Qualität und die letzte Meile der Mechanik

Wenn uns Leute schreiben zum Thema Tuning und Ersatzteile, dann bezieht sich das im Regelfall auf dickere Räder, andere Federn und diese Dinge… Im Zuge der Diskussion ums Langzeitautos erreichte uns kürzlich mal eine sehr nette Mail aus Schweden.

Da schilderte uns jemand, wie er seinen Toyota 4Runner zunächst nur hier und da reparieren wollte, dann jedoch angefangen hat, den Wagen tatsächlich zu verbessern.

  • Da gibt es im Toyota Regal die Tür-Scharniere nach Heavy Duty Standard, die das originale Modell in Deutschland nie hatte.
  • Da gibt es das Getriebe nach Militärstandard, das man zwar nicht mehr im offiziellen Ersatzteilkatalog findet, auf Nachfrage aber schon
  • Da gibt es Ersatz für Pendelrollenlager von Profis im Aftersales, die die Haltbarkeit nachhaltig steigern, gerade im etwas kernigeren Einsatz
  • Da gibt es Kupplungen, die extra für den Anhängerbetrieb konzipiert hat, die einer höhere Belastung gewachsen sind

Interessante Erkenntnis: Die weit haltbarere Qualität kostet nicht weit mehr Geld – keine neue Erkenntnis vom Grundsatz her – aber gerade im Bereich Ersatzteile schon irgendwie schräg. Unser Freund Gerhard sagt das ganz klar: „Es sind die letzten Cents, die den Unterschied machen. Soll ein 20.000€ Auto doppelt so lang halten, kostet es nicht 40.000€, sondern eher 24-27.000€ – und für 22.000 hättest Du bereits alle neuralgischen Punkte so sehr verstärkt, dass die Welt eine andere wäre…“

Aufgeschäumte Kunststoffe im Innenraum sehen vielleicht wertig aus – Langzeit-Komponenten unter dem Blech sind es

Gerade im Bereich der Lager und Gelenke ließe sich hier viel erreichen. Und da tritt dann im Bereich des Langzeitautos ein Effekt ein, den wir auch im Hinblick auf die Umwelt spannend finden. Während die Welt sich Gedanken um die Ökobilanz der direkten Abgase macht, ist die der wichtigere Teil der Gesamt-Bilanz im Grunde die Frage: Wann muss ich ein Auto wegwerfen? Schließlich braucht ein neues Auto zig Jahre und hunderttausende von Kilometern, bis die investierte Produktionsenergie durch geringere Verbräuche überkompensiert wird.

Fotografisch richtete Hyundai sich an die große weite Welt des internationalen Managements – die kauften natürlich in Deutschland weiter Mercedes, Audi und BMW – hier galt Hyundai erst einmal als Lachnummer. Auf dem Dorf zählten da handfeste Realitäten. Der Sonata war ein tolles Abbild seiner Zeit und ein durchaus luxuriöses und komfortables Auto mit ausgezeichneter Ausstattung – aber keins, um mit 220 auf der linke Spur unsicher zu machen. Die Gebrauchtpreise waren desaströs

Wie aber würde eine Welt aussehen, in der Du die Gewissheit hast, dass dein Auto mit vernünftigem Aufwand 400.000 – 500.000 Kilometer schafft? Jeder, der einen der frühen Koreaner hatte, weiss das: War an einem 8 Jahre alten Hyundai Ende der 90er Jahre was dran, warfen die Leute ihn einfach weg. Die Reparatur wäre teurer gewesen, als der Fahrzeugwert. Einer der Gründe, warum der W124 so lange behalten wird, ist der, dass die Leute seinen potentiellen Wert immer noch höher einschätzen als so ziemlich jede denkbare Reparatur.

Und so auch die Fahrer der Toyotas, die in Heavy Duty investieren bei einem 25 Jahre alten Auto. Und jeder, der mal in Afrika war, ahnt: Sie könnten da einen Punkt haben….



3 Gedanken zu „Qualität und die letzte Meile der Mechanik

  1. Das sollte jedem denkenden Autofahrer klar sein, dass die Hersteller soviel hinein bauen, um die Ansprüche zu erfüllen und dennoch den Wettbewerb preislich zu unterbieten. Manchmal wird riskant gespart, dann gibt es Rückrufe, aber normalerweise funktioniert das mit dem Verschleiß so, dass alles durchhält, bis das erste erste Autoleben (Leasing, Flottenverträge) um ist. Bis dahin sind langlebigere Ersatzteile von wenig Interesse.
    Dann kommt das zweite Leben beim Gebrauchtwagenfahrer, der nur das wichtigste repariert, ansonsten auf Verschleiß fährt und ein Ziel von vielleicht fünf bis zehn Jahren hat. Da wird kein Ersatzteil eingebaut, welches womöglich doppelt so lange hält, wie man den Wagen fahren will.

    Ich denke, dass derjenige, der von vorn herein einen fünf Jahre alten Wagen kauft, um ihn zwanzig, dreißig Jahre lang zu fahren, die absolute Ausnahme ist. Dem technisch versierten Fahrer mag das mit dem langlebigeren Ersatzteil einleuchten, aber das macht sein Fahrzeug nicht entsprechend wertvoller für den nächsten Käufer. Vielleicht tut es ja auch ein Gebrauchtteil.

    Mein Vater hat einmal in seine Leben einen Neuwagen gekauft (Opel Rekord D, 1977) und er hat eine Commodore-Wasserpumpe einbauen lassen, als die originale laut oder undicht wurde. Sie ging bis zum Ende auf dem Schrottplatz 1988 nicht wieder kaputt, aber solange hätte die Rekord-Variante wohl auch durchgehalten.

    Erst wenn der Wert des Fahrzeugs wieder steigt oder Ersatzteile ohnehin knapp und teuer werden, hat das langlebigere Ersatzteil eine Chance, falls dann die Auswahl noch existiert.

    Nein, dort ist der Nachhaltigkeitsgedanke noch nicht angekommen. Ich habe mir zwar vorgenommen, nach der letzten Fehlentscheidung (Volvo 850 mit Komfortausstattung aber großem Reparaturstau verschrottet) dem Nachfolger (vermutlich nicht der derzeitige Megane II CC) länger treu zu sein und gerade langfristiger in Wartung und Reparaturen zu investieren. Aber ob ich das durchhalte ?

  2. Ich hatte kürzlich das Vergnügen, mit einem Mechatroniker von Mercedes zu plaudern. Er erzählte mir, dass ein Rücklicht der aktuellen E-Klasse in der Highend-LED-Variante mit Glitzerkristallen über 600€ koste und in der Vertragswerkstatt per Software mit dem Fahrzeug gekoppelt werden müsse aus Gründen des Diebstahlschutzes.
    Dass die E-Klasse ein gutes und bequemes Auto ist, steht außer Frage. Aber wer will so etwas nach Ablauf der Garantie besitzen? Einmal nicht richtig hingeschaut oder Pech gehabt, weil jemand beim Ausparken nicht hingeschaut hat. Zack, sind 600€ plus Werkstattkosten weg!

    Was ich als Student mit meinen Billigautos praktiziert habe, das Kaufen mit Rest-TÜV, verschleißen, den Nächsten holen, weil es billiger ist als in Reparaturen zu investieren, setzt sich schon jetzt ein paar Preisklassen höher durch und das wird künftig noch schlimmer werden.

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