Einen Liter Leistung, bitte!

1980 mopfte Mercedes den W123 unter dem Blech. Das hatte zur Folge, dass der 200er Benziner fortan 109PS hatte und damit so viel Leistung wie bislang der 230er. Der hatte als 230E nun fortan stolze 136PS, also schier unfassbare 59PS pro Liter Hubraum, der 2 Liter Benziner brachte es auf knapp 55PS pro Liter Hubraum

in der Urzeit entwickelte sich seit den 60ern praktisch nichts in Sachen leistung

Behalten wir das kurz im Hinterkopf: Benziner, 55PS pro Liter.

An der Stelle leicht zu merken: Der Diesel hatte bis dahin bei zwei Litern Hubraum insgesamt 55PS, also exakt die Hälfte. Und auch den liftete Mercedes im Rahmen der Überarbeitung auf stolze 60PS. Das ist aus heutiger Sicht nicht nur unfassbar untermotorisiert für einen Wagen der gehobenen Mittelklasse, es ist auch eine Literleistung, mit der sich heute kein Kutschenhersteller mehr vor die Tür trauen würde.

Erst kam die Einspritzung, die der Literleistung einen großen Schritt über die Schwelle hob. Beim 230er Mercedes W123 etwa war der Schritt von 47PS/Liter auf 59PS pro Liter. Und damit lag der stattlicher satte Benz, der mit exakt dieser Motorisierung DER 123er Benz werden sollte und als bedingungslos robust gilt, plötzlich in der Literleistungs-Klasse der Golf GTI (69PS/Liter) angekommen.

Der GTI galt 1976 mit dieser Literleistung als Meilenstein in diesem Bereich. 50PS / Liter galten als Faustwert, US-amerikansiche Autos lagen eher bei 25PS bis 30 PS pro Liter. Selbst kernige Sportler wie der 323i als E21 hatte nur etwas über 62PS Literleistung – und der hatte tatsächlich schon die Einspritzanlage.

BMW 3er

So kennen wir den BMW 3er: Fröhlich driftend für die, die ihn beherrschen

Höhere Liter-Leistungen galten am Stammtisch zu dieser Zeit als fantastisch. Porsche etwa machten solcherlei Blödsinn oder Ferrari. Ein 308er Ferrari des Jahres 1980 hatte knappe 78PS pro Liter. Aber wenn Du so einen als cool einstuftest, dann nahm dich dein weiser Opa zur Seite und sagte „Junge – diese stark belasteten Motoren… Die halten nicht lang.“

Und doch: Die Literleistung stieg – kontinuierlich und unaufhaltsam.

Zunächst verpasste die Einführung des Kat der Sache einen Dämpfer in unterschiedlicher Stärke. Und dennoch ging die Leitung bergauf – beim Benziner etwas stetiger, beim Diesel explosionsartig. Waren 60PS beim 220D bis 1980 noch der Stand der Dinge, hatte ein 220er 1998 bereits 95PS, also über 50% mehr. Als noch einmal 18 Jahre ins Land gegangen waren, hatte Mercedes auf die 50% noch einmal 100% drauf gelegt: Der heutige 220D kommt mit stattlichen 194PS, was ziemlich genau 100PS pro Liter entspricht. Man fragt sich, wie weit das noch gehen wird.

Da war die Einspritzung und Vierventiler auf der einen Seite, Direkteinspritzung auf der anderen. Der wahre Freund der Literleistung aber ist der Turbolader. Ohne den verlässt heute praktisch nur noch der Lada Niva das Werk.

Frühe TDIs sind reihenweise in die Luft geflogen. Ein paar der downgesizeten Dreizylinder neuerer Bauart gelten qualitativ auch als umstritten, genauere Zahlen gibt es hier aber (noch) nicht.

Hatte Opa also recht?

Als die ersten Turbos auftauchten, galten sie als eskalativ unzuverlässig, als die G-Lader kamen, galt dasselbe (in Teilen zurecht) – und auch die Vierventiler wurden beäugt. Kürzlich sind wir einen Carina E mit 440.000 Kilometern auf der Uhr gefahren – erster Motor und 4 Ventile pro Zylinder…. Ein paar Dinge hat die Automobilindustrie über die Jahre vielleicht doch in den Griff bekommen. Und was man so hört, hat auch der eine oder andere Saab Turbo länger als 3 Jahre gehalten oder der 745er BMW

Aber Kinder: wisst ihr, wie sich Beschleunigen mit einem Doppelvergaser anfühlt?




1 Gedanke zu „Einen Liter Leistung, bitte!

  1. Ich erinnere mich als ob es gestern gewesen wäre, an die Stammtisch reden meines Vaters und dessen Kollegen

    1991 als Audi den 1.9 TDI auf den Markt gebracht hat mit 90 PS.

    “utopisch, unmöglich 90 PS aus 1900 Kubik, der geht nach 10000 km hops usw“ XDD

    Natürlich sind die damaligen hexenjäger bei ihren 123 und 124 Mercedes geblieben, da direkt einspritzer teufelszeug waren.

    Ein ähnliches Thema herrschte als der 1.8T mit 150 P.S. auf den Markt kam.

    Mein Papa selbst ist heute 66 Jahre alt und fährt einen Mitsubishi ASX der satte 150 PS aus 1,8 Litern entwickelt. Als ich ihn darauf ansprach, auf das “teufelszeug“ antwortete er nur:
    “das ist nunmal der Lauf der Zeit, mein Sohn“
    …. Welch eine Ironie

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