Opel Omega A: Das Ende der bürgerlichen Mittelklasse [Youngtimer für Einsteiger II/VIII]

In den verliebt man sich nur ganz langsam – aber das war mit Rekord D und E auch schon so

Zwischen 18 und 25 Jahre sind sie heute auch schon alt – die Omega Youngtimer der Serie Omega A – also praktisch im bestmöglichen Youngtimer-Alter.

Und das ist beileibe nicht alles: Viele weitere Facetten des Omega A machen ihn heute zu einem Youngtimer, den es sich zu erhalten lohnt und der eine Menge Spaß macht – und darüber hinaus ist er als Youngtimer auch noch günstig zu haben – im Gegensatz zu Zeitgenossen wie etwa dem W124 oder BMW E34 Und da, wie bereits kürzlich berichtet, die Preise des edlen Bruders Senator bereits ansteigen, spricht offensichtlich noch umso mehr dafür, sich einmal um seinen Youngtimer-Bruder, den damaligen Bürger King zu kümmern.

Bei seinem Erscheinen war der Omega A dabei zunächst einmal einer der Sargnägel Opels: Einerseits lehnten die Käufer des Vorgänger-Modells Rekord E den Wagen zunächst ab, weil er Ihnen zu futuristisch erschien. Aus heutiger Sicht erscheint das bereits sehr schwer vorstellbar…

Der legitime Rekord F – gute Kombis gibt es leider gar nicht mehr so viele

Hinzu kam aber, dass es schnell die Runde machte, dass es sich beim Omega, wie auch beim Kadett E, um ein qualitativ schlechtes und unzuverlässiges Auto handeln sollte… Das war Kassengift erster Güte und die Verkäufe brachen zeitweilig stark ein, weil auch noch der ADAC auf den Wagen einhämmerte.

Alle späteren Erfahrungen mit dem Omega A, speziell natürlich mit den heute noch erhaltenen Exemplaren, zeigen ein differenzierteres Bild: Heute weiß man, dass es sich beim Omega A um eine breite Serienstreuung in der Anfangs-Phase handelte – es gab Ausfälle, aber der Omega A kann, mit ein paar Ausnahmen im Bereich der Dichtigkeit, als wirklich zuverlässiges Auto angesehen werden – Exemplare mit 400.000 Kilometern auf der Uhr sprechen eine klare Sprache.

Schön jedoch für Youngtimer-Fahrer: Es gibt auch zahlreiche nette Opa-Exemplare mit 60 oder 80.000 Kilometern Laufleistung, Lebenslauferhaltender Automatik und gepflegtem Velours-Innenraum.

In anderen Ländern erfuhr er mehr Achtung als bei den Germanen: Youngtimer Opel Omega A

Einen Omega verbastelt keiner – den legte damals zunächst keine tiefer, da baute keiner 2000Watt Anlagen rein. Speziell gilt das im Youngtimer-Bereich natürlich für die Limousine. Von der sind mittlerweile wirklich erstaunlich viele gute gepflegte Exemplare zu finden. Der Omega A ist jetzt dort, wo sich der Rekord E zur Jahrtausendwende befand: Noch nicht voll entdeckt und gut zu bekommen.

Der damals noch Caravan genannte Kombi ist den Weg allen Übels gegangen, gute Exemplare sind hier ebenso rar wie gute Exemplare des coolen Omega 3000. Beides ist am Ende des Tages sicherlich Geschmackssache, aber die eigentlich erstrebenswertesten Modelle sind die Modelle 2.4i und natürlich de wirklich seidige 2.6er Sechszylinder, dessen Qualitäten selbst von der Opel gegenüber zickigen Fachpresse massiv gelobt wurden. Am liebsten ein solches Modell mit dicker CD oder Diamant-Ausstattung und Automatik – und der Spass kann kommen.

Innen nicht so modern wie Aussen: Youngtimer Opel Omega A

Gut auch: Die Ersatzteile des Omega A sind zahlreich und billig zu haben – wie eben auch die Omegas selbst: Ab etwa 1250 bekommt man schon sehr ansehnliche Exemplare. Die meisten davon haben natürlich langweilige Ausstattungen, einen 2 Liter Motor, eine braun- beige Innenausstattung und einen schwach hellgoldenen Metalliclack – aber jeder fängt mal klein an.

Billiger kann man keine große Bürgerliche Limousine erwerben – der Scorpio ist alles in allem dann vielleicht doch zu futuristisch. Hinzu kommt: der routinierte Innenraum ist wirklich fast dem mittachtziger Jahre Charme zuzurechnen – und das Fahrwerk des Omega ist über jeden Zweifel erhaben, auch heute noch. Und doch fährt sich der Omega-Youngtimer eben wie ein Youngtimer dieser Klasse: groß, gediegen, schwer – man merkt ihm seine Größe auf eine angenehme Weise an, die heute ausgestorben ist. Einziger Störfaktor: der brummige 2 Liter, der immer noch nach Rekord D klingt…

Der soll’s sein: seidenweicher 6zylinder in biederer Hülle

Wer jetzt den Schritt zum Omega A macht, kann nicht viel verkehrt machen – ein guter Einstieg zu einem liebevollen Wagen mit viel zu geringer Bewertung am Markt, die sich bald erholen wird. Und so lange schwimmt man mit dem leicht biederen Wagen der gehobenen Mittelklasse im Alltagsverkehr mit und freut sich seiner unentdeckten gediegenen Spießigkeit, die sich später kein Hersteller mehr traute…




23 Gedanken zu „Opel Omega A: Das Ende der bürgerlichen Mittelklasse [Youngtimer für Einsteiger II/VIII]

  1. Ich habe gerade einen Omega B 3.0 24V Caravan geerbt, Bj 2000, und ich muss ihn gerade jeden Tag 200km über die Schwäbische Alb fahren, weil meine Frau das Hauptauto für die Hunde braucht.
    Schlicht ein Traum,der Dicke braucht knapp 9 Liter und der Antriebs- und sonstige Komfort lässt mich ab dem ersten Kilometer vergessen, dass ich gerade ein „altes“ Auto fahre.

  2. Ich fahr selbst ein 93er Omega A CD Diamant 2,6i Automatik und bin begeistert. Grad an die Zähigkeit der alten Motoren kommt heute keiner mehr ran. Der Nachteil bei meinem is die Suche nach Ersatzteilen, zum Glück passt einiges vom B Senator.

  3. Meine Mum fuhr 12 Jahre einen 1987er Omega Kombi als 1.8 Vergasermodell, Ausstattung nichts, gar nichts. Farbe blau, RAL blau, den Farbton hab ich nie herausgefunden. Ich später dann übergangsweise einen 1987er 2.0i Automatic in Heliosblau-metallic. Der Omega war immer ein treues Auto.
    Aber: einen schlimmeren Rostkübel konnte man glaube ich nicht kaufen. Meinem sah man das nicht an, das war noch schlimmer. Schweller, Radkästen vorne und hinten, Unterboden, alles war teilweise faustgross durchlöchert, aber nur schwer zu sehen da das von einem zähen Unterbodenschutz kaschiert wurde. Bei jedem Mal, wenn ich die Türe hinten zugeschlagen habe, rieselte Rost aus dem Radlauf. Die Kiste wurde immer leichter!
    Automatik top, Motor, die Nähmaschine, war top, alles super.
    Aber einen Winter länger und ich hätte aufrecht durch das Auto hindurchlaufen können.

  4. Das die guten alten Omega A 18-25 Jahre alt seien, muss ein Irrtum sein – wo man doch seit 1994 den Omega B eingeführt hat … Die ersten A haben inzwischen ihr H-Kennzeichen.

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