Gebt uns mehr: Die Ungeliebten 2017

„Erwachsene Männer sehen in Kleinwagen doch bescheuert aus“

Meine Oma, irgendwann in den 80ern

„Frauen stehen auf Männer, die kein großes Auto brauchen.“

Brigitte, 1991, wenn ich mich recht erinnere

Die Feststellung meiner Oma kam sehr aus dem Bauch heraus, als sie unseren Nachbarn in einem Seat Fura sah – Das Zitat der Brigitte stammte aus einer dieser „Der neue Mann“ Nummern, die dort in regelmäßigen Abständen gefahren werden.

Hightower Honda

Moses Hightower baute in „Police Academy“ den Fahrersitz aus und lenkte den Wagen von der Rückbank aus. So sahen viele Leute damals Kleinwagen

Verzweifelter Boulevard-Journalismus vielleicht – aber in der Zeit war da was dran. Der Macho war ein wenig durch, die Capris wurden nicht mehr gebaut, Themen wie Verbrauch hatten sich in den Köpfen eingebrannt, die Grünen waren auf dem Weg zu dem, was man „eine etablierte Partei“ nennt. Es hatte sich etwas getan in der Wahrnehmung der Kleinwagen – die Ungeliebten, wie wir sie mal beschrieben haben.

Nicht unbeliebt, das waren sie nie – aber sie wurden eben nie mit der Liebe gepflegt und erhalten wie ein W126er Youngtimer oder ähnliche, weil ihre Biographie das oft nicht hergab.

Dennoch sind die Reaktionen auf die „Ungeliebten“ sehr liebevoll. Für viele nämlich waren sie auch die „Begehrten“ – die Art Autos, die Du dir vielleicht als erstes Auto leisten kannst, auf die du hin arbeitest und hin bettelst. Oder die Art Autos, die deine Mama dir Freitag Abend leiht, während Papas großer BMW Tabu bleibt.

Fiesta 89

Die Kleinwagen wurden größer und erhielten eine deutlich höhere gesellschaftliche Akzeptanz

Und so malt die Erinnerung hier oft mit goldenem Pinsel. Der legendäre Schottland Urlaub im Fiat Panda… Schweden im Renault 5 – zur viert! Was für Zeiten…

Und so verbindet viele Menschen viel mehr mit dem „Ungeliebten“ als mit späteren Fahrzeugen. Jedoch: Unsere Beobachtung ist auch, dass man sich dieses Auto selten zurückholt. Vielmehr sind es die Autos der Eltern, die man später als Youngtimer oder Oldtimer kauft, während die Kleinwagen oft die Geschmähten sind und dann irgendwo zu Unrecht auf einem Schrottplatz enden.

Renault Clio am Ende

leider haben wir auch wieder viel zu viele Geschichten gesehen, die so endeten

In Zeiten der Abwrackprämie hatten Kleinwagen mal ein Hoch – und in Ländern wie Italien, Frankreich oder Spanien spielen sie eine ganze andere Rolle. Nach all dem Feedback, das wir hier von Euch bekommen haben, gab es aber auch sehr viele konkrete Bitten, sich einmal der Kleinwagen anzunehmen, die zur nächsten Generation der Ungeliebten gehören – und als wir da die erste Liste gemacht haben, ging uns mal wieder auf: das sind tatsächlich eine ganze Menge.

Also sind wir losgezogen und haben in den letzten Monaten viel Zeit damit verbracht, die neuen Ungeliebten herauszuarbeiten. Und das war doch eine ganze schöne sentimental Journey für einige von uns…





BTW: das ist der unfassbare Post Nummer 100 dieses Jahr 🙂

3 Gedanken zu „Gebt uns mehr: Die Ungeliebten 2017

  1. “Mann fährt Kleinwagen, um großen Penis zu kompensieren”
    -Der Postillon, 2012

    Natürlich Satire, aber spätestens seit der Neuauflage des Mini zählen diverse Kleinwagen im Mainstream zu geliebten und “coolen” Autos. Selbst für den Schlag Mensch, der sich im Twingo nie sehen lassen würde.
    Zu den absolut ungeliebtesten der Verbrauchsautos dürfte der Daewoo Matiz zählen. Wer mal einen gefahren ist, wird wissen warum… Hyundai Atos, Opel Agila, Suzuki Baleno, Kia Pride und der Cityrover dürften ebenfalls bald verschwunden sein. Letzterer hat im Grunde nie stattgefunden, nicht einmal in England.

  2. Tja, als bekennender Freund des weiblichen Wesens im Allgemeinen und auch Beobachter dieser Gattung in mitreisenden Gefährten, verwirrt mich in den letzten Jahren Folgendes zunehmend:

    Immer, wenn ich versuche einen Blick auf die vermeintlich gutaussehende “Geschöpfin” im (klischeehaft besetzten) Kleinwagen neben mir zu ergattern, bietet sich mir das erschreckende Bild eines vollbärtigen Hipsters oder (besonders in angesagten Kleinstwagen) eines “Business”- bzw. “Creativagentur”-Angestellten höherer Ebene.
    Die bevorzugten Fortbewegungsmittel des weiblichen Geschlechts scheinen mittlerweile große SUVs (je unhandlicher, desto besser) oder absolut gesichtslose Vertreterkarren der Gattung V.A.G., BMW oder Daimler zu sein.

    Wo ist denn der vielgepriesene Geschmack geblieben? Vorbei die Zeit schöner Frauen in kleinen knuffigen Flitzern?

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