Die Ungeliebten: Renault Clio Typ57

Wir haben den Renault Clio zunächst verpasst. In der Zeit, als der erschien, interessierte sich niemand von uns für neue Autos – und wenn, dann mal ganz sicher nicht für Kleinwagen…

Renault Twingo 93

Vorzeige-Kleinwagen?

Uns fiel der erst so richtig auf, als die ersten den als Winterauto entdeckten – das wird so 98 gewesen sein – und da wurde er gerade von seinem Nachfolger abgelöst und die letzten Neuen zu faszinierenden Leasing-Konditionen abgestossen.

Wie alt der Clio tatsächlich ist, wird einem erst so richtig klar, wenn man sich auf der Zunge zergehen lässt, dass der langsamste Clio mit 142 KM/H Höchstgeschwindigkeit angegeben war – so etwas findet man heute wirklich nicht mehr.

Renault Clio innen

Mega-selten: Baccara-Leder-Ausstattung mit ausgezeichneten Sitzen – damals in Kleinwagen die radikale Ausnahme

In vielerlei Hinsicht war der Clio ein wichtiger Kleinwagen. Schon sein Vorgänger Renault R5 war ein Auto mit einem beachtlichen Innenraum gewesen. Der Clio folgte kurz auf den Ford Fiesta 89 und bot einen nicht ganz vergleichbaren Innenraum – aber einen, der ebenso klar aus der damaligen Klasse herausragte. Mit Autos wie diesem verloren die Autos dieser Klasse ihr Kleinwagen-Image. Später sollte dann der „Clio Cup“ dafür sorgen, dass Väter, die Autos für ihre Töchter kauften, den Wagen auch ernst genug nahmen…. Funktionierte in Deutschland nur mittelgut.

Klar war aber in viele Ländern: Der Verkauf des Clio nagte am Modell eine Nummer darüber, dem Renault 19. Gerade in südlichen Ländern, wo die Größenverhältnisse bei Autos gänzlich anderes gelagert sind, erschien der Clio vielen Käufern vollkommen ausreichend zu sein. Tatsächlich verhinderte das den Clio Kombi in den frühen 90ern, der erst 2008 dazu kommen sollte.

Renault Clio rot

Alles andere als hässlicb aber bei weitem nicht mehr mit so einer Unverwechselbarkeit gesegnet wie der Vorgänger. Die meisten Clios, die man heute findet, haben reparierte Dichtigkeitsmängel. Clio in Garagen waren eher die Ausnahme

Der Clio galt jedoch nicht nur als Auto mit großem Innenraum – er galt auch sehr schnell als ein Auto mit großen Problemen. Im ADAC Gebrauchtwagenspecial von 2000 – da waren die ältesten Clios kaum 9 Jahre alt – hieß es: […] Schlusslicht seiner Klasse. Undichtigkeiten sind ein großes Problem bei dem kleinen Franzosen. Überall, wo an der Karosserie Wasser eindringen kann, tut es das auch […]“

Mit diesem Thema hatten auch Erstbesitzer bei pfleglichem Umgang zu tun – in einer Art und Weise, die kritisch war. Magnetschalter, Batterien, Kabel – das meiste, wo Strom durch floss, war beim Renault Clio der ersten Generation sehr unangenehm anfällig – und das jenseits aller Stammtisch-Klischees: Nicht nur, dass der Wagen oft liegen blieb – er neigte auch zu übermäßig teuren Reparaturen für diese Fahrzeugklasse, was ihn dann zu allem Überfluss sehr billig werden ließ… In Großbritannien erhielt er den finalen Genickschlag vom Reliability-Report 1999, die die durchschnittlich anfallenden Reparaturkosten der Garantieversicherung messen.

Renault Clio 91 innen

Norm-Clio – aufgeräumt und luftig. Die Sitze sehen nicht so aus, sind aber sehr bequem für Personen bis 1,80

Deren wenig charmantes Resümee lautete „amongst the most expensive cars to run – even counting in executive cars like the BMW 3 series or the Audi A4“. Vielleicht auch einer der Gründe, warum Besitzumschreibungen beim Renault Clio signifikant häufiger vorkamen als bei Fiesta oder Corsa.

Kein Wunder also, dass Renault sich in dieser Zeit in Deutschland in Probleme manövrierte und viele begeistert zu anderen Marken überliefen. Viele Renault-Familien fuhren in der Zeit den Clio, gepaart mit dem Laguna oder dem Espace – beide zum Teil ähnlich lausig in ihrer Zuverlässigkeit wie der Clio – und noch teurer zu reparieren.

Zweitürig war beim Clio natürlich noch möglich

Der Clio erfreute sich dennoch einer gewissen Beliebtheit – primär bei jungen Frauen. Und das konzeptionell unzweifelhaft zurecht. Der Wagen war konzeptionell ein guter Kleinwagen und passt eben auch in Lücken, in die ein größeres Auto nicht mehr so recht rein wollte. Dass der Wagen zudem übersichtlich war – speziell vorne mit seinen luftig geschnittenen Armaturen – und sogar einigermaßen leise, qualifizierte ihn für die Stadt ebenso wie für die Langstrecke. Mehr jedenfalls als etwa einen Polo 86c, der in der ersten Hälfte des Clio-Lebens in Deutschland ja noch als das Maß der Dinge galt. Ein Wagen, den man nicht einmal mit 4 Türen bekam – was beim Clio kein Problem darstellte und auch schon bei seinem legendären Vorgänger problemlos möglich gewesen war.

Den Platz des legendären Vorgängers R5 konnte der Clio damals nie recht einnehmen. Vielleicht war er dazu tatsächlich zu normal und formal zu durchschnittlich. Der Renault R5 hatte eine unverwechselbare Linie gehabt – das konnte man dem ersten Clio wirklich nicht nachsagen…

Renault 5 GT

Der war auf seine Weise schon richtig cool. Eine unglaublich klare Linie legte der Renault 5 schon von Beginn an an den Tag – geprägt vom schier brutal langen Radstand für ein Autos dieser Klasse – da begriffen die Franzosen weit früher als die Deutschen. Und das half nicht nur beim Komfort – es verlieh speziell den sportlichen Renault 5 einen Klaren Vorteil in berechenbarer Strassenlage

Die späteren Clios waren technisch weit besser – vor allem im Bereich der Zuverlässigkeit, der Verarbeitung und des Korrosionsschutzes. Wie bei vielen Kleinwagen ist das Angebot daher eher übersichtlich auf dem Deutschen Gebrauchtwagenmarkt, beim Clio sicherlich noch etwas kleiner als bei anderen. Gepflegte Exemplare sind am Markt praktisch unbekannt. Einzige Ausnahme bilden hier die krassen Sportversionen, wie so oft – allem voran die raren Williams-Modelle oder hier und da mal ein Baccara-Modell. In Frankreich sieht das anders aus, da gibt es sogar Clubs, was in Frankreich weit weniger üblich ist als bei uns – aber dort mochte man den Clio mehr als hier, wo ihm neben seinen Problemen bei der Zuverlässigkeit, die man auch in Frankreich anerkannte, stets auch ein Touch von etwas femininem anhing. Männer kauften daher vorsorglich lieber Corsa oder Fiesta oder besser gleich Golf.

Der Clio leidet wie die meisten „ungeliebten“ daran, dass ihn keiner recht erhalten wollte, dass er von der Mutter in die Hand des Sohnes glitt und dort nicht gewartet wurde und all jene Kleinwagen-Probleme – und das gepaart mit Substanz-Problemen wie eben der Undichtigkeit. Fährst Du nicht mit einem wirklich krassen Sportmodell irgendwo vor, schaut keiner nach einem Renault Twingo. Ausnahme: Die seltenen Cabrio-Umbauten.

Die jedoch sind nicht nur fummelig zu handhaben, sondern auch der Garant für Rost und zudem nicht klug genug verstärkt. Fahrspaß ist anders.



1 Gedanke zu „Die Ungeliebten: Renault Clio Typ57

  1. Der Clio war mein erstes Auto, zu Zeiten der Abwrackprämie für teure 800€ in miesem Pflegezustend mit frisch getürktem TÜV gekauft. Ich hatte viele Probleme mit dem Auto. Angefangen bei der ausgeschlagenen und extrem schwergängigen Lenkung ohne Servo über einen 2x abgefallenen Auspuff bis zum Motor, der gegen Ende seines Lebens mehr Öl als Benzin brauchte. Ans Ziel gebracht hat er mich immer. Aber das gilt auch für den BMW E36, der auf den Clio folgte und Summa Summarum im Unterhalt nicht teurer war.
    Heute fahre ich Peugeot 205 und Twingo. Die 205er und 106er Peugeots bieten signifikant mehr Fahrspaß, leichtere und direktere Lenkungen ohne Servo und lebendigere Motoren. Der Twingo wiederum hat den luftigeren und flexibleren Innenraum. In Anbetracht dieser Konkurrenz spricht wenig für den Clio.

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