Renault 19 Chamade – der Baguette-Jetta der 90er

Schon mal nach einem Stufenheck-Renault vom Typ 19 gesucht? In den letzten Jahren?

Ja… genau.

Suchen kannst Du – finden ist weit schwieriger… Es gibt unterproportional viele Renault 19 vom Typ Chamade, genau genommen so gut wie keinen mehr. Woran liegt das eigentlich?

Renault 19 Chamade – sag mir wo die….

Renault 19 Chamade Bellevue

Aus der Orioginal PR-Mappe: Der R19 war auch i n der „Jetta“ Version ein wohl proportioniertes Auto. Die Franzosen hatten es schon drauf

Der Renault 19 war ein echter Erfolgstyp – sogar in Deutschland, wo der Renault-Erfolg ja oft starken Schwankungen unterlegen waren. Ein wenig so, wie auch die Renault-Qualitä – und vielleicht hing das sogar zusammen. Die Qualität jedoch galt beim R19 als Vorzeigeware, vor allem gemessen an seinem diesbezüglich eher glücklosen Vorgänger Renault 11 oder gar dem Renault 14, der die Deutsche Wahrnehmung der Marke Renault erheblich und nachhaltiug versaut hatte.

Dem Erfolg des Renault 19 tat das keinen großen Abbruch. Seine Stufenheckversion hingegen wurde in Deutschland zunächst eher in homöopatischen Dosen unters Volk gebracht. 1988 erschienen, erhielt der R19 Chamade 1992 sein erstes Faclift und musste nun unter dem Namen Bellevue in den Show-Rooms stehen, was seiner Verbreitung auch keinen signifikanten Schub zu geben vermochte. Während der Renault 19 sozusagen in seiner Golf-Form zum Import-Auto Nummer 1 aufstieg, wollte sich der „Jetta“ von Renault nicht so recht verkaufen. Gar nicht? Oh doch: Im Osten Deutschlands, gerade frisch wiedervereint, wurde der Renault 19 nicht nur (Achtung!) phasenweise besser verkauft als der Golf – auch der R19 Chamade beziehungsweise Bellevue fand hier Fans in größerem Umfang, wie so manche Stufenhecklimousine der Klasse. Auch der Astra wurde hier in seiner Stufenheckversion erfolgreicher vertrieben als im Westen – und das teilweise sogar in absoluten Zahlen.

Wo die alle hingelangt sind? Wait a minute…

Selbstbewusst – zurecht

Tatsächlich war der Renault Chamade in dieser Klasse durchaus etwas besonderes. Im Gegensatz etwa zum Volkswagen Vento gelang es dem R19 Chamade, den großen Laderaum, den das Volk ja wollte, elegant zu verbergen, respektive harmonisch in eine Karosserie-Linie einzufügen, was man speziell vom Vento wirklich nicht behaupten kann – und auch viele andere scheiterten diesbezüglich im Segment der wandelnden Kofferräume.

Interessant auch: Dem Nachfolger, dem Renault Megane Classic, gelang dieses Kunststück auch nicht so recht. Genau genommen gar nicht.

Renault 19 Bellevue – Wo denn jetzt….?

Tja – und wo sind die ganzen Chamade, die zwischen Dresden und Elend im Harz verkauft wurden, denn nun hingekommen? Ihre Anspruchslosigkeit wurde ihnen zum Verhängnis. Sie waren da, machten ihren Job – und als die Abwrackprämie kam, war der Renault 19 Chamade in relativen Zahlen eines der Fahrzeuge, von denen anteilig der höchste Bestand vernichte und gegen kleinere Skoda Fabias und neuere Renaults getauscht wurde. Die Kinder der Erst- oder Zweitbesitzer waren aus dem Haus, die Wende Geschichte geworden und ein kleineres Auto, staatlich gefördert, tat es jetzt auch. Und so wurden diverse ausnehmend gute Rentnerfahrzeuge des Typs R19 Chamade geopfert für eine Handvoll Dollar vom Staat….



2 Gedanken zu „Renault 19 Chamade – der Baguette-Jetta der 90er

  1. Dem Renault 19 muss man ja nun wirklich nicht nach trauern. Die Abgasanlage rostete schneller als man Endschalldämfer sagen konnte, Schläuche der Kühlmittelanlage neigten sehr schnell zur Inkontinenz durch beschleunigte Versprödung. Die Stufenheckvariante war zu dem nicht als ästhetisch zu bezeichnen.
    Der einzige Grund warum der sich gut im Osten verkaufte war der relativ geringe Neupreis und nach spätestens zwei Jahren wusste man auch warum!

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