Sportler von der Stange, die Dritte: Opel Manta B

opel Manta B

aus der Perspektive wirkt er irgendwie cool – auch nach 36 Jahren noch: Youngtimer Manta B

Oh Mann… in den späten 80ern musstest Du ihn wirklich lieben, denn alle machten sich über ihn lustig. Kostprobe? Kennst Du den kürzesten Manta-Witz? Steht ein Manta vor der Uni.… Mega-Lacher… Was ist ein Manta mit ’nem Strohballen auf dem Dach? Expanded Memory…. Huuuaaa ha ha….!

Phasenweise war der späte Manta B wirklich unverkäuflich, denn er transportierte ein Image, das keiner mehr recht haben wollte – Flink wechselten die meisten schlimmen Idioten, die damit eigentlich gemeint waren, zum Kadett E GSI über – Pflichtaccessoire: Aufkleber über dem Abschlepphaken in Neon-Grün „GTI-Öse„…

Sachlich betrachtet war der heutige Youngtimer Opel Manta B eigentlich alles andere als ein schlechter Von-der-Stange-Sportler: Auf Basis der Ascona B realisierte Opel bereits 1975 eine schnörkellose Karosserie, die damals einen nicht unerheblichen Charme hatte – nur war der Wagen alles andere als sportlich… Das Fahrwerk war nicht gerade ein dynamischer Kracher, speziell die Hinterachse war nicht gerade ein Garant für Sportlichkeit, die manch einer gerne in seinem Manta gehabt hätte.

Ja, also… Sportsitz mag einem hier nun wirklich nicht über die Lippen kommen… Im Ascona B saß man ebenso sportlich – und das war wahrlich nicht das Maß de Dinge

Der etwas höher angesiedelte Capri war richtig prollcool, der darunter angesiedelte Scirocco war ein flinkes Leichtgewicht, das dem Opel Manta B praktisch überall davonfuhr und ein verlässlich sportliches Fahrwerk mitbrachte – auch wenn Machos beim Scirocco immer der Heckantrieb fehlte. Der Scirocco war in dem Bereich eben eher narrensicher… Hinzu kam: Die Seriensitze im Manta konnten wirklich nix, gaben keinen gescheiten Halt und wurden daher von Schnellfahrern immer gegen Recaros oder andere Schalen ersetzt – Am Ende war dann am Manta eigentlich nichts mehr original…

alsdie Welt noch in Ordnung war: Original-Werbefoto vom Opel Manta in damals eher sündhaftem Metalliclack

Also wurde am Wochenende geschraubt! Es ist kein Klischee der 70er und 80er: Wer mit dem Manta in der vermeintlichen Peergroup mithalten wollte, der brauchte Seitenschweller, Tieferlegungssätze, dicke Räder und Spoiler, soweit das Auge reichte. Die Sportversionen des Manta machten es vor, der kleine Jürgen baute es am Wochenende im Hinterhof nach. Rund um den Manta und seine Freunde entstand eine Parallelwelt aus Mantzel, Irmscher, D&W und wie sie alle hießen. Wer in den 80ern die Motor-Show in Essen besuchte, konnte nicht nur zahlreiche hosenträgergurttragende Sportschalensitze erstehen, sondern auch auf 2.7 Liter aufgebohrte Maschinen für seinen individuellen Manta mitnehmen [selbst mit denen konnte er einem Scirocco oder Corrado nicht viel anhaben].

Manta B im echten Sportdress – gerne von Laien laienhaft kopiert

Wie bei kaum einem anderen Auto führte das dazu, dass der serienmäßige, klar gezeichnete Manta B praktisch ausstarb, obwohl Jens Jedermann 1975 ein gar nicht prolliges 60PS-Modell erworben hatte, das ihm Jahre später von jungen Kerlen nur weggekauft wurde, um einen dicken Motor einzupflanzen.

Klischee? Nein. Wer sich heute nach einem Manta umschaut, der immerhin eine Million mal gebaut wurde in seiner 13jährigen Produktionszeit, der findet entweder museale Exemplare im sehr guten Zustand, komplett verrotzte [wenige] oder aufgetunte – allen gemein ist die geringe Preiswürdigkeit: Manta B in gutem Zustand sind einfach unverhältnismäßig teuer.

Seltener Manta B CC in verrotztem Originalzustand zu überhöhtem Preis… Der CC sollte die Scirocco-Kunden abholen, die gerne eine grosse Heckklappe wollten, wurde aber in keinem Lager akzeptiert

Hinzu kommt hier: Die Ersatzteilversorgung ist gar nicht einmal so gut, wie man meinen würde. Noch schlimmer: Durch die schier abartige Vielfalt der Tuning-Szene sind getunete Exemplare praktisch nicht reparierbar: Reisst Du dir den Frontspoiler beim Einparken ab, ist nicht nur guter Rat teuer: Ersatz ist praktisch nicht mehr zu bekommen. Mantzel hält noch ein paar Fahrwerksteile bereit, Irmscher zuckt die Schultern und auch eBay ist hier kaum  mehr als ein dummes Lächeln zu entlocken…

Der Manta B Youngtimer ist auf eine schräge Weise ein Kind seiner Zeit, dem die schlimmen Besitzer-Kinder ihrer Zeit ein übles Schicksal beschert haben, das die Geschichte nicht

Bisserl geschminkt, aber nicht zu doll: Davon hätten wir gerne mehr…

einzuholen vermochte. Einen echten Youngtimer kann man hier kaum erwerben – hier reden wir schon von Museumszügen. Selbst Japanische Youngtimer-Zeitgenossen wie der Prelude oder der Celica oder der Nissan Z, die zu Lebzeiten in Germanien nie solche Stückzahlen erreichten, sind heute leichter zu bekommen und einfacher zu erhalten.

Alles in allem fällt der Manta B somit heute schlicht durchs klassische Youngtimer-Raster, was irgendwie schade ist, aber eben leider Realität der Strasse.



18 Gedanken zu „Sportler von der Stange, die Dritte: Opel Manta B

  1. Ich habe selbst einen manta b von 88 und mit Achtung auf alle Details besser und schneller als scirocco und corado alleine aus dem 2 liter s sind mit doppelvergaser usw 220 ps raus zu holen wo die meistens trägen vw motoren nur von träumen können. Der 2l ist auch auf 16v umbaubar wo noch mehr Leistung möglich ist!! ja er wurde leider ziemlich oft verbastelt aber er lässt sich auch dezent tunen und nicht umsonst beliebt in Rallye und tourenwagen serien, siehe der kissling manta aus der vln Langstrecken Meisterschaft der heute noch in sp3 vielen aktuellen modellen davon fährt!!

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