Der Letzte seiner Art: Youngtimer Opel Omega B

Opel Omega B.

1993.

Damals, als ich bei der Presse-Vorstellung des zweiten Omega war, hätte doch wohl niemand gedacht, dass der Omega B mal keinen Nachfolger haben würde, oder?
Der Senator weg, okay, der Monza – schade, aber eben vielleicht nicht Kenrgeschäft für Opel. Aber den Rekord – den würde Opel doch wohl immer bauen, oder?

Das war eines der Autos, die Deutschland groß gemacht hatten – der Wagen, der uns durchs Wirtschaftswunder gebracht hatte und Dir zeigte: Du kannst es zu etwas bringen! Sei fleissig und du wirst ein Reihenhaus bekommen und vor dem wirst Du einen Opel Rekord parken können – der Wagen, der Dich und Deine Kinder mit Gepäck nach Rimini bringt – aber nicht den Preis eines Strichachters kostet oder so.

Der Rekord war nicht extravagant – der war Salzbrezeln, Moselwein und Rei in der Tube. Und so war auch der Omega A noch. Auch wenn der etwas modischer wirkte: im Herzen blieb er derselbe – übrigens auch technisch weitgehend; bis auf das entschieden brillantere Fahrwerk natürlich, das dem Rekord E wirklich deutlich überlegen war.

Und der Omega B tat gegenüber dem Omega A dasselbe: Er knüpfte da an – kam aber bulliger, kam selbstbewusster daher und wollte mit den Fehlern aufräumen, die man dem Vorgänger – nur teilweise zurecht – nachsagte. Und die hatten Opel ganz schön bergab getrieben. Niemand ahnte, dass das Anknüpfen an diese Tradition nicht wirklich ausreichend sein könnte, oder?

Die Sperre für den Rückwärtsgang bringt Unwissende um… 😉

Naja… man hätte – aber hinterher ist man ja auch immer irgendwie klüger…

Der Opel Omega B war richtig für seine Zeit – und man sollte ihn heute schützen – auch wenn da jetzt gleich wieder jemand jammert und sagt „äh… die letzten davon sind kaum älter als 10 Jahre….“ Ja – und die ältesten fast 25! Aber das ist gar nicht der Punkt. Der Omega kommt nie wieder. Er war der letzte. Der letzte große Wagen mit Volksnähe. Der war so groß wie ein großes Auto, ohne die irren Preise, die BMW für einen 3er oder Mercedes für die C-Klasse aufriefen. Und eine der geheimen Siegeszutaten war die verhältnismäßig überschaubare Technik. Große Teile, keine winzeligen Elektronikbauteilchen, die irgendwie noch nicht ganz ausgereift waren oder so. Der Omega B folgte dem klassischen Konzept – das schaffte Vertrauen; vor allem bei der Kenrzielgruppe.

sauberer Arbeitsplatz im MV6

Aber die Auto Motor Sport trichterte den Leuten ein, dass die Technik modern sein müsse und natürlich musste die Haptik stimmen…All das war in den Augen der Auto Motor und Sport beim Omega nicht mehr gegeben – aber Opel in Grund und Boden zu schreiben hatte sich zu dem Zeitpunkt bei Journalisten eh schon genetisch eingegraben.

Der Omega B hatte auch zunächst ein paar Probleme, die sein Image nicht gerade untermauerten – aber daran wäre er nicht gescheitert. Doch die Zeichen häuften sich bereits, die Bombeneinschläge kamen näher. 1998 fiel der Scorpio – und Ford überlegte phasenweise sogar, den Ford 500 nach Europa zu bringen, der vermutlich auch nichts gerettet hätte, der aber den Markt oberhalb des Mondeo besetzen sollte. Bald sollte auch der Toyota Camry fallen, der dem Konzept noch am nächsten kam. Ein paar freakige Newbies wagten sich heran – Hyundai mit dem Sonata etwa, später gar mit dem XG30. Puuhh… aber es war einfach zu spät. Als der Omega in sein letztes Facelift ging, behaupteten die Autozeitungen hier und da noch immer, dass sie schon seinen Nachfolger irgendwo gesichtet hätten, während die Premiumhersteller tiefer und tiefer in die klassischen Märkte der Brot- und Butter-Hersteller eindrangen – A-Klasse und Audi A2 schafften kurz vor der Jahrtausendwende ganz neuen Markenreichweiten (Na gut – im Falle des Audi nur theoretisch…).

Die Welt hatte sich verändert, die Gesellschaft hatte sich verändert. Als der Omega A erschien, war seine Kernzielgruppe noch eine, die vor dem Krieg geboren war, in den 30ern. Die Wirtschaftswunder-Generation. Im letzten Baujahr stammte die Wunschzielgruppe aus den frühen 60ern. Die Generation, die ihr gesamtes Erwachsenen-Leben von Birne regiert worden war, die Wende miterlebt hatte und den beginnenden Verlust der Mittelklasse. Ein gigantischer Schritt – nur der Omega, der hatte sich nicht so sehr verändert.

Rechnerisch schnitt der Omega dabei in den Zulassungszahlen gar nicht einmal so schlecht ab, wie man oft in der typischen Motorpresse lesen konnte – im Gegenteil: Bis 1999 verkaufte Opel stramme 130.000+ pro Jahr vom Omega B – das war alles andere als kritisch. Es war schlechter als früher, aber es hätte keine Einstellung des Modells bedeuten müssen.

Problematischer gestalteten sich andere Faktoren: Opel verdiente mit dem Omega B ab 1998 schon kein richtiges Geld mehr. Wie auch der späte Scorpio wurde der Wagen im Privatmarkt mit hohen Rabatten verkauft. Im Flottenmarkt, wo Opel noch einige zeit Geld verdient hatte, wollte den Opel aber plötzlich niemand mehr haben – da wollte man jetzt Audi, BMW und Mercedes, die heilig gesprochenen Deutschen Premium-Marken. Somit hatte Opel also bei seinem größten Modell sinkende Absatzzahlen – und die abgesetzen Fahrzeuge spielten kein rechtes Geld mehr ein…

Ab dem Jahr 1999 gibg es dann tatsächlich mit den Absatzzahlen stetig bergab für den Opel Omega B. Die Kombis fanden noch Freunde im Privatmarkt, die Limousine bei Traditionskäufern. Es gab tolle Ausstattungspakete zu ausgezeichneten Preisen, kleinere und mittlere Facelifts, deren Wert umstritten war. Und es gab tolle Motoren – wie etwa den 3,2 Liter V6 und den MV6 mit seine >200PS. Den kauften natürlich nicht mehr viele – der Omega war stets eher ein Modell der 2 Liter Klasse gewesen. Und ganz gleich, wie sehr man den Wagen mochte: Speziell die kleinsten Motoren klangen immer noch brummig, wie schon in den 60er Jahren im Rekord – das gestanden damals sogar Opel Händler ein.




2003 war dann schließlich Schluß mit dem Omega. Vor den Werksferien lief der letzte Omega vom Band und Opel verabschiedete sich aus der Klasse der großen Wagen. Natürlich kann man hier den Opel Signum anführen, der seine Qualitäten hatte. Auch die lagen jedoch nicht eben im gesteigerten Absatz…

Fährst Du den Opel Omega B heute, merkst Du, wie sehr er in die Jahre gekommen ist – im Guten wie im Schlechten. Er ist knorrig und brummig geblieben – selbst die radikalsten Sportversionen mit Leder, Klima und Bordcomputern. Er ist ein Opel Rekord geblieben, im Herzen.

Opel Omega B Kofferraum

Traditionelle Qualitäten: Omega B

Aber er ist berechenbar, ist der nette Kerl, ist offen und ehrlich. Technisch ist er sehr beherrschbar, Digitaltachos und ABS hin oder her. Der Omega liegt noch gut, er liegt ein wenig wie in den 80ern, aber gut. Der Omega B ist immer noch ein gutes Reise-Auto, Brummigkeit hin oder her. Fett, satt, schwer, groß – alte Qualitäten. Meiden muss man die Komplexität der Diesel-Motoren – der Rest ist wie gesagt ebenso berechenbar wie beherrschbar. Und: Günstig ist er zurzeit noch, zumindest die Exemplare um die Jahrtausend-Wende. Gepflegte Exemplare der frühen Serie, ob man es nun glaubt oder nicht, ziehen bei den Preisen tatsächlich schon an. Allem voran die Limousinen. Die Fangruppen und Foren häufen sich.

Wie schon bei manchen Vorgängern gilt dennoch: Schnapp ihn dir jetzt. Billiger wird er nicht mehr – und wenn Du jetzt nicht zuschlägst, dann kannst Du sicher sein, dass es wieder mal zu spät ist.




3 Gedanken zu „Der Letzte seiner Art: Youngtimer Opel Omega B

  1. Super geschrieben, mein Bruder hatte einen als Kombi als Übergangswagen 6 Monate Tüv keine 500 Euro und Rostiges Blech und ein Fahrwerk an der Verschleissgrenze.
    Er fuhr sich trotz seinen Macken super und das Wort Kombi konnte man noch Ernst nehmen. 6 Monate ohne Problem gefahren und dann aufgrund des Tüvs leider abgestoßen, hat er eigentlich nicht verdient gehabt. Ach Opel bei der Preisklasse etwas mehr Rostvorsorge und du würdest immer noch bei uns fahren.

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