr, aber ein gutes und zuverlässiges Auto. Nur für Emotionen war er nie gut…

    1. Ach ja, und als 1.6 16V mit 90 PS auch eher die Fortbewegungskategorie „wenn schon nicht sparsam, dann wenigstens spaßarm“. Egal wie, der wollte immer 9-9,5l …

  5. Immer diese gleichen Sätze, welche vor 20 Jahren auch schon die Fachpresse bemühte: „langweilig“, „charakterlos“. Als ob ein Vectra Primera oder Passat aus gleicher Zeit bzw. ein Taunus, 20 Jahre vorher, mehr „Charakter“ gehabt hätten. Das waren zu ihrer Zeit genauso 0815-Autos und drehten später in sechster Hand ihre letzen Runden auf der Baustelle.

    Ich habe meinen 1994er GBP 1,8 Zetec damals mit 90.000 Kilometern gekauft und bin ihn bis 468.000 km gefahren. Während dieser Zeit wurden wirklich nur Verschleißteile (Zahnriemensätze, Querlenker, Koppelstangen) getauscht. Echte, unplanmäßige Defekte betrafen lediglich das Fahrer-Türschloß und ein Unterdruck-T-Schlauch für die Leerlaufregelung. Zündkerzen sollte man auch nur die Originalen kaufen, die aus dem Zubehör sorgten regelmäßig für Motorruckeln. Das soll zur damaligen Zeit (und auch, oder vor allem heute!) mal ein Auto nachmachen. Sogar der Rost hielt sich noch in Grenzen. Der war, wie man heute weiß, auch bei anderen Autos aus dieser Zeit ein Thema. Und ja, es war auch noch die erste, originale Lichtmaschine drin. Genauso wie Anlasser, Kopfdichtung oder Kupplung… Klar, wenn man das Zeug bei Ebay für 30 Euro kauft, muss man sich über mangelnde Qualität nicht wundern – das kann man dann aber nicht dem Auto anlasten. Selbst das Armaturenbrett war aufgeschäumt, man machte halt kein Brimborium darum wie der VW-Konzern. Hätte Ford das mal als USP verkauft, da war die Konkurrenz einfach besser.

    Wirklich objektiv betrachtet war der Wagen bei seiner Präsentation 1993 ein großer Wurf: tolles Fahrverhalten (man betrachte mal zeitgenössische Testberichte zu dem Thema), gute Serienausstattung, viel Platz (als Fließheck neben dem Kombi ziemlich konkurrenzlos, da bekommt man problemlos eine Waschmaschine rein). Und warum neben Ford kein Hersteller eine Frontscheibenheizung verbaut ist mir heute noch ein Rätsel…. Hauptsache für alles ein Riesendisplay.

    Diese ganze Glorifizierung und das „Nachplappern“ der hiesigen Meinung habt ihr doch hier wirklich nicht nötig. Wirklich „klick“ macht es wohl auch nicht, wenn ihr heute o.g. Vectras, Passats oder Primeras fahrt. Dafür sind die Autos heutigen einfach noch zu ähnlich. Einfach mal drüber nachdenken…

    Ansonsten: tolle Seite, lese immer wieder gerne eure Berichte!

    1. Dieses Charakter-Thema wird in der Tat ein wenig zum Grundsatzproblem des Fahrzeugbaus… Der W202 hatte das vielleicht in den Jahren noch, der Xantia sicherlich, hier und da noch ein mutiger Italiener, aber sonst war das auch bei vielen anderen dürftig, nicht nur beim Mondeo

  6. Also in dem Artikel vermisse ich komplett das RS Programm oder einen kommentar wie der 1,8l ist für seine zeit sehr sparsam und doch ich nenne es mal “kraftvoll”

    Der 2liter ist ebenfalls sehr robust und spritzig und man wird von den Zetec Motoren nie im stich gelassen. Die springen immer an egal ob draußen -30° oder +40° Grad Celsius herrscht

    Von einer guten Austattung wie Tempomat. Elektrisches Vollleder oder 4fach Fensterheber wird nicht mal ansatzweise was erwähnt.

    Das einzige dem ich zustimmen kann ist. Das der Mondeo das Image der Alltagsschlampe einfach nicht los wird und man ihn eben nicht zu schätzen weiß und er sich fast “zu” modern für dass alter fährt was ja nix schlechtes ist… und er stellenweise etwas lieblos wirkt.

    Natürlich sieht der Mondeo im vergleich zum Sierra langweilig aus. Aber ein Passat oder Golf 3 sieht mindestens genauso beschissen aus. Der Audi A4/A6 war nun auch kein hingucker selbst der audi 80 haut ohne verspoilerung oder sonsterausstattung niemanden vom hocker. Opel vectra und astra brauche ich gar nicht anfangen. Der einzige der zu dieser zeit hervorsticht ist der E36

    Aber 4 millionen verkaufte fahrzeuge und Auto des jahres 1994 sagt mehr als genug über den Mondeo MK1 aus.

    Das wie ein Wunder natürlich nie erwähnt wird

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