Motoren-Legenden: von Schaltröcheln und heiserem Klang

Wie wird ein Motor eigentlich eine Legende? Normalerweise muss es ein Auto sein, das um ihn herum gebaut ist. Manchmal jedoch verselbständigen sich die Dinge und es entstehen Kult-Motoren, die praktisch sogar ohne das Fahrzeug drum herum eine eigene Fan-Gemeinde haben.

Das passiert nur sehr selten.

Ein solcher Motor ist sicherlich das Herzstück der meisten Subarus: Der Fuji-Boxermotor. Tatsächlich hat sich um diesen Motor eine kleine aber sehr eng gewebte kultische Gemeinde gebildet, die schon ihresgleichen sucht. Warum eigentlich? Ein Stück weit ist der durchschnittliche Subaru-Fan vielleicht einfach bekennend schrullig – aber die Maschinen des Japanischen Herstellers haben zweifelsohne ihre eigene Berechtigung – im Sound, in ihrem faszinierend ausgeglichenen Lauf, in ihrer Lebensdauer – in ihrer Flexibilität. Vom braven 1600er bis zum Turbogeladenen Ungetüm deckt Subaru mit einem Grundsatz-Layout mit dem Vierzylinder-Boxer eine Palette ab, für die manche Hersteller komplette Motorengenerationen und Konzepte verbrauchen – das hat schon was.

Weit unauffälliger, aber mit nicht weniger stillem Kultstatus versehen sind zweifelsohne die BMW Motoren der Baumuster M20 und M30 – der klassische Reihensechszylinder, der für viele Leute eigentlich über Jahre hinweg das Äquivalent zu BMW geworden ist – lange, bevor die V8s und sparsame 4Zylinder gebaut haben. Der M20 hat vor allem im 3er der Serien E30 und E36 zu Größe gefunden – obwohl er dem M30 immer unterlegen war bezüglich seiner grundsätzlichen Drehmomententwicklung. Fahrspaß boten sie alle beide, ganz gleich, welches Karosserie drum herum gestrickt war – also auch hier ganz ähnlich wie beim Subaru. Dem M20 und M30 umschlossen kompakte 3er ebenso wie stattliche 7er – aber am coolen Röcheln, wenn man Gas wegnimmt, ändert das nichts. Dieses Geräusch nimmt man mit in den Schlaf – da geht noch was, das ist elektrisierend.

Hier versteckte sich der 5Zylinder nur allzu gern

Am anderen Ende der Vernunft gibt es das auch: Audis 5Zylinder. der hat mir als Kind manche schlaflose Nächte bereitet, wenn ich im Typ43 meines Onkels mitfahren durfte – 136PS = 100KW, wie man aus allen Auto-Quartetts wusste. Und dieses Geräusch – das hätte ich aus Hunderten anderer Motoren heraushören können. Das war ein eigenartig sachliches Geräusch, aber irgendwie sportlich, das war einfach anders und irgendwie cool – damals, als Autos noch Geräusche hatten, die sich unterscheiden ließen.

Wir werden das verlieren – nicht nur durch die Elektro-Autos. Auto-Geräusche und individuelle Motoren sind ein Auslaufmodell. Heute hat die Kompaktklasse den 4 Zylinder Benziner, die Mittelklasse den 4Zylinder TDI, die Oberklasse den 6Zylinder TDI…. und alle klingen gleich und sehen gleich aus – schon, weil sie sich unter einer Plastikabdeckung verstecken… Unsere Kinder werden es nicht verstehen, dieses Gefühl, einen Wagen schon zu erkennen, bevor er den Hügel heraufgekommen ist…



15 Gedanken zu „Motoren-Legenden: von Schaltröcheln und heiserem Klang

  1. Kleine Berichtigung: Der E36 erhielt ab Baubeginn den M50B20/B25. Das war der abgelegte Motor gro5er Brüder(E34). Genauso, wie damals der M20 vom E28 in den E30 fand.

    Aber ansonsten habt ihr einfach nur Recht. Heutige Diesel klingen wie Benziner und diese klingen wie Diesel. Alle hören sich an, wie aufgemotzte Winkelschleifer. Einheitsbrei eben. Schade.

  2. Audi mit 5 Zylinder …ein Traum !!!!!! kenn die Geräuschkulisse allerdings nur vom typ 44. Damals als Kind vom Katlosen 2 Liter (RT) und heute mein eigener 2.3 (NF). Kann nur sagen es gibt nichts vergleichbares ! Dieser Sound erzeugt ein Grinsen bis zu den Ohren 😀

  3. Ein weiterer dieser Motoren, und mein persönlicher Favorit ist der Köln-V6 von Ford. Im Grunde eine Steinzeitentwicklung von 1964 mit Stoßstangentrieb und über Stirnrad getriebene, zentrale Nockenwelle blieb er in dieser Form bis 1994 im Programm, 30 Jahre ohne dass sich der Block geändert hätte. Kein Leistungswunder oder sparsam aber laufruhig und durchzugsstark. Im Leerlauf blubbert er wie ein V8 und obenrum ein heißeres Fauchen.

    1. @Ludwig

      Ich teile Deine Meinung sehr.
      Ich bin selber Besitzer von solchen V 6 (Ford 20 m 2300 S, P7b, Jg. 1969, dann in diversen Ford Scorpio vom 2.4 und 2.9 i, der Jahrgänge 1988/1989.
      Ich auf alle Fälle geniesse den Sound der Ford-V6-Maschinen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.