Werkschau Peugeot: Die Youngtimer- und Oldtimer-Jahre

Als ich mir mein erstes Auto kaufen wollte, hatte ich tatsächlich einen Peugeot im Auge, wurde aber in aller Deutlichkeit aus der Reihen meiner (NRW-) Onkel gemahnt. Aus den bayerischen Reihen meiner Familie sowieso – aber die galten schon damals als nicht ganz objektiv…

Peugeot 404 Coupe

Peugeot 404 Coupé – ist der nicht irre schön? Felgen alles andere als Original, die stammen vom 505er

Wenn ich als kleiner Junge aus unserer damaligen Etagenwohnung auf die Strasse schaute, sah ich dort stets den Wagen des Gemischtwarenhändlers von schräg gegenüber – das vielleicht schönste Auto, das ich damals kannte: Einen Peugeot 404 als Coupé. Bei dem hätte niemand gewagt, zu behaupten, er sei kein qualitativ hochwertiges Auto – Jahre später sah das in der Deutschen Wahrnehmung anders aus.

Peugeot 104

Der 104 war nicht nur als Peugeot cool, sondern auch als Citroen und Talbot – auch in diesem Bereich war Peugeot vielen anderen Herstellern strategisch deutlich voraus

Wie bei so vielen Franzosen hatte sich die Legende vom Rost herumgesprochen und viele Elektro-Defekte machten die Runde. Im Rückblick möchte man meinen, dass Peugeot hier immer ein wenig mit in einen Strudel gerissen wurde, der primär von Talbot und Renault angetrieben wurde, die tatsächlich erhebliche Qualitätsprobleme hatten und Citroen, die ihre Komplexität nicht im Griff hatten, setzten einen oben drauf. Am Ende galt dann „mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen“ für die Franzosen in übergreifender Sippenhaft.

Peugeot baute in den 70er, 80er und 90er Jahren ein paar wirklich wunderschöne Autos, die nicht nur vielerorts als echte Statussymbole galten. Einige von ihnen waren auch coole Technologieträger, die in Deutschland oft übersehen wurden und andere zeigten Deutschen, was wirklich geht – beispielsweise im Bereich Kombis und Dieselmotoren. Oder gar: Kombis mit Dieselmotoren 😉

Tatsächlich war Peugeot das, was man heute wohl als Premium-Hersteller bezeichnet – man vergisst das heute beinahe ein wenig, das Peugeot sich – speziell aus deutscher Sicht – eher wie ein erfolgreicher Hersteller von Kleinwagen anfühlt.

Das ist in Frankreich oder Italien durchaus anders – und war auch in Deutschland tatsächlich mal anders. Der Peugeot 504, der in der Klasse des damaligen Mercedes /8 spielte, war ein Vorzeige-Erfolg. Bei ihm spielte Peugeot beispielsweise auch die Kombi-Karte aus – eine Karte, die Mercedes noch gar nicht in der Hand hatte. Peugeot baute den 504er dabei auf einer vor und hinter der Achse deutlich verlängerten Plattform, wodurch der Kombi nicht nur ein wenig mehr Stauraum hatte, sondern GROSS war. Darüber hinaus war vorsichtshalber auch das Fahrwerk auf höhere Belastung ausgelegt und schaffte je nach Ausstattung über 700KG Zuladung und nochmals mehr in Afrika, wo der Peugeot 504 ohnehin Legende war.

Einer der besten Kombis seiner Zeit – der Peugeot 505

Und dennoch war der Peugeot 504 eben kein klassischer Lastesel, wie damals vielleicht der Opel Rekord, sondern durchaus „nobel“ – oder mit welchem Schlagwort man damals auch immer das belegen wollte, was heute „premium“ heißt. Vom Peugeot 504 liefen fast 4 Millionen Stück vom Band – vom nochmals höher angesiedelten 604 jedoch nicht – der wurde eher handverlesen verteilt, auch wenn das nicht der Plan war.

Auch der 504er Nachfolger 505 war nicht mehr so erfolgreich. War der 504 also ein Einzelfall? Keinesfalls – 1983 kam der Peugeot 205 auf den Markt, der seinerseits den (zumindest in Deutschland) etwas glücklosen Vorgänger Peugeot 104 ablöste. Ob der nun ein riesiger Hit war oder nicht: Schaut man sich so einen Peugeot 104 einmal genau an, muss man ganz klar sagen: Der konnte schon was für ein Auto dieser Größe – da waren die Deutschen Mitbewerber weit weit dahinter, was die Nutzbarkeit des Innenraums anging. Da gab es Fünftürer und eine gescheite Heckklappe und einen Innenraum, auf den Polo-Fahrer neidisch waren – und zwar zurecht. Jenseits von Deutschland war der Wagen durchaus erfolgreich und wurde satte 16 Jahre gebaut, was bei Peugeot ohnehin eine gewisse Tradition hatte, die von Deutschen Autozeitungen oft kritisiert wurde.

Bonebreaker – Peugeot 205 im GTI-Dress – der erste Rivale

Der 205 setzte ein neues Maß: Nicht nur über 5 Millionen produzierter Einheiten – er war auch das neue Maß der Dinge im Bereich Design. Peugeot hatte eien Formensprache damit entwickelt, die anschließend im Peugeot 106, im 405, im 605 wieder aufgenommen wurde – jeder einzelne von denen alles andere als häßlich. Der Peugeot 306 stellte so etwas wie die zweite Evolutionsstufe des Designs dar – und Peugeot launchte den sehr selbstbewusst als „Der Rivale“ – was schon ziemlich cool war, aber wirkte.

Der 306 war zu der Zeit schon ein wirklich ernst zu nehmender Konkurrent des Golfs – wenn auch nicht immer unbedingt auf dem Deutschen Markt. In Ländern mit schwächerer eigener Automobil-Industrie wie etwa den Niederlanden, Finnland oder Belgien war der Wagen ein „Instant Hit“ – und mittelfristig auch in Schweden.

Selbst aus dem 309er leitete Peugeot eine Sportversion ab, die ihren Namen durchaus verdiente

Mit Ausnahmen und Serienstreuungen galten Peugeot zu dieser Zeit darüber hinaus wie gesagt als durchaus qualitativ hochwertige und zuverlässige Marke. Wie so viele hatte aber auch Peugeot in den 90ern Qualitätsprobleme. Peugeots blieben immerhin schöne Autos und solche mit guten Fahrwerken und erfolgreichen Sportversionen.

In der Phase der heutigen Youngtimer gab es darüber hinaus immer auch wieder tolle Technik. Der 405 war beispielsweise in einer sehr seltenen Allrad-Version zu haben, die in Deutschland kaum einer bemerkte. Später sollte Peugeot als erster Hersteller weltweit Hybridmodelle mit Dieselmotoren auf den Markt bringen, was als technisch gewagt bis unlösbar galt. Hätte Mercedes einen solchen gebaut, hätte die Auto Motor Sport dem eine Sonderausgabe gewidmet… Modelle wie der Peugeot RCZ setzten darüber hinaus visuelle Akzente, die selbst den Audi TT alt aussehen ließen, der stets als Design-Ikone galt.

Repräsentativ und doch knackig – 505er Limousine

Die GTIs vom 205er, 306er und 106er spielten teilweise in ihrer eigenen Klasse – speziell der 205er war günstig, leicht und stark motorisiert. Selbst beim 309 ging da was und der war als Beutekind aus der Talbo-Beziehung kein wirklicher Erfolg der Marke. Aber selbst hier waren die Sportler und die Diesel beliebt – einen Kombi stellte man von dem erst gar nicht zur Verfügung – der schaffte es tatsächlich nicht über den Prototypen hinaus.

Peugeot ist eine französische Dynastie im besten Wortsinne und gilt je nach Betrachtungsweise als die älteste Automarke der Welt. Ob das zur hinreichender Beachtung in Deutschland reicht? Scheinbar nicht. Und für die Oberklasse wollte es auch nie so recht reichen – aber hier holt Peugeot ja angeblich schon wieder zum Schlag aus.



7 Gedanken zu „Werkschau Peugeot: Die Youngtimer- und Oldtimer-Jahre

  1. Wunderbarer Beitrag über Peugeot Werkschau.

    Mein Vater kaufte im März 1995 sein letztes Fahrzeug.

    Das Sondermodell Peugeot 405 II, 2.0 i Signature.

    2011 hörte er Auto zu fahren und ich übernahm es. Rostfrei ist das Fahrzeug. Fuhr das Fahrzeug bis
    2012. Dann habe ich es still gelegt, da ich zu viele Fshrzeuge haben.

    Seit 10.08.2017 fahr ich das rostfreie Fahrzeug.
    Hier wäre die Geschichte.

    https://jpwuethrich.wordpress.com/2015/09/23/peugeot-405-ii-2-0-i-singnature-jg-1995-automat/

  2. Hallo. Mal ein toller Artikel.
    Ich fuhr leider nie einen Peugeot, aber dafür 2 Citroen ZX, Xantia Activa’s und 2 Evasions. Der Citroen Xantia Activa Tct war neben dem Golf 2 GTI G60 mein Lieblingsauto das sich fest in meinem Gehirn festgefressen hat. Der G60 wegem dem Staubsaugertob, der Activa wegen dem Sexy Design und dem tollen Fahrwerk! Leider waren beide Activa’s sehr sensible und Störanfällig. Aber Citroën war im Gegensatz zu VW sehr kulant. Einen G60 fahre ich seit 2 Jahren wieder. Wenn ich Platz und Geld hätte würde ich mich sehr um einen 205 GTI bemühen, der ja unbemerkt fast in der gleichen Preisspanne mit dem Einser GTI von VW angekommen ist. Auch schaue ich immer noch jedem Xantia nach … Auch finden ich den MI 16v dem sportmodell vom 405 sehr cool . Und der ist mittlerweile selten! Wie hat VW den Van von peugeot runtergespiehlt und jetzt seit Jahren ne verbesserte Kopie des 807 im programm und verkauft Ihn vor allem als Seat sehr gut (Schweiz) habe auch einen weil PSA verschafen hat den Eurovan weiterzuentwickeln! Schade … den bitter muss ich wingestehen, dass VW immer noch sehr Arrogant ist in sachen Kulanz. Das mit dem Diesel finde ich ja nicht so Schlimm aber die Probleme mit den TSI Motoren, krass …. Aber ich bin sehr Fan von . Einen schönen Calibra oder einen Sierra Cossworth oder eine Diva von Lancia delta integrale oder der Urquattro. Das sind noch Auto’s die man fühlt. Meinen Seat Alhambra 1.4 TSI fühlt man ja kaum mehr … Der Motor ist so leise, alles geht wie Butter … Wenn das Kettenrasswön nicht wäre aber die Toleranz ist ja nun auf ca 4 Sekunden wehöht worden. Komisch ist die Tatsache, dass wir bis anhin mit dem Longlife Öl vom importeur immer Ölverlust hatten und durch einen kleinen Fehler meines EX Schwiegervaters einen kleinen service mit Ölwechsel bei seiner Opelgarage deren Longlifeöl bekamen und ich nun mehr als 12000 km keinen tropfen nachgeben musste … Habe den Wagen wegen den kinder aus der Hinterlassenschaft meiner verstorbenen EX frau zurückgekauft und habe ne Perle von einem sharan 15 jahre 70000 km 1.8t Rostfrei! Fast verschenken müssen. Das ist für mich der motor aus dem VW Regal. Der nachfolger 1.8 TSI fuhren auch 2 in unserer Familiensind absolutscheisse mit dem verkoksenden zylinder/kolben. Aber alles Toleranz. Den Audi meiner Schwester haben wir mit 110000 km verkauft mit einem Ölverbrauch der ab 90000 massiv in die höhe ging. 1 L 2000 km. Am Anfang musste sie ab 10000 km nen Liter auffüllen. Der gleiche Motor ist im Skoda meines Papas drin aber das auto überlebt meinen Papa der wird nicht mehr lange selber fahren ….

    1. Ebenfalls vielen Dank für diesen Artikel.

      Ich habe von 1995 bis 2001 einen Peugeot 309 Diesel (BJ 1990) gefahren. Gekauft mit ca. 70tkm und dann mit knapp 240tkm wieder verkauft. Der 309 lief in der Zeit fast vollkommen problemlos, lediglich zwei Antriebswellen mussten gewechselt werden. Beim Verkauf der 309 immer noch rostfrei.

      Der 64 PS-Saugdieselmotor des 309 war dem 54 PS VW-Diesel haushoch überlegen: Die Laufruhe des Peugeotdiesel war viel viel besser als die des VW-Diesels, der Verbrauch mit durchschnittlich 5,5 Litern sehr sparsam, und zusammen mit der aerodynamisch recht günstigen Karosserie des 309 konnte man auf der Autobahn sogar die 70PS Golf II Turbodiesel, wenn auch mühsam, abziehen.

      Die Qualitäten des Peugeot-Diesels wurden aber damals auch in der deutschen Autopresse gewürdigt. Ein Citroen BX mit dem gleichen Motor hat meiner Erinnerung nach damals sogar einen Test gegen den Audi 80 gewonnen, weil die Motorqualitäten denen des VW-Diesel so hoch überlegen waren.

      Einfach ein tolles Auto, der 309 Diesel.

      1. Der BX als Diesel war auch wirklich ein Killer – in unserer kollektiven Erinnerung der erste Whow!Diesel – speziell eben auch in der Kombination mit dem BX-Fahrwerk

  3. Toll geschrieben, sexy Fotos! 🙂

    Als Ex-Benzfahrer bin ich vor knapp 2 Jahren über einen ’93er 106 gestolpert, weil ich was Billiges zum Pendeln brauchte. 45PS, 4 Gänge und kein Gewicht. Hat irre Laune gemacht, das Teil über die Landstraßen zu pflügen. Erst recht, nachdem der Krümmer einen kleinen Riss hatte 😀 Sogar die Sitze haben mit nach einer viertel Million Kilometer auch auf Langstrecken keine Rückenschmerzen bereitet.
    Dem folgte ein ’01er 106 Filou mit 60PS, der dieses Jahr einem 75PS starken, miamiblauen 205 Winner weichen musste. Den geb ich nicht mehr her!

    1. Volle Zustimmung 🙂
      Habe das Autofahren mit Mutters 106 begonnen. Macht heute noch mächtig Spass mit seinen 60PS, wenn ich den noch ab und an bewege.
      Inzwischen bin ich aber auch auf was Miamiblaues umgestiegen: 309 GTI16

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