Hä? Was ist eigentlich mit dem Van passiert?

Lasst uns mal eine These wagen: Autos werden primär von Männern gekauft, richtig?

Renault Scenic

Das Original: Wie so ziemlich jeder wichtige Auto-Trend kam auch der Van nicht von den Deutschen Automobilherstellern

Ein Van signalisiert, dass der Kerl vergeben ist und eine Familie hat (ja ja… oder irgend ein extremes und sehr verbreitetes Hobby wie Freestyle-Downhill-Bike-Kyting, schon klar…). Kaufen Männer also Vans…? Eine Zeitlang schien es mal so. Wie auch die Hochdachkombis hatten die Vans Ende der 90er Jahre, als die Geburtenraten sich auch in gehobenen Bildungsschichten mal wieder nach oben entwickelten, tatsächlich eine Boomphase und jeder Hersteller hatte einen im Programm oder gleich mehrere, wie viele Franzosen und Japaner.

Vans in allen Formen und Größen: vom Meriva über die breiten Angebote in der Klasse von Scenic / Touran und Trendsetter Opel Zafira bis rauf zum Ford Windstar, den man sich aus den USA besorgte, um auch in diesem eher exotischen Segment rasch punkten zu können.

Toyota Previa 1

Der Toyota Previa mit Motor-Versteck unter den Sitzen. Einer der besten Langstrecken-Wagen der damaligen Zeit

Und dann? Irgendwann gab es dieses leise Plopp und alle Leute – aka Männer – kauften plötzlich SUVs.

Versuchst Du heute, einen Van zu kaufen, sieht die Situation plötzlich ganz anders aus – vor allem bei den größeren Modellen ist so ziemlich alles verschwunden. Der Hyundai Trajet, der Mitsubishi Space Gear, der Kia Carnival, der Toyota Previa – alle verstorben. Ford baut noch den Galaxy und VW stellt den Sharan wohl zugunsten des Tiguan Allspace ein.

Wie sich herausstellte, waren die vielen Sitzplätze und das lustige Falt-Origami der Variabilität im Van den Kunden gar nicht so wichtig – den meisten Familien ging es eher darum, das ganze Urlaubsgeraffel einfach ungefiltert in den Kofferraum werfen zu können. Jetzt nehmen sie lieber wieder eine Dachbox dafür und schränken sich auch sonst ein – denn auch moderner Autobau kann keine Wunder vollbringen: konzeptbedingt hat kein anderes Raumkonzept soviel Platz auf so wenig Verkehrsfläche wie der Van. So lässt sich VW für den Tiguan Allspace mit 1770 Litern nutzbarem Ladevolumen auf 4,71m Länge feiern – obwohl ein Passat es bei praktisch gleicher Länge längst entschieden mehr Laderaum hat. Vans schafften das mit gut 40 Zentimeter weniger Außenlänge… Und hier reden wir ja noch nicht mal von der Mitnahme von Fahrrädern oder ähnlichen Dingen

Hyundai Trajet

Puuhh… Wo findest Du das im SUV? Henau: in der 80.000 Euro-Klasse, die in kein Parkhaus passt. Diese Sieben Sitze waren kürzer als ein heutiger 3er BMW..

Warum wollen denn dann eigentlich alle angeblich die SUVs? Weil die Autohersteller sie bewerben wie irre, weil sie mit ihnen mehr Geld verdienen. Die Ausstattungsquoten bei Vans waren nie sehr hoch: Radio, Klimaanlage, getönte Scheiben hinten für die Kleinen – und gut iss. Die Ausstattungsquoten bei SUV sind im Schnitt 71% höher in Deutschland. Noch Fragen?

Der Weg zum SUV ist in vielerlei Hinsicht ein Irrweg: Fahrwerksentwicklung, Verbräuche, Verkehrsflächen… Und was große Familien am Ende tun, wenn Ford sich den Galaxy auch nicht mehr leisten will, steht in den Sternen. Vermutlich werden sie sich dann mal nach einem gut gepflegten Youngtimer umschauen, der all diese Ansprüche noch erfüllen konnte und zu allem Überfluss dann auch noch für junge Familien erschwinglich ist – immer vorausgesetzt, er hat keinen von Juristen Entwickelten Diesel an Board, mit dem man sich demnächst nicht mehr vor dem Kindergarten blicken lassen darf.

Wir lieben Allrader – aber uns kommt es so vor, als liefe da exakt gar nichts in die richtige Richtung…



10 Gedanken zu „Hä? Was ist eigentlich mit dem Van passiert?

  1. Ganz so duster ist es ja nicht. Es gibt ja immer noch den Zafira, der hat auch sieben Sitze. Wers größer will, der kann den VW Bus nehmen. Außerdem hats noch den 2er Gran Tourer, Chrysler Voyager, Kia Carnival, Mazda MPV, Mercedes V-Klasse, Peugeot Traveller, Renault Espace.
    Wer ein großes Auto braucht wird es finden. Auch ohne einen der hässlichen SUVs zu kaufen. Wobei die (Klein-)Busse auch keine schönen Fahrzeuge sind.
    Wo ist die Zeit hin, als für eine normale Familie ein Kombi gereicht hat? Theoretisch hats ja auch mal im Käfer gereicht mit Kind und Kegel in den Urlaub zu fahren, aber das muss man sich nicht antun. Ein normaler Mittelklassekombi vom Schlage Passat/E-Klasse/5er/Mondeo/A6 sollte doch für alle Belange reichen.

    1. …den Kia Carnival gibt es tatsächlich schon seit 6 Jahren nicht mehr… Der Mazda MPV wird in Deutschland seit 12 Jahren nicht mehr angeboten. Beim Espace sind wir nicht sicher, ob wir den noch in diese Klasse zählen wollen – Renault selbst tut es nicht mehr – für die ist es jetzt ein Crossover. (Übrigens von rotziger Qualität, wie wir auf gut 6000 Kilometern mit 2 verschiedenen Modellen erleben durften…) Die Nachfolge des Zafira wird auch ein Crossover antreten (was immer das eigentlich genau ist…)
      Irgendwie finden wir das schon duster 🙁

      1. Sieh mal einer an. Weil die Kisten eh so selten im Straßenbild sind hab ich die Einstellung nicht mal mitbekommen.
        Wahrscheinlich ist einfach die Vanblase geplatzt, so wie in ein paar Jahren die SUV Blase platzen wird.

        1. Sicher wird die Blase irgendwann platzen. Meine Kinder werden SUVs genauso absurd finden wie ich als Kind den Heckmotor-Skoda meines Onkels im Ostblock.
          Die Blase ist schon so aufgepustet, dass es nicht mehr lange dauern kann. X4, GLE „Coupe“ und Kreationen wie den ersten Peugeot 3008 kann ich nur als Parodie ernst nehmen. Sie sind alles und eben doch nichts. Genau was der Käufer will: Alles, aber bloß keine Nachteile. Satire erster Klasse ist das!

          Das Coupe stirbt auch aus, abgesehen vom Premium-Bereich. Früher gab es Capri und Manta, in den 90ern die Mini-Coupes Puma, Tigra, MX-3, 100NX usw. Eine Klasse darüber gab es 406 und 407, MX-6, Cougar und den Accord. Wer heute ein Coupe will, muss zu ABM gehen.

  2. Als der Chrysler Voyager auf dem Markt kam (1984) und die Japaner (Nissan Prairie 1981, Mitsubishi Space Wagon 1983) den Van Markt bedienten, haben wir noch überlegt ob wir beim VW Jetta den zweiten Außenspiegel mitbestellen. Vans waren Science Fiction, US-Autos waren unsympatisch und Japaner irgendwie komisch. Bei uns war Stufenheck angesagt. Ein Ford Sierra MKI war vom anderen Stern. Ein Voyager oder ein Cherokee waren für uns “Pfui”, der Zeigefinger war immer sofort bereit auf solche schwarzen Schaffe zu zeigen.

    Als wir in den 90er Jahren angefangen haben über die Vans nachzudenken hat unsere Autoindustrie uns erstmal die Kombis schmackhaft gemacht (Fort Mondeo Kombi ohne Aufpreis zur Limousine – ein Novum). Es gab den ersten 3er touring und später die C-Klasse als T selbstredend mit Aufpreis. Die ersten Mutigen haben sich den Umstieg zugetraut und sind Espace, Voyager gefahren. Die ganz Mutigen sind Pontiac Transport, die Vernüftigen Toyota Previa gefahren. Die restliche Welt war schon längst beim Umstieg auf dem SUV. Wir haben, vor allem die Amis ausgelacht und sehr oft den erhobenen Deutschen Zeigefinger gezeigt (Platz, Verbrauch, Verschwendung…).

    Die 2000er Jahre war der Van-Boom. Da gabs die Kombi SharanGalaxyAlhambra und ZetaUlysse806Evasion besser bekannt als Eurovan und etliche andere – die Liste wäre zu lang. Wir haben alle gekauft wie blöd. Weiterhin haben wir mit dem Finger auf die anderen, bösen, bösen Menschen gezeitgt die einen SUV (damals Geländewagen) gefahren sind. Auch haben wir immer vorgerechnet wieviel Cent pro Kilometer wir im Vergleich zu anderen günstiger fahren. Der TDi war salonfähig (übrigens 1986 im Fiat Croma vorgestellt und nicht von den Schwammerl-Köpfen bei VW erfunden).

    Dann wurde es unübersichtlich, Mini-Van, Middle-Size, Gran, XXL, XXLL… zum Schluss wusste keiner mehr ob er jetzt den Längsten hat und wieviel Leute tatsächlich im Van mitfahren können.

    Zwischenzeitlich, muss so 1997-1998 gewesen sein, entdeckte unsere Autoindustrie den SUV. M-Klasse und X5 ware da und haben schon die Aufsteiger aus der Van-Klasse abgeworben. Noch galten die SUVs als Luxus. Wir haben immer noch auf das US-SUV-Kaufverhalten gemeckert… aber die, die sich schon eine Deutschen-SUV leisten konnten haben, sind aufeinmal leise geworden. Gaaanz leise.

    Die späten 2000er Jahren haben uns dann den SUV Boom gebracht. Dank Super-Double-Triple-Diesel-Turbo-Injection-i.v. Motoren waren wir aufeinmal in der Lage mit 0,002 Cent pro Kilometer einen SUV mit 2,2t und 400PS zu fahren. Welch eine Errungenschaft der Herren Inschinöre. Und alle haben rauf und runter kalkuliert, die einen sind dann mit 0,0019 Cent die anderen mit 0,0021 Cent pro Kilometer gefahren – aber die Rechnung musste ja richtig sein, der Bordcomputär und die Auto-Blöd Tests haben diese Annahmen bekräftigt.

    Aktuell ist es unübersichtlich, es gibt SUV und SAV … den Chelsea Traktor und den Hausfrauen-Panzer. Wer heute noch Diesel-SUV kauft úm sich dann die Verbauchsvorteile pro km zu rechnen – nun… was soll man dazu noch sagen? Typisch Deutsch? Unbelehrbar? Mitläufer? Obrigkeitshörig?

    Ich denke “history repeats”, was mit den Vans passiert ist, wird auch mit den SUVs passieren. Mal abgesehen vom Diesel-Gate & Co Themen, reden wir doch hier auch um veschiedene Generationen von Menschen. Andere Bedürfnisse, anderes Verständnis für die Welt, andere Wertvorstellungen. Wer weisst schon was kommt – es gibt viele Propheten und alle verkünden die einzig wahre Wahrheit.

    Wie oft haben wir mit erhobenen Zeigefinger auf andere gezeigt? Wie oft haben wir auf andere Länder und Automobilindustrien gezeigt und den Propheten gespielt. Wie oft haben wir die einzig wahre Wahrheit (Diesel-Schummelei – Nö, doch nich Piech & Co) verkündet? Und wie oft hatten wir tatsächlich Recht? Fragt sich das keiner?

    Van hin oder her, keine Sau interssiert sich heute für Vans (außer Liebhaber). Das gleiche Schicksal steht dem SUV bevor – sobald eine Auto-Kategorie und/oder Marke zum Massenprodukt wird, wird es uninteressant (und jetzt spiele ich den Propheten – glaubt mir also kein Wort).

    Interessant ist einzig und allein TESLA in der heutigen Automobilindustrie. Falls TESLA einen Van bauen würde, dann wäre der Van wieder salonfähig.

  3. Puh bin ich froh das ich unseren Ulysse 220, (Benziner Turbo 147 PS) –
    damals, als die Kinder groß wurden, -mit seinen 305.000 KM auf der Uhr weggestellt hatte.
    Stand jetzt 7 Jahre bei mir in der Garage und wird aktuell gerade wieder in Neuzustand versetzt, Turbo getauscht, der super zuverlässige 2.0 Benziner läuft noch wie am ersten Tag, Rost ist auch kein Thema, wird jetzt dann für Familienausflüge eingesetzt und die Kids freuen sich schon, wollen zusammen mit ihren Partnern das Erlebnis von damals als sie noch klein waren in der dritten Reihe teilen.
    Der Eurovan war aus meiner Sicht der Beste Van, zwei Schiebetüren, Platz ohne Ende und die damals noch Sprichwörtliche Peugeot Qualität, die beim Nachfolger (Typ 179) leider den Bach runter ging.

  4. Den Chrysler Voyager bzw. zuletzt Lacia Voyager gibt es in Europa auch nicht mehr. Die Kombis werden hinten auch immer runder, abfallendes Dach etc, sprich: Die Heckklappe hat sich num Nadelöhr entwickelt. Hinzu kommt auch noch daß die Rolle mit dem Gepäcknetz und das Kofferraumrollo raus genommen werden muß um den Kinerwagen weit genug rein stellen zu können um die Heckklappe zu schließen. Passat, Mondeo, Golf, Volvo 740 🙂 etc. waren da früher besser.

  5. Ein paar dieser ungemein praktischen schönen, großen Familienautos gibt’s ja noch. Da die Kompaktvans immer größer geworden sind, siehe Zafira, Touran, Scenic usw. haben die Hersteller häufig die Sharan/Galaxy Klasse vernachlässigt oder rausgenommen. Schade für diese erfolgreiche Fahrzeugklasse. Hinzukommt das die SUVs teilweise mit völlig indiskutabelen Motoren unterwegs sind. Aus 1.2 Litern werden da mal schnell 130 PS oder ähnliches. Einen Pferdeanhänger zieht da schon lange keiner mehr und Gelände ist auch Fehlanzeige.

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