Sim Mother: Hilfe, mein Neuwagen bevormundet mich

GAST POST von LARS DIEHL,

International Automotive Consultant


Ich mag Youngtimer grundsätzlich eigentlich nicht besonders – sie fühlen sich an wie Ballast. Unsicher, laut, empfindlich – und verbrauchen zuviel Sprit.

Aber hin und wieder fahre ich ja doch mal einen von meinen Freunden hier vom Blog. Und dann bin ich immer wieder erstaunt.

Komplexität eines Schlauchbootes

Erstaunt, weil ich feststelle, dass ich eigentlich glaube, dass all die Hilfsmittel, die wir heute haben, das Autofahren erleichtern, obwohl ich dann im Youngtimer feststelle, dass das Leben früher einfacher war.

Kürzlich gab mir ein Nachbar den Schlüssel zu seinem 3er BMW, Baujahr 2009, weil mein Wagen zugeparkt war. Er gab mir den Zweitschlüssel… Effekt: Ich setze mich in den eh nicht großen Wagen, stecke den Schlüssel rein und => werde entmündigt.

Der Sitz stellt sich auf und fährt nach vorn, die Klimaanlage pustet auf über 30 Grad, der Radiosender wechselt auf irgendeinen trällernden Mist. Warum? Normalerweise benutzt den Zweitschlüssel nur die Gattin – und die ist 1,55 gross und friert scheinbar leicht. Bis man alle Stellmechanismen gefunden hat, ist der Tag rum.

Den hat noch jeder auf Anhieb verstanden

Die Autos haben uns entmachtet.

Steige ich in einen 3er BMW Jahrgang 1989, das war der E30, dann habe ich einen Hebel, der den Sitz nach vorn stellt, Klimaautomatik kommt so gut wie nicht vor. Der Wagen bedient sich auch sonst so, wie man es von einem Wagen erwartet: Schlüssel am vorgesehen Platz reinstecken, umdrehen, gut ist. Da gibt es nicht den Startknopf, die Voice-Bedienung, die nicht funktioniert und all das. Der Wagen lässt auch nicht das Licht 20 Sekunden an, um mich am hellichten Tag nach Hause zu begleiten oder ähnlich interpretationsbedürftiges Zeug. Er hat keinen Dreh-Drück-Zieh-Stellregler, der in jedem Wagen einer anderen Logik folgt.

Die Bevormundung durch moderne Autos hat ein Maß erreicht, dass mich zweifeln lässt, ob ich eigentlich noch die Kontrolle habe – und das ist nicht gut.

Und wo schalt ich jetzt?

Einerseits macht es mir Angst (das ist mein Problem) – andererseits macht es Autos unbenutzbar. Und das ist gefährlich.

Jeder, der den letzten Siebener BMW mal eben schnell umparken wollte, weiss, wie man sich fühlt, wenn man den Schalthebel nicht findet, weil der unsichtbar hinter dem Lenkrad sitzt. Das kann nicht sein. Schlimm genug, wenn unsere Computer nur mit Betriebssysteme funktionieren, die die wichtigsten Funktionen in Sub-sub-sub-Menüs versteckt – aber die stehen nicht schräg vor der Garage oder im Weg, wenn de Zug kommt…

Vielleicht sind Youngtimer doch nicht so doof, bringen uns zurück zu dem was eigentlich zum fahren nötig ist.