Vielleicht oder auch demnächst mal wieder nicht: Die lange schwere Rückkehr des VW Bulli

Mal im Ernst: Wir werden allmählich müde von all den neuen Bullis, die Volkswagen andauernd vorstellt. Pflichtschuldig packen den dann alle Autozeitschriften auf die Titelseite und sagen „Hey!! VW bringt den Bulli zurück!“

Nein – tun sie nicht.

Ähnlich häufig präsentierten nur Generationen von Bundespostministern das Bildtelefon.

Die Historie der „Rückkehr“ des Bulli

Späte 90er

Als der Bulli zum ersten Mal zurückkehren sollte, wurde der Original-Bulli noch gebaut. Und nicht nur das – er war nach über 40 Jahren Bauzeit noch immer einer der Topseller seines Segmentes. Ende der 90er zeigte Volkswagen inoffiziell die ersten Bilder – „Leaken“ war damals noch nicht erfunden, also gab es bemerkenswert gut ausgeleuchtete Erlkönig Bilder… LOL

2001 – der Microbus

Das Microbus-Konzept war den Bildern aus den 90ern bis auf die Frontpartie recht ähnlich, wirkte aber irgendwie realistischer und auch erwachsener – dennoch kuschelig kompakt. Der New Beetle verkaufte sich erfreulich gut – Volkswagen Manager witterten Morgenluft und der übliche Größenwahn machte sich in den Chefetagen breit. VW malte sich eine mentale Retro-Palette aus und Erfolge wie in der Nachkriegszeit. Nur den Microbus, den bauten sie auch diesmal nicht.

Sie kündigten ihn aber für 2004 an. Dann für 2005.

Dann zeigten sie ihn 2006 anders lackiert und mit neuen Felgen – und ganz klar: Spätestens 2008 würden sie ihn bauen! Echt jetzt!

Gähn…. VW entschied sich vielmehr den nutzlosen Routan zu bauen, der sich auf dem Zielmarkt mittelprächtig verkaufte und am Ende in weit weniger Märkten gebaut werden konnte als geplant. Aber dieses ungemein gute Feedback zum Microbus… das konnte man doch nicht einfach ignorieren, oder?

2011 – das Bulli Konzept

E-Autos waren 2011 noch nicht gerade hip. Mutig deshalb, dass Volkswagen das Bulli Konzept 2011 in Genf mit einem E-Motor zeigte.

Aber naja… wenn Du ihn eh nicht bauen willst, ist es eigentlich nicht so schwierig, mutig zu sein, oder? Warum der Wagen für den kleineren Elektro-Motor jetzt eine größere Front brauchte, blieb VWs Geheimnis. Von der Linie des Original-Bullis ging das Design jedenfalls einigermaßen weit weg – und siehe da: Der Anklang, den das Design diesmal fand, war nicht ganz so groß. Oder waren die Autozeitschriften einfach müde, nachdem man eine ganze Generation Motorjournalisten immer wieder vertröstet hatte?

2013 – das Ende des Originals

Tatsächlich war es 2013 so weit: Volkswagen do Brazil stellte den Bulli nach gerade einmal lächerlichen 56 Jahren einfach ein… VW zeigte in den Pressemappen vorsichtshalber noch einmal das Bulli-Konzept – aber die Journalisten schrieben lieber über das sterbende Original. Ein so ungemein großer Wurf, der die Zeit überdauert hatte.

Die Last Edition war noch einmal ein voller Erfolg. Aber langsam setzte sich das Thema E-Mobilität in den Köpfen fest und die angepeilte Zielgruppe stand im Verdacht, das eventuell spannend zu finden…

2016 – jetzt aber im Ernst, gleich ist es so weit

Das Budd-E oder Budd e concept war technisch sicherlich ziemlich advanced – aber hey: Auf den hätte man Daihatsu schreiben können, Kia oder Great Wall – hätte auch jeder geglaubt.

Da war wirklich was im Argen – und VW hatte genug damit zu tun, mit Experimenten wie diesem die Aufmerksamkeit vom Diesel-Skandal abzulenken und nun plötzlich so zu tun, als wäre E-Mobilität eigentlich quasi irgendwie schon immer so ein bisserl in den Genen von VW gewesen und würde jetzt nur noch ganz ganz kurz – und dann aber, dann käme er wirklich…

Ja klar.

2017 – the I.D. Buzz

Yeah – VW hatte genügend Prügel eingesteckt, um zu verstehen, dass es jetzt eine Do-or-die-Nummer war – und setzten sich an Zeichenbrett, um es richtig zu machen.

Doch… diesmal – da kommt er

Nun gibt e auch ein Gesamt-Konzept: I.D. wird die Volkswagen Sub-Brand für E-Autos – und eines davon wird jetzt ganz ganz sicher der Buzz. Den kann man auch fahren und diverse Journalisten haben das getan – vorzugsweise in so Nachhaltigkeits-Ländern wie der eidgenössischen Schweiz. Jetzt wirkt das nämlich alles so durchdacht – und auch der Deutschen Motorpresse ist klar, dass sie hier mitspielen müssen. Wenn VW im Bereich E-Mobilität daneben liegen sollte – wer bitte zahlt dann von seinen 40+% Marktanteil die ganzen schönen Hochglanzmagazine bis zur Rente?

2019

Volkswagen präsentiert auf der IAA mit großem Aufwand und viel Presserummel einiger junger, unerfahrener Journalisten den Bull-E – ein Elektro-Crossover SUV, das ab 2023 garantiert gebaut wird….




5 Gedanken zu „Vielleicht oder auch demnächst mal wieder nicht: Die lange schwere Rückkehr des VW Bulli

  1. Der Artikel war mal überfällig. Ich hatte 2001 den Microbus quasi bestellt – was für ein tolles Retro-Design. Den würde man selbst heute noch gut verkaufen. Dass VW bei all dem Hype um T1, T2 und Co in den vergangenen Jahren kein tragbares Retrobus Konzept mit modernen Antrieben auf die Räder kriegt ist ziemlich verwunderlich. Gut gemacht würde man das den Wolfsburgern doch aus den Händen reißen. .

    1. …das ist der Punkt, den wir daran auch am wenigsten verstehen: Aus unserer Sicht wäre das, wie der BWLer sagt, die Lizenz zum Gelddrucken. Wie schwer kann das sein?

  2. Typisches Denken der Politiker,alle wussten wie lebensgefährlich der alte Bulli war,aber dennoch wird er geliebt, in vielen Länder wo es Probleme mit Kühlung gab und gibt ist der Luftgekühlte Wagen das beste. Warum so viel Schnick Schnack ,warum so grosse Lampen,den eckigen Bus mal paar ovale oder runde Scheinwerfer verpassen,das kommt ein Stück näher. Auch das dumme Kuststoff das Passagiere beim Unfall schützt aber nicht die Passanten beim Crash, Umdenken würde ich sagen. Aber die meisten Autohersteller sind eben zu blöd ein gutes Auto zu bauen, mein Fazit den Bus so niemals bauen

  3. Ist doch gut, dass der Bulli nicht auch noch durch die Retro-Marketing-Mühle gedreht wird. Mal ehrlich, wieviel von dem Neuen wäre denn “Bulli”? Noch nicht mal das VW-Logo. Lasst ihn in Frieden ruhen und freut euch wenn ihr mal noch einen seht. Wäre beim Käfer und Scirocco auch besser gewesen. Nach den Kisten hat sich nach dem 15-Minuten-Hype doch auch keiner mehr umgesehen. Und zu Recht, wie ich finde. VW kann einem Golf zwar eine neue Seifenschale überstülpen, aber es bleibt halt Golf.

  4. Wir können doch froh sein das dieses Teil nicht auf dem Markt ist. Das hat doch nichts mit dem Klassiker zu tun. Die Konzeptgurken machen auf Biegen und Brechen auf Retro und sehen mega schei… aus.

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