Die Kadetten gehen – die Glücksritter kommen. Wie blutig wird das?

Alle haben sie über GM gemeckert – dann hat PSA Opel gekauft… Und alle haben gemeckert. Anfangen bei der Tatsache, dass der Durchschnittsdeutsche keine Ahnung hat, wer eigentlich PSA ist und ob die nicht eventuell den Clio bauen…

Opel Kadett E GSI

Legende: In dieser nahezu naturbelassenen Form sind diese Opels eigentlich so gut wie nie zu finden – selbst die ganzen Friscos haben Anbauten…

Immerhin ist jetzt mal klar, wer der letzte echte Opel ist – er neue Insignia 😉

Opel ist einen langen Weg bergab gegangen, über den man ja denken mag, was man will – es war ein Trauerspiel, darüber kann man leicht Einigkeit erzielen… Interessant auch: Selbst Leute, die mit heutigen Opel-Modelllen absolut nichts anfangen, können sich schnell darauf einigen, dass die alten Opels aus den 60ern, den 70ern und den 80er Jahren, schon reichlich cool sind und dass es heute keine vergleichbaren Fahrzeuge mehr gibt, die bürgerlich nahbar und dennoch groß und sechszylindrig sind.

Opel Senator

Preise im Bereich des Phantastischen…

Opel spielte das große Spiel, hatte über 20 Prozent Marktanteil und zeigte immer wieder Innovative Modelle, mit denen sie ihren Mitbewerbern zum Teil um Dekaden voraus waren und Segmente besetzten, die vor ihnen bis dahin niemand entdeckt hatte mit Modellen wie dem Kadett C Aero, dem Opel GT oder auch dem Frontera, der dem SUV-Trend derartig weit vor griff, dass man es auch heutiger Sicht kaum glauben mag.

Modelle wie der Manta B brachten den Sport ins Volk, der Kadett als Kombi in der Kompaktklasse erschien in den 60ern – Ford kam da Mitte der 70er an – Volkswagen erst in den 90ern….

Opel Ascona B

Die Alltäglichen

Alte Opel zu erhalte mit substanziellen Opel Clubs, den nötigen Youngtimer-Ersatzteilen und der Liebe zu einer Kultur, die den Deutschen Automarkt stark geprägt hat, wird jetzt für viele zur gefühlten Bürgerpflicht. Opel war eine emotionale Marke – und gerade, als es wieder aufwärts geht, kommt die Veränderung. Ist das so schlecht? Unser Best Guess wäre: Es ist schwer vorstellbar, dass die Arbeitsplätze bei Opel in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben. Es ist schwer vorstellbar, dass die neuen Besitzer in die Marke investieren, die eher eine Art Verlängerung der Peugeot Plattform werden dürfte. Es ist schwer vorstellbar, dass die Ersatzteilsituation besser wird.

Es ist sehr Vorstellbar, dass die Preise für alte Opel etwas stärker anziehen. Wir hören tatsächlich schon diverse latente Opel-Fans, die jetzt in den letzten Wochen gesagt haben: „So – jetzt gönn ich mir doch noch den Calibra, den ich damals haben wollte, als ich noch zu jung dafür war…“ – und das wird wieder die Glücksritter auf den Plan rufen, die mit überzogenen Preisen vom Kult absahnen wollen. Und das könnte hässlich werden…



7 Gedanken zu „Die Kadetten gehen – die Glücksritter kommen. Wie blutig wird das?

  1. Ich vermute auch ganz stark das die Preise für Opel Youngtimer und Oldtimer steigen werden.
    Spezial die eher in der Szene verschmähten Kadett D und Ascona C traue ich einen grossen Preissprung nach vorne an. Die Leute erkennen hoffentlich nun das man die richtigen Opel erhalten muss. Denn eins ist sicher,
    Ein richtiger Opel ist niemals französischer Herkunft. Desweiteren schätze ich trotz aktueller Gm Palette das die Verkäufe etwas einbrechen werden weil die Fans etwas beleidigt sind.
    (so wie ich)
    Mach es gut Opel, ist ne schöne und gegend Ende anstrengende Zeit gewesen, nun trennen sich für viele die Wege.

  2. Was für ein Klischee, Ihr Kommentar Jannik, ein richtiger Opel könnte niemals französicher Herkunft sein. Vor allem weil die Marke gefühlt schon immer fremdgesteuert war. Und GM war, unter uns, sicher nicht die Leuchte im Automobilbau.

    Die Marke wird gerettet und die eigenen Fans sind sauer – das ist die reinste Ironie.

    1. Ich muss sagen: ich kann die Haltung in Teilen verstehen – PSA ist kein Wunsch-Partner und keiner, der die Marke retten wird.
      Das eigentliche Thema ist natürlich: die Marke ist vermutlich gar nicht mehr zu retten und hat ihren Kern vor rund 20 Jahren verloren. Da macht PSA auch nichts mehr kaputt

      1. Ach Gottchen, sind wir heute alle pessimistisch! 😉 Ich bin mit Opel aufgewachsen und bin seit 2 Jahren überzeugter Peugeot-Fahrer. Ich freue mich über den Führungswechsel.
        PSA hat Opel sicher nicht gekauft, um die Schotten dicht zu machen. Die Marke wird ganz sicher weiter leben. Was die deutschen Arbeitsplätze anbelangt, das ist ein Thema für sich. Aber Hand aufs Herz: Opel muss schwarze Zahlen schreiben, damit langfristig überhaupt noch jemand bei Opel arbeiten kann. Ob GM die Werke nach Osteuropa rationalisiert oder PSA einige Opel in Frankreich baut, macht den Kohl nicht fett.
        Ich denke, PSA wird Opel von Peugeot und Citroen abgrenzen müssen, ähnlich wie im VW-Konzern. Darin besteht die Chance, zu neuer Identität zu finden. Unter GM wäre Opel über kurz oder lang dort gelandet, wo Saab heute ist. Die Ehe mit PSA mag vielleicht nicht die große Liebe sein, aber das war GM auch nie. Man muss auch mal die Chancen sehen! Diesel-Hybrid z.B. gibt es nur im PSA-Konzern, vielleicht auch bald bei Opel. Die Kleinwagen von Peugeot waren allesamt nicht übel und verkaufen sich gut. Das macht Hoffnung auf den längst überfälligen Corsa F.

  3. Der letzte echte Opel ist für mich gegangen, als man den Omega ersatzlos gestrichen hat.
    Eigentlich schon mit der Einstellung des Senators, irgendwie. Aber spätenstens mit dem letzten Omega war ich enttäuscht von Opels Modellpolitik. Weder der Vectra C noch der Insignia bringen das gleiche Gefühl wie die „großen“ Opel.

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