Opel Monza – ein moralischer Sieg

Von hinten immer noch einigermaßen respekteinflößend: Opel Monza A

Dieser Tage fuhren wir mit einem Mietwagen (BMW 420D, alles andere als untermotorisiert) gen München. Kurz unterhalb der Holledau mit gut 180KM/H, als plötzlich wie aus dem Nichts Lichter im Rückspiegel auftauchten. Du ziehst vernunftbegabt zur Seite – und dann überholt dich…

….ein Opel Monza.

Hä? Nicht nur, dass man den heute immer seltener sieht – der fuhr mit echten 220+ weiter und wir gaben uns keine Mühe dran zu bleiben. Wir haben keine Erinnerung an einen Monza, der seriemäßig so schnell gewesen wäre…

Opel Monza: Mut bei Hersteller und Käufern

Opel Monza A rot

fetzig – heute findest Du den bei keinem Händler mehr

Auch, wenn er keine 220 und mehr fuhr: Als der Opel Monza präsentiert wurde, war er einer der ganz schnellen im Lande und durfte bei den Erwachsenen am Tisch sitzen – und das sehr zurecht. Ganz gleich, wie die Geschichte über Senator und Monza geurteilt haben sollten: Der Monza war ein mutiges Auto. Was gab es sonst so mit 3 Litern und 180PS für die Zielgruppe derer, die sich ein solches Auto leisten konnten in den 70ern?

Genau: Da gab es Autos wie den C123 von Mercedes. Vielleicht noch ein Coupé von BMW. Das Audi Coupé ist rückblickend scharf – aber Audi war noch nicht so weit – und ausserdem war in Ingolstadt bei 115PS Schluss. Opel klatschte den Monza auf die Theke – und der hatte satte 3 Liter, hatte stattliche Sechs Zylinder unter der Haube und konnte mit 180PS dicke Backen machen – und zwar nicht zu knapp.

Und er hatte etwas ganz besonderes: Eine Heckklappe. Während BMW und Mercedes mit klassischem Limousinen-Zuschnitt und 2 langen Türen daherkamen, konnte der Monza eben auch zwei Bobtails und Deine Golf-Sachen wegstecken, wie uns das wohl bekannteste Werbe-Bild der Opel Monza wenig subtil aufs Auge drückte.

Reichte das denn nicht?

Opel Monza A innen

Velours in schrägen Farben – aber nicht vorschnell urteilen: Das gab es bei Daimler zu der Zeit auch

Etwas mehr als 40.000 Stück konnte Opel vom Monza unter die Leute bringen. Und da war der Deutsche Markt natürlich in der Größe erst einmal stark – im Verhältnis jedoch schätzten Länder wie die Schweiz oder die Niederlande den Wagen deutlich mehr. Die Schweizer gönnte sich gerne die dicke Maschine – und tatsächlich war der große Drei Liter Monza das wichtigste Modell über die 8 Jahre seines Lebens. Tatsächlich nämlich kauften eben jene den Monza, die sich durchaus mehr hätten leisten können – und dann gönnte man sich hier eben etwas. Opel verpasste die Chance eines Cabrios, auch wenn es einige Umbauten gibt. Aber das hätte den Wagen noch einmal ein ganzes Stück weiter gebracht.

Dennoch: Beim angestrebten Image war Opel nicht ganz sauber aufgestellt. Zu vieles im Opel Monza (ob A oder A2) war einfach zu sehr aus dem Regal genommen, fühlte sich arg nach Opel Rekord an. Wenn Du dann die Wahl hattest und dich in einen BMW 628 setztest… puuuh – da kam so ein Monza, ganz gleich, wie cool der von außen war, schon ein bisserl schwächlich rüber. So repräsentativ wie der 6er war der einfach nicht. Und hier rächt es sich dann wieder, dass die Zielgruppe kaufkräftig war: Den 6er konnten die sich nämlich auch leisten…

Ein Opel-Händler, der heute schon nicht mehr lebt, hat uns mal erzählt, dass der Monza auch noch ein ganz anderes Problem hatte. Die Käufer kamen tatsächlich von anderen Marken – aber eben nicht so, dass sie in der Opel-Familie angekommen wären. Sie kauften vielleicht einen Monza, aber sie nahmen nichts anderes mit. Die Aufsteiger aus dem Opel-Programm, die beispielsweise vorher einen Manta gefahren hätten, gab es nicht.

Dennoch musste der Monza teuer beworben werden und als Händler musstest Du einen Vorführwagen haben – auch wenn Du vielleicht nur 2 Monza im Jahr verkaufen konntest, wenn überhaupt….

Und da sagte man dann auch schon in den 80er Jahren „Das rechnet sich nicht“. Und so starb der Monza recht unbeweint mit dem Erscheinen des Opel Omega A.

Opel Monza: Geiles Gerät

Jeder, der das Glück hatte, einmal Monza zu fahren, erinnert sich an ihn als einen schnellen, beinahe rassigen Wagen, der zwar etwas leicht brummiges hatte, aber eine unglaublich präsente Kraft eines kernig laufenden Motors. Der war sonor und oben herum beinahe fordernd – das hatte schon was. Dagegen war ein 230C maximal unemotional und langweilig (obwohl er natürlich die geilere Schaltkulisse hatte). Interessant daran: Wedelst Du um Pylonen und kurven mit dem Opel Monza, dann sagen die Messwerte, dass der gar nicht so viel besser abschneidet als ein Rekord E. Das sagt uns mehrerlei: 1. Der Rekord E lag auch ziemlich gut auf der Strasse 2. Psychologie spielt hier eine Rolle 3. Der Monza schafft es, dem Fahrer seine Straßenlage besser zu vermitteln als der Rekord. Und letzteres ist ein ganz wichtiges Thema. Tatsächlich ist der grob wirkende Monza ein wirklich gut abgestimmtes Autos mit weit mehr Langstrecken-Qualitäten, als ihm die Mercedes-Fraktion zugetraut hat.

Monza und Senator waren innen doch sehr Rekord E

Tatsächlich hatten Senator und Monza auch oft ziemliche Rekord-Laufleistungen – „BAB“-Kilometer, wie man damals noch in gedruckten Kleinanzeigen lesen konnte 😉
Hier fühlte sich der Monza wohl, weit mehr als auf der Königsallee, wo er zudem gerade mit dem 3 Liter Motor auch durch hohe Verbräuche auffiel, die man ihm auf der Autobahn nicht nachsagen konnte.

Der Monza war einer der letzten bürgerlichen Träume – und einer dieser mentalen Sieger: Ford hatte nichts vergleichbares im Programm – und die Keil-Linie samt Heckklappe blieb auch eine (löbliche) Ausnahme-Erscheinung, von der wir gerne mehr gesehen hätten.




7 Gedanken zu „Opel Monza – ein moralischer Sieg

  1. Er war einfach ein tolles​Auto, bloß die Höchstgeschwindigkeit habt ihr leicht untertrieben! Meiner lief mit über 300 000km auf der Uhr echte 232 kmh! Und im Laderaum konnte man sogar ( z.b.am Nürburgring) relativ bequem auch mit 1,82m Körpergröße übernachten…

  2. Zu größeren Coupés der 70er fiele mir noch die westliche und südliche Nachbarschaft ein: Peugeot 504, Lancia Gamma und Alfa GTV. – Allesamt nicht mit 180 PS, aber stattliche Fahrzeuge und als Peugeot und Alfa auch keine ganz unbedeutende Konkurrenz.
    Der Monza ist in seiner Mischung aus Form, Motorisierung und Herkunft ein großartiges und reizvolles Fahrzeug.

  3. Ich habe zur Neuvorstellung bei OPEL gearbeitet. Speziel auf Monza / Senator, einschliesslich Hol- & Bringservice. Mein Chef fuhr mehrere und verunglückte tödlich in einem A1 3,0 E in Rot mit schwarzer Velurausstattung. Ich fahre seit 2003 einen A2 (Nebenbei bemerkt, einen Monza “B”, wie im Text beschrieben, gab es nie!) als “Ganzjahreswagen”! In allen 4 Jahreszeiten, denn ich habe kein weiteres Fahrzeug. Immer noch im originalen Werkslack, ungeschweisst mit inzw. 235.000 km. Es kommt mir auch kein anderes, gar Moderneres mehr ins Haus, Mehr zum Thema: “Monza / Senator” auf meiner Internetseite http://www.monza-senator-forum.eu

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