Youngtimer im Fokus – 5er BMW E39

BMW E39. Kommt Dir vor wie gestern? 2003 war Schluss – mach Dir nichts vor – das ist jetzt bald 15 Jahre her – und die ersten liefen Ende 1995 vom Band.

Unsere erste Begegnung mit dem E39 fand früher statt – mit 4 Jungs in einem damals obercoolen rotzigen BMW E3. Wir an der Tankstelle am Georg Brauchle Ring München. Ich sehe den Fahrer des BMW E3 noch in sein Carazza beißen und dann in der Bewegung stecken zu bleiben. 4 Augenpaare folgen seinem Blick und Sekunden später sitzen wir im Auto und rasen dem kaum getarnte Erlkönig Richtung A99 hinterher, den wir allerdings schnell verlieren.

Interessant: Uns allen war völlig klar, worum es sich da handelte und wir versuchten auch mit einer zufällig mitgeführten Kamera ein Photo zu machen. Tage später erfahren wir, dass das nichts geworden war.

Wer hätte gedacht, dass das Bild hier noch einmal zum Einsatz kommen würde? Unser Mannesmann-Fake ist in der Tat ein BMW in Erprobung gewesen

Kann man sich das heute noch vorstellen? Ich sehe noch, wie wir später am Kunstpark Ost rumhängen und drüber diskutieren, ob es klug ist, den Film zum Entwickeln zu bringen, weil dann der Typ, der ihn entwickelt, das Photo an die Autobild verkaufen könnte und ähnliches Zeug. Schließlich landen wir bei einem kleinen Photostudio in Freising, das irgendwer kennt. Da kann man beim Entwickeln zuschauen und es dauert auch nur 45 Minuten.

Mental kurz vorspulen: heute wäre das Foto 6 Sekunden später auf Facebook…

Die meisten von uns befinden sich zu der Zeit im Haupstudium. Als wir unsere ersten echten Jobs anfangen, ist der BMW E39 Realität und das Lieblingsauto der Abteilungs- und Bereichsleiter. Zu der Zeit finden wir den E28 cool, der E34 ist sehr präsent und erstrebenswert – sein Plus an fahrerischer Kompetenz gegenüber dem E28 ist schlicht gigantisch.

Mathematisch wurden die Kombis größer, reell physisch nicht

Mich erwischt der E39 in Form eines Mietwagens auf einer Fahrt von Frankfurt nach München, von da nach Dresden, dann nach Berlin und über Kassel zurück nach FFM. Ich darf meinen ersten Dienstwagen bestellen und schwanke zwischen einem W210 und dem A6 – mit klarer Tendenz zum Audi A6, primär der Traktion wegen. Und dann hast Du drei Tage diesen E39. Sogar nur ein 520i – mit Sicherheit nichts spektakuläres. Aber zu diesem Zeitpunkt unzweifelhaft das absolute Maß der Dinge in Sachen Fahrwerk. So etwas hatte ich noch nie erlebt bis dahin. Der E39 fühlte sich so an, als hätten die Ingenieure ihn genau so berechnet, dass eine Gewichtsverteilung von 50:50 exakt dann vorliegt, wenn ich drin sitze… 😉

Youngtimer Bildergalerie

Ein gigantischer Weg von A nach B

Als ich den Wagen schließlich bestelle, wird es ein 525i Touring – der letzte Benziner-Dienstwagen, den meine Firma zulässt, als die Benzinpreise deutlich über 1,60DM klettern. Und die 192PS kann ich damals kaum glauben – möglich werden die nur dadurch, dass ich praktisch auf jede Ausstattung verzichte. In unserer dreijährigen Dienstwagenbeziehung legen wir 171.000 Kilometer zurück. Die pure Freude.

bmw e39 12002

Die späteren Modelle sind etwas dekorativer – und der 5er E39 ist im Alltag noch unfassbar zeitgemäß – aber er vermittelt mehr Fahrspaß als heutige Autos

Der sportlich luxuriöse Eindruck des Wagens ist auch heute noch von gehobener Klasse. Es ist total beeindruckend, diesen Wagen nach 20 Jahren zu fahren, denn heute gibt es wirklich kein vergleichbares Fahrzeug – das hat man irgendwie schon ganz vergessen, wie knackig der war. Beim E39er BMW kommen die relative Leichtigkeit mit dem phänomenalen Alu-Fahrwerk zusammen. Das fühlt sich fast ein wenig an, wie bei einem Computerspiel, so surreal leichtgängig, präzise, berechenbar und ausgewogen ist dieses Auto.

Ähnlich wie im Vergleich E38 zu E32 ist beim BMW E39 alles irgendwie fühlbar besser als beim E34, ohne das grundsätzliche Konzept zu kompromittieren. Ein Art gefeilte Version des Vorgängers. Besitzer des E34 können sich mit dem E39 leicht anfreunden – obwohl dieser natürlich das Thema Pixelfehler und ähnliches auf die Spitze treibt. Von Beginn an gab es Macken an den Wegfahrsperren. Die Thermostate waren auch keine Wunder und falsch temperierte Sechszylinder neigten zu defekten Zylinderkopfdichtungen, wie auch schon bei vielen Vorgängermodellen.

BMW E39 2003

stämmig, satt und sicher im Auftritt. Und genau so fährt er sich auch

Das ist nicht nur ein technischer Fehler – das ist auch ein Charakterfehler: Es macht einfach so viel Spaß, die Motoren zu drehen, dass viele Leute vergessen, dass sie noch nicht warm sind. Gift.

Ist der Wagen warm gefahren, ist jede Motorisierung recht – der Wagen macht einfach irre Spaß. Der kleine 520er hat kein ausreichendes Drehmoment – ist aber dennoch scharf. Der 523er ist etwas seidiger, schluckt etwas zu viel und hat auch nicht so ein cooles Drehmoment – aber er ist ein Traum. Der 525 ist der beste, vor allem, wenn man den 528 noch nicht gefahren ist – und der 530er… Ach; lassen wir das.

523er

Jede Menge kleine Stromabnehmer… Aber ergonomisch ist das noch ein echtes Highlight

Die Diesel… Der 530D ist eine Waffe, der 525er ein Traum. Der 520D als einziger Vierzylinder weit weniger unterdimensioniert als man vermutet hätte. Es ist bei allen die Ausgewogenheit, die der Wagen vermittelt – sportlich, balanciert… Was soll man da noch sagen. Und heute sind die Fahrzeuge so unglaublich günstig – günstiger werden sie nicht mehr. Die späteren Modelle sind die besseren – sowohl motorisch als auch im Gesamterscheinungsbild. Schaut man sich heutige BMW an oder auch nur das Nachfolgemodell ab 2003, stellt man fest, wie limousinenhaft der Wagen mittlerweile wirkt, wie sehr er noch ein erkennbares Gepäckabteil hat. Der Kombi hat einen gut 200 Liter kleineren Kofferraum als das aktuelle 5er Modell – dennoch ist der Kofferraum der 90er Jahre besser nutzbar, was schon reichlich bizarr ist und die Fehlentwicklung in der Nutzbarkeit heutiger Fahrzeuge zeigt.

Grundsätzlich ist der 5er als E39 ein ungemein gutes Auto – die Diesel sind problematischer in Zuverlässigkeit und Haltbarkeit. Natürlich: Der Wagen ist schon reichlich durchzogen von „moderner“ Technik. Durch einen E39 fließt mehr Strom als durch seinen Vorgänger. Das eigentlich schlimme ist hier nicht die Komplexität der Technik, die Anfälligkeit oder die Beherrschbarkeit. Es ist vielmehr die Fehlersuche, die durch die teilweise sehr kompakte, verdichtete Bauweise nur noch erschwert wird. Wer die Zeit hat… Die frühen Multifunktionslenkräder neigen zu Wackelkontakten, die Navis sind empfindlich, die Steuerung der Klimaanlage ebenso. Das sind die wirklich nervigen Teile.

Der Rest fühlt sich heute fast stimmiger an als je zuvor.




5 Gedanken zu „Youngtimer im Fokus – 5er BMW E39

  1. Ich hatte 10 Jahre lang einen E39 M5, davor hatte ich E28 535i und E34 535i. Parallel hatte und habe ich 2 635CSi.
    Beruflich bin ich E60 M5 und F10 M5 gefahren und auch G30.
    Aufgewachsen bin ich in E12, mein Vater hatte 2 525 .
    Ich kenne sie also alle.

    Und ich muss sagen der E39 M5 ist der BMW, der mir am meisten Fahrspaß von allen vermitelt hat. Allerdings fehlt ihm das kugelsichere, was der E34 hatte.
    Mit ihm startete der Trend “mehr Schein als sein”. Also Chrom Türgriffe, die trotzdem Plastik waren und abbrechen, das Thema Rost war plötzlich wieder präsent, und wie ihr auch schreibt, Pixelfehler und Probleme mit der Klimaanlage waren mein ständiger Begleiter.
    M5 spezifisch die Vanos, aber dafür war der Motor der trotzdem der Hammer. Drehoment, Sound und Fahrleistung gepaart mit Handschaltgetriebe.
    Dann kam der E60, bei mir optisch sowohl damals wie auch heute eine Katastrophe. Das SMG Getriebe im M5 völlig unpassend. Der Hochdrehzahlmotor passte gar nicht in eine Limousine. Die neuen BMW stehen nicht mehr für das was BMW für mich immer war. Etwas kompakter aber auch sportlicher als Mercedes.
    Aber wenn ich heute entscheiden dürfte, würde ich wieder einen E34 535i nehmen. Für mich der beste BMW aller Zeiten, wenn ich sowohl Fahrspaß wie auch Zuverlässigkeit und Langlebigkeit zusammenzähle.
    Ich habe übrigens kein Interesse mehr an neuen BMW und bin Richung Amis abgewandert. Die 6er habe ich auch noch und einer wird 2018 als Oldtimer angemeldet.

  2. Ich fahre seit 1999 den E39….und bin immer noch von diesem Auto begeistert. Zunächst war es eine oxfordgrüne 523i Limousine von 12/1995, die ich bis 2007 hatte, dann folgte ein toledoblauer 525iA Touring, den noch heute im Alltag fahre. Insbesondere der Touring hat bei mir die Bezeichnung „Diva“ weg, weil er immer wieder mit irgendwelchen Kleinigkeiten nervt, aber beide Autos waren/sind absolut zuverlässig und langlebig.
    Die Kombination von Motor und Getriebe ist leider nicht so toll gelungen, einfach weil die Übersetzung im 5. Gang zu lange und im 4. Gang zu kurz ist. Mangels Drehmoment reagiert die Automatik recht hektisch, wenns mal zügig gehen soll. Da war der handgeschaltete 523 besser 😉
    In meiner Youngtimer-Garage stehen ein E21 323i, ein E28 528i und ein E30 325i Cabrio. Im Alltag steht noch das 320d Coupe E92 meiner Frau bereit. Alle miteinander machen extrem viel Spaß, aber für Strecke ist der E39 noch immer erste Wahl.
    Auf jeden Fall hat der E39 den Aufstieg in den Youngtimer-Status mehr als verdient

  3. Ich hatte schon einige BMW (3er, 5er, 7er, Z3), darunter sehr viele e39: Benziner: 523i, 528i (3x), 530i (2x), Diesel: 525d, 530d (3x). Im Moment hab ich einen e61 525d touring und einen e38 728i LCI. Das stimmigste Auto unter allen ist und bleibt der e39. Gerade jetzt (Nov 2017) wo er von den einen verschmäht wird und viele scheinbar nur noch die Nachfolger wollen, ist der e39 sicher von der Kostenseite her betrachtet der Wagen an der Schnittstelle zwischen Komfort/Sportlichkeit und Kosten. Du kannst heute nicht günstiger Auto fahren, da die Preise so im Keller sind. Zum 5er selbst: Am stimmigsten ist aus meiner Sicht der 528i, der 2,8er ist einfach ein toller Motor, faucht wie eine Katze, laufruhig, drehfreudig. Kein SchnickSchnack wie Turbo und 100 Nebenaggregate die kaputt werden können, ein toller, klassischer Motor. Hier spürt man: BMW war dort wo sie hingehören und tun das was sie können: Die besten, stimmigsten Fahrwerke bauen, kombiniert mit Traummotoren für den Alltagsgebrauch. Man riecht es wenn man die Tür öffnet: Das ist ein BMW, vielleicht der letzte “klassische” (auch wenn das sicher weit gedehnt ist hier) wie wenn man die Verzückung wahrnimmt bei einer tollen Frau, der man aus dem Mantel hilft und dabei ein Luftschwall eines Poutpourries ihrer Körpersäfte mit frischer Seife und einen Hauch Parfume deine Nase streift. Du schliesst die Augen und empfindest einfach nur eine stille Verzückung. Und das bei einem Auto für den Alltag, das im Moment in Bestform um 6 Scheine zu haben ist und als Benziner auf der Autobahn 7,5 Verbrauch hat. Jetzt wird man noch belächelt, aber das ist wie wenn man zum McDonalds geht, 20 Euro auf den Tisch legt und der Sommeliere bringt dir 3 tolle Weine zum verkosten. Du fährst im e39 nicht schlechter als in aktuellen Modellen, da hat sich nichts getan bis auf Headupdisplay etc., das reine Fahren ist am Optimum, da gibt es nichts zu verbessern, der 5er scheint zu spüren wann du schnell sein willst und wann du zu müde bist und unterstützt dich in deinem Vorhaben. Er ist kein Prolet, der dich anheizt: Mach das, geht noch etc., eher wie ein Butler, der still & unbemerkt immer da ist. Für alle BMW Liebhaber: Räumt das Sparbuch der Kinder, kauft zum LowBudget Tarif noch ein oder zwei gute e39 bevor alle verbastelt sind und die Preise wieder steigen, stellt sie weg und freut euch an der Essenz der Freude am Fahren: einem Auto wo man spürt, dass noch die Ingenieure zum Großteil die Oberhand hatten und nicht nach Marketingauswertung der Erbsenzähler entschieden wurde. Schade drum, Schade um die tollen Autos aus der Glanzzeit von BMW.

  4. Ich nenne das immer anders: der müffelt wie ein alter BMW 😀
    Für mich ist der 530i übrigens deutlich besser als der 528i.
    Habe den M52 nie gemocht weil das E-Gas so zäh ist. Da ist der M54 viel besser und ein echter Traummotor.
    Nach dem M30 DER BMW Reihensechser für mich.

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