Youngtimer im Fokus: Audi 80 B3/B4

Oder: Verzinkt und verzwickt

Sein Vorgänger ist längst ein respektabler Youngtimer und sein Nachfolger hat auch schon einen Nachfolger – und doch tun sich immer wieder Leute schwer, der letzten Audi 80 als Youngtimer anzuerkennen – warum eigentlich?Audi 80

Irgendwie mochten die meisten ihn schon zu Lebzeiten nicht recht leiden, weil er immer so ein Streber war. Verzinkt war er, damit er nicht rostet [Memme!] – und dieses irgendwie zu kurze Heck, das hatte dann gleich wieder was vom bürgerlichen Sierra… Das geht ja gar nicht.

Beim Nachfolger, dem B4, haben sie das Heck deshalb optisch etwas verlängert – doch da hatten die meisten Audi 80 Besitzer schon Abhilfe geschaffen, indem sie die Aufmerksamkeit mit schwarzen Treser-Rückleuchten vom leicht seltsamen HeckAudi 80 Treser

abgelenkt hatten – Ende der 80er waren die quasi Pflicht – viele Leute wussten gar nicht, dass es den Audi auch mit orangen Leuchten gab 😉

Wer sich heute nach einem Audi 80 aus dieser Zeit umsieht, sollte Treser-Rückleuchten allerdings auch als Warnung betrachten – die waren nämlich im Regelfall nur der Anfang. Dann folgte die Auspuff-Anlage, das Momo-Lenkrad und schließlich Tieferlegung und dann die 225/50er von ATU...

Obwohl der B3 und der B4 wirklich zu den langlebigen Fahrzeugen gehören – mechanischen robust, wie auch mit verlässlichen Motoren ausgestattet – hier hört die Freude häufig schnell auf.

Wer sich den Audi 80 als Youngtimer vor die Tür stellen möchte, sollte jedoch noch mehr auf Dellen achten. Verzinkt sein ist das eine – nach einem Rempler lässt sich das jedoch nicht so einfach wieder herstellen und viele Mechaniker wussten im Zweifel auch gar nicht recht, was sie da tun sollten. Und dann geht die Freude los: Speziell bei Heckschäden bahnt sich der Rost seinen Weg, häufig unentdeckt. Die Architektur des Audi-Hecks ist jedoch zerklüftet und bietet dem Rost reichlich Fläche. Auch nach gut reparierten Heckschäden findet der Rost seinen Weg dann teilweise durch den Kofferraum hinaus bis hin zum Radlauf… Hier gilt: Finger weg. Test: hinteren äußeren Gurt herausziehen und dran schnüffeln – sieht bescheuert aus, aber wenn der vermodert riecht, gleich stehen lassen.

Ansonsten fährt sich der Audi immer noch sehr angemessen, der B3 wird langsam zum Hingucker, während der B4 einfach schon zu sehr nach A4 aussieht und daher im Grunde keine Beachtung findet.

Aus erster Rentnerhand: Audi 80 B3 im Topzustand – Automatik ist im Regelfall ein gutes Zeichen

Die Motorisierungen scheinen aus heutiger Sicht bisweilen goldig: der kleinste Diesel hatte 54PS… Die beste Wahl ist der 1.8er mit Einspritzung, den auch der späte 1er Golf als GTI hatte – 112PS sind mehr als ausreichend. Der 2 Liter Motor mit ähnlicher Leistung ist weniger drehfreudig. Aber auch kleinere Motoren machen im vergleichsweise leichten Audi 80 noch eine gute Youngtimer-Figur.

Die Probefahrt sollte – auch bei Temperaturen wie heute – ruhig ein wenig dauern, denn defekte Thermoschalter und Lüfter machten den Motoren hin und wieder Ärger – speziell beim ansonsten hervorragenden thermischen 1.8er ist das eine Krankheit. Zickig sind auch die Zentralverriegelungen – ruhig 3 oder 4 mal kurz hintereinander öffnen und schließen… Und noch eine Kleinigkeit kann ganz schön nerven: Der Zug der Motorhaubenentriegelung. Der rutscht bei älteren Modellen schon mal aus der Führung – und dann ist nicht nur handwerkliches Können gefragt: man kommt nur von unten an die relevanten Stellen und braucht im Grunde eine Grube oder Hebebühne.

Besonderes Augenmerk gilt  – wie beinahe immer – den raren Versionen. Das Coupe beispielsweise ist nicht nur selten, es ist auch selten gut erhalten – aber wenn, dann ist es natürlich ein echter Hingucker für (noch) interessante Preise. Ebenso wie das Cabrio, dessen zeitlose Eleganz seinesgleichen sucht.

Aber davon wollen wir Euch in einer anderen Geschichte erzählen…



15 Gedanken zu „Youngtimer im Fokus: Audi 80 B3/B4

  1. Moin,
    ein schöner Bericht zum Audi. Werden leider immer weniger im täglichen Straßenverkehr…, noch hat man die Chance einen unverbastelten von Opa zu günstigen Konditionen zu bekommen.

    Was mir noch aufgefallen ist: die Bilder sind ja anklickbar, daher erwartet man die Bilder in einem größeren Format zu sehen. Leider wird das Bild nur in selber Größe auf einer neuen Seite geöffnet, das bringt nicht wirklich was…

    Ansonsten schöner Blog!

    1. Danke! Theoretisch werden die Bilder schon größer. Dieser Post stammt noch von unserer ganz alten Plattform, auf der wir kleine Bilder verwenden mussten. Neuere Posts haben im Regelfalle schon größere Bilder und folgen dem beschriebenen Konzept. Vielleicht müssen wir die Bilder hier einfach mal aufrüsten…

  2. Auf der Suche nach Youngtimer Artikeln über den Audi 80 habe ich mich natürlich gefreut, hier fündig zu werden. Vielen Dank dafür!
    Aber: warum sollte der B4 eigentlich keine Beachtung finden? Da gab es doch erstmals einen schicken Kombi zudem mit V6-Motor und quattro orderbar. Nun, genau so ein ersthandgepflegtes Exemplar als Avant quattro 2.6 E in Vollausstattung habe ich nun für mich entdeckt und macht mir regelmässig Freude. Über einen Artikel würde ich mich freuen!
    Übrigens: weiter so mit Eurer lässigen Schreibe!

  3. Der Kabelbaum am Kofferraum macht auch gerne mal Ärger, beim öffnen / schließen des Deckels wird der Strang links nämlich immer geknickt. Trotzdem ein super tolles Auto.

  4. Moin!
    Ich hatte früher schon einmal einen Typ 89 mit dem schönen PM-Motor (1,8S mit ellenlangem Fünfganggetriebe…7,5 Liter auf Hundert!). Eventuell kaufe ich demnächst noch einmal so ein Auto als Winterfahrzeug zu meinem EOS.

    Was unbedingt erwähnt werden sollte, sind ein paar Schwachstellen der Reihe:
    Punkt 1: Scheibenbremsen hinten. Gut in der Wirkung, aber leider gammeln Audi-typisch die Sättel gerne fest. Werkstätten, die hier von „Muss man mal RICHTIG bremsen“ faseln, zeigen, dass sie kompetenzlos glücklich sind.
    Punkt 2: Kabel zu den Leuchten in der Heckklappe. Ist eigentlich immer kaputt, da es am Scharnier so toll gequetscht wird. Ist sackteuer und aufwändiger zu reparieren, als man denkt.
    Punkt 3: Feuchtigkeitsempfindliche Zündung. Kein großes Ding, außer, es erwischt Dich morgens auf dem Weg zur Arbeit, mittags unterwegs zur Trauung oder nacht um halb zwölf auf dem Heimweg. Also besser an warmen, trockenen Langeweiletagen checken!

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