Another one bites the dust: Scirocco

mit dem großen ersten Wurf von Giorgetto Giugiaro fing alles an – im Grunde erstaunlich nah am Serienmodell, vielleicht ein wenig zu viel Passat drin – aber dennoch: Ein großer Wurf. Und nun stelle man sich kurz den barocken Vorgänger Karman Ghia daneben vor…

Mit dem Kürzel „Typ53“ fangen VW Fans oftmals nichts an – dabei handelte es sich beim Typ53 um einen der cooleren Volkswagen, nämlich den Scirocco I.

Der machte mal kräftig Wirbel – und auch sein Nachfolger Typ53b, war ein Hit in Deutschland, obwohl die Welt sich da schon änderte. Seinen dritten Aufguss, den Scirocco III, hat Volkswagen dieser Tage heimlich still und leise aus dem Konfigurator entfernt – nachdem kürzlich bereits ein weiterer Klassiker auf derselben Plattform verstorben war: Der Jetta.

Als der Scirocco III im Jahre 2008/2009 auf den Markt kam, waren die bürgerlichen Coupés eigentlich schon tot und man musste sich schon ein wenig wundern, dass VW glaubte, diese Nische wieder besetzen zu können.

Nein nein…. das sah nie recht sportlich aus. Der Scirocco der 70er, 80er und 90er Jahre war drahtig – der Scirocco der Gegenwart hatte einen drallen Hintern – aber eben nicht vom Typ Jaylo, sondern eher vom Typ „schlecht trainiert“

1974, als der erste Scirocco erschien, da war der für Volkswagen-Verhältnisse tatsächlich regelrecht wild. Giorgetto Giugiaro hatte den Wagen mit italienischem Feuer designed – und in der ihm ganz eigenen Formsprache einen Wagen geschaffen, der surch seine Schlichte Klarheit und Keilform Emotionen weckte. Der Scirocco 3 hingegen wirkte stets ein wenig, als hättest du einen dieser Riesen aus Clash of Clans gebeten, einmal feste auf den Golf zu hauen, damit er ein wenig flacher wird – und dabei entstand dann aufgrund der Massenträgheit dieser dicke Hintern, der den Scirocco II in den letzten Jahren prägte.

Scirocco III

Von vorne geht’s – vor allem in Viper Grün – aber sieht der aus wie ein Sportwagen oder eher wie ein Kleinwagen mit einem dicken Hintern….?

Rückblickend ist es ein Wunder, dass VW den Wagen überhaupt so lange im Programm behielt und vermutlich nur dadurch zu erklären, dass es auf der Plattform ausreichend einfach ist, den Wagen zu erhalten. Abgesehen nämlich vom ersten vollen Verkaufsjahr, in dem Volkswagen auf dem Deutschen Markt einmal 16.000 Stück des Coupés mit dem historischen Namen absetzen konnte, blieb der Scirocco nicht nur weit hinter diesen Absatzzahlen zurück. Er machte auch dadurch ungewollte Schlagzeilen, dass er zu den Modellen mit der höchsten Quote an Eigenzulassungen gehörte – sprich: VW Händler kauften den Wagen, um ihn als Vorführwagen unter Preis verkaufen konnten. Und man ahnt: Das taten sie traditionell nicht ganz freiwillig.

Volkswagen Scirocco II

Die Linie der 80er hielt bis über den Corrado hinaus. Satte 11 Jahre baute VW den Scirocco II – obwohl der auch bereits hinter den Erwartungen zurück blieb, die der erste Scirocco gesetzt hatte. Sondermodelle wie der ewige „Scala“ hielten den Wagen attraktiv. Sein geringes Gewicht machte ihn sparsam

Nun aber sieht VW ein, dass die Zeit gekommen ist und stellt den Wagen ein. Die angepeilte Zielgruppe kaufte lieber Astra GTC, Seat FR und Cupra-Versionen oder eben den Plattform-Bruder als GTI – allen diesen Mitbewerbern ist gemein, dass sie praktischer sind, sich leichter wieder verkaufen lassen und oftmals sogar besser aussehen, während das bei Scirocco I und Scirocco II stets das wichtigste Verkaufsargument neben der Sportlichkeit war und der Scirocco auch dadurch den höchsten Anteil weiblicher Käufer gewinnen konnte. Auch das gelang dem aktuellen Modell nicht mehr, gelang schon dem Corrado in den 90ern nicht.

Im Rückblick also im Grunde ein Wunder, dass der Scirocco 3 überhaupt entstanden und dann auch noch so lange am Markt geblieben ist. Und da haben wir auch keinen einzigen melancholischen Moment des Hinterhertrauerns: Der letzte Scirocco war so wenig Scirocco wie möglich. Der war nicht leicht, nicht knackig – von dem, was wir gerne an einem Scirocco mochten, war da nicht viel übrig.

Die Tatsache, dass VW-Obere sich mit Gedankenspielen zu einem E-Scirocco in ein paar Jahren zitieren lassen… die mögen wir gar nicht recht kommentieren…



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