Youngtimer und Neuwagen: Lada Niva

Es gibt nur zwei Wagen, die gleichermaßen als Youngtimer, im Grunde schon Oldtimer verfügbar sind – und dennoch als Neuwagen gekauft werden können: der Landrover Defender und der Lada Niva – beides Geländewagen vom harten zähen Schlag.

Den Kommentar „Und was ist mit der G-Klasse“ lassen wir nicht gelten, da die technisch mit all ihren neumodischen Finessen und Sicherheitssystemen so weit vom Original entfernt ist wie der Golf IV vom Käfer. Der Lada Niva hingegen, der hat sich im Grunde nie verändert. In dieser stoischen Eigenschaft schlägt er sogar den Lada, bei dem die Russen wenigstens für den Zuschauer hier und da mal ein Ecke geändert, die Chrom-Applikation mal mehr zur Mitte, dann wieder mehr nach außen geschoben haben – und sich sogar die Mühe gemacht haben, den Wagen immer wieder unter neuen lustigen nichtssagenden Namen durch den Gorki Park flanieren zu lassen.

Selbstbewusstsein der anderen Art

Der Niva hingegen wurde 1976 der Öffentlichkeit im Prinzip so vorgestellt, wie er heute noch vom Band läuft – das hat schon Klasse; da waren viele, die diese Zeilen hier jetzt gerade lesen, noch nicht einmal auf der Welt. VW baute noch den Golf 1, Mercedes den Strichacht und der Opel Kadett hatte noch Heckantrieb. Ein innerer Zwang germanischer Regeltreue möchte da beinahe hinten im Kopf den Streber-Finger aus der Physik-Stunde heben und sagen „Ja ist das denn dann überhaupt ein Youngtimer, wenn er noch gebaut wird?“ – dann aber sagt man sich: „Hey, komm – es sind Russen – die stellen sogar alle paar Jahre einen NEUEN Youngtimer der Öffentlichkeit vor…

Tatsächlich geisterte vor einigen Jahren mal ein neue Niva durch die Presse – wurde gar schon von der Off-Road getestet, wanderte dann aber rüber zu Chevrolet, um dort zunächst modifiziert und schließlich verbogen zu werden, um ihn dann sterben zu lassen.

Eintrittskarte: Pelzmütze. Niemand kann sagen, warum dieser lässige Alleskönner uns stets vorenthalten wurde – aber wer hat schon sozialistische Prinzipien verstanden?

Den Russen juckt’s nicht, denn einerseits kann der Niva was, andererseits gönnt man ihnen schon seit Jahrzehnten auch den coolen langen Viertürer. Der – kurios genug – bei uns erst seit 2010 eingeschränkt offiziell zu haben ist, obwohl immer mal wieder einer durch den eisernen Vorhang schlüpfte. Dann verschwand er mal wieder aus dem Programm, kam wieder, verschwand wieder, tauchte mit einem alten Peugeot Diesel wieder im Grau-Import auf and so on and so on…

auch in gehobenen Kreisen zuhause: Lada Niva

Einen wirklichen Youngtimer Niva zu erwerben – also aus den frühen Baujahren, erkennbar an den flachen Rückleuchten – ist in Deutschland langsam aber sicher unmöglich geworden. Nach der Wende sah das zeitweilig anders aus – aber die 80er Jahre Modelle aus der DDR und Polen sind längst ausgestorben. In Russland und den wie auch immer heute benannten Nachfolgesplittern der UDSSR hat man gute Chancen – aber da muss man schon ein echter Fan sein. Zumal – und hier wird es dann erneut wieder skurril – der Lada Niva als Youngtimer vielleicht 4000 Euro kostet, neu offiziell knapp 12.000, realistisch aber als Grau-Import zum reellen Straßenpreis von 8000€ gehandelt wird. [verlässlicher Partner hierfür seit Jahren: Auto Thurn in Kronach– nette Leute].

So stellt man sich bei Lada Deutschland offizielle Presse-Photos vor… Mei – hier wird halt auch gespart…

Da kann man nicht meckern: immerhin gibt es dafür permanenten Allradantrieb, eine Karosserie, mit der man ernsthaft ins Gelände gehen kann und nicht nur erfahrene Förster, sondern auch vor allem SUV-Jünger, die das fünffache ausgegeben haben, bei Schnee und Matsch vor Neid ergrünen lassen kann.

Das hat schon irgendwie Klasse.

Coolness-Faktor gibt es on Top, zumal dann, wenn der selbstbewusste Aufkleber MADE IN RUSSIA quer über die Heckscheibe tapeziert wird. Das gibt Sonderpunkte. Und das alles zu einem Preis, bei dem selbst der Dacia Duster blass wird.

Da sagen selbst wir: Einen Youngtimer zu kaufen, macht da im Grunde keinen Sinn.

top aktuelle Kriegsbemalung

Hier kommt praktisch das beste beider Welten zusammen: einfache, überschaubare Youngtimer-Technik, aber wenn du ein Faltdach, eine Standheizung oder unverzichtbares Zubehör wie einen Gewehrhalter brauchst, bestellst Du es einfach mit.

Nur eins bietet Lade nicht an: Metalliclack. Warum?

Hm… – ganz einfach: Warum sollten sie? Hä, noch Fragen?!

Alternativ kann man diesen Youngtimer sogar leasen. Das mag unter vielen Gesichtspunkten nicht mal dumm sein. 2000 Euro Anzahlung und eine lächerliche Leasingrate um 140€ können Argumente sein. Auch dahingehend, dass man den Wagen dann nach 2 oder 3 Jahren einfach wieder zurückgeben kann.

Der kurze Traum vom zeitgemäßen Nachfolger blieb zum Glück unerfüllt…. aber Träumen wird man ja dürfen

Das kann klug sein, denn trotz einfacher und robuster Technik, bedarf speziell das Getriebe durchaus ein wenig Liebe und ist seit 30 Jahren dafür bekannt, dass es sich mit jedem Jahr schlechter schalten lässt.. Die Bremsen  und die Kupplung kommen seit 10 Jahren von einem europäischen Zulieferer und sind seitdem auch deutlich besser als etwa beim Baujahr 1987, das einen charmanten Youngtimer-Jahrgang darstellen würde. Insgesamt braucht der Lada eh ein wenig Liebe: Sein Fahrverhalten ist wirklich ruppig und rau und auch auf Nässe nicht immer die wahre Freude. Aber dennoch vermittelt einem das ganze einen altertümlichen Spaß.

Alles in allem ist der Niva heute tatsächlich in seiner speziellen Nische immer noch ein ganz guter Kauf – schrullig, knorrig im Fahrverhalten, ESP-Verweigerer und nichts für Airbagzähler – aber das sind wir ja alle nicht.

Und wo sonst bekomme ich einen Youngtimer mit Garantie?



20 Gedanken zu „Youngtimer und Neuwagen: Lada Niva

  1. Könnt ihr eine Einschätzung dazu abgeben, wie Zuverlässig der Taiga (so heißt das Ding bei uns in Ösistan) wirklich ist?

    Einerseits ist es ein Neuwagen, sollte also doch problemlos 4 oder 5 Jahre Alltagsbetrieb ohne Werkstattaufenthalte schaffen.

    Andererseits hat wohl jeder das Vorurteil (?) der mies zusammengebastelten Russenkiste im Hinterkopf, die nur für Bastler und talentierte Schrauber taugt.

    L

    1. Allerdings: Der Wagen ist im Kern mehr als robust. Die Bremsen sind erstaunlich verschleißarm, der Motor geht mir Dir durch dick und dünn. Problematisch sind – leider auch bei neuen Wagen: Hakelige Getriebe, die mit viele Liebe behandelt werden wollen – und noch schlimmer: Die Untersetzung. Der Rest ist eher Durchschnitt – in Relation zum Preis dadurch ja eher gut.
      Wer japanische Getriebe gewohnt ist, wird mit dem Lada schnell unglücklich…
      Erfreulich gut: Achsen und Lenkung.
      Fair betrachtet muss man sagen: Ein Gebrauchtwagen für’s selbe Geld kann im Regelfalle auch nichts besser und birgt noch das Risiko schlechter Behandlung durch den Vorbesitzer. Und obendrein hat der Lada [zumindest in Deutschland] noch einen wirklich geringen Wertverlust.

  2. Wir haben Landwirtschaft und hatten bisher 3 davon.

    Kann nicht sagen wieviele anderen Leute wir damit schon aus dem Feld rausgezogen haben.

    Auf der Autobahn bekommt man ab 120 eher Angst aber im Gelaende geht die Kiste richtig ab.

    Auch Steigungen in Laengsrichtung top, quer ist nicht so zu empfehlen, wie beim Schlepper.

    Und wir haben die Dinger geritten…

    Wobei, die Woelfe vom Bund sind vom Getriebe her fertiger.

    Von Putin seinem laesst sich uebrigens ein Atomkrieg fuehren…

  3. Um mal bei den Geländewagen zu bleiben… Suzuki hat auch einen Youngtimer im Programm: Den Jimmy. Der hieß zwar früher in Deutschland SJ, hat sich aber auch in mehr als 30 Jahren fast nicht verändert. Schon in der Serienausstattung ist der kleine Würfel ein sehr geländegängiges Fahrzeug. Ein gute Alternative Lada !

  4. Der Lada Niva war früher der X5 der DDR. Da warn die Russen wirklich früh dran mit einem SUV. Danach sind alle auf den Zug aufgesprungen und haben SUV gebaut.Ich fand das Ding immer gut.

  5. kleines Update: den 5-Türer gibt es nun “endlich” auch bei uns zu kaufen. Wir offiziell auf der Homepage von Lade beworben…

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