Die GTI-Gang II/XII: Lancia Delta Integrale: Die Pepsi-Herausforderung der GTI-Szene

Einfach nur whow – auch heute noch: Youngtimer Lancia Delta Integrale zum Porsche-Preis

Es gibt nicht viele Fahrzeuge, bei denen der interne GTI am Ende eine eigene Gattung wird und völlig vergessen macht, dass er eigentlich die Ableitung, basierend auf einem biederen Bruder war – und nicht etwa umgekehrt.

Beim Lancia Delta ist das geschehen: der steht in der kollektiven Youngtimer-Erinnerung der Völker nur für Sport. Dabei gab es tatsächlich ein nicht ganz unelegantes Basismodell…

Schaut man sich das Basismodell jedoch an und stellt die Macho-Sport-Ausgabe daneben, fragt man sich beinahe, warum Lancia dafür denselben Namen verwendet hat, denn da steht im Grunde kein Stein mehr auf dem anderen: Aufgeplusterte Kotflügel strotzen vor Adrenalin und verkünden in der Verbindung mit den starrenden runden Augen, dass Du dem Bodybuilder im Rückspiegel besser platz machst – UND ZWAR SOFORT!

Überholprestige ist eine echte Stärke des Delta Youngtimers in seinen Sportversionen… Zurecht – was Lancia hier an Sportlichkeit auf die Beine gestellt hat, war sicherlich der konsequenteste Entwurf der gesamten Kompaktklasse dieser Zeit. Heute möchte man vielleicht der WRX STI oder den EVO von Mitsubishi anführen – in der Youngtimer-Szene jedoch hat der Delta denen ein bequemes Jahrzehnt Lebenserfahrung voraus.

Sicherlich war das einer der Gründe, warum der Wagen es in das Computerspiel 4DSports Stunt Driving schaffte, in denen sonst nur krasse Oberklassesportler vorhanden waren – dennoch war der Integrale hier auf Schneekursen stets erste Wahl!

Und so war es auch in der Realität. Ein Integrale-Fahrer ist schlimmer als ein durchschnittlicher Subaru-Fahrer: Er wartet auf den nächsten Schnee, sehnt in förmlich herbei, denn hier fährt sich der Youngtimer integrale auch heute noch wie ein gut ausbalanciertes Computerspiel. Ein absoluter Traum für Quertreiber: der kontrollierte Drift. Was Lancia hier an Fahrverhalten erzeugt hat, suchte lange Zeit seinesgleichen und fand es eben erst später in den WRX STIs und EVOs dieser Welt. Aber bis dahin war der Integrale der wohl coolste Teilnehmer der GTI-Bunch – klein, handlich, wendig und heftigst übermotorisiert.

Das schlug sich allerdings auch im Preis nieder, der ganz erheblich über dem eines profanen Golf GTI oder Escort XR lag.

Die klassische Revierfarbe, wenn er nicht im Weissen Ralley-Kleid daherkam

Auch heute sind die Preise der Youngtimer entsprechend hoch. Wobei man hier in Betracht ziehen muss, dass die meisten angebotenen Modelle sich im Regelfalle im echten Liebhaberzustand befinden.

Obwohl der Lancia beispielsweise zu Rost neigte, was man an den normalen Versionen schnell beobachten konnte, die im Prinzip komplett verschwunden sind, sind die Delta Integrale Modelle, die man heute noch als Youngtimer kaufen kann, im Regelfalle eher metallisch solide. Aber die Preise sind eben auch solide: In Italien sieht man hier und da noch  Exemplare unter 10.000€ – der Schnitt liegt eher in der Range von 20.000 – 30.000€.

Einfach mal so auf dem Gebrauchtwagen-Hof findet man diesen Youngtimer so gut wie nie…. Kein Wunder bei den Preisen.

Die Modelle, die wir in der Range probe gefahren haben, waren qualitativ tatsächlich ihr Geld wert, wenn man so will, aber dennoch muss man sich bewusst sein, dass man hier von einem Klassiker spricht, der bereits weit über seinen ursprünglichen Anschaffungskosten angekommen ist.

Völlig anders ticken hier ein paar der Europäischen Märkte: Holland, Dänemark und Österreich kennen zahlreiche Exemplare unter 10.000€ in mehr als akzeptablem Zustand. Hier muss man sich beinahe fragen, ob der Import solcher Youngtimer nicht schon ein Wirtschaftsmodell an sich ist, bei dem nicht viel schief gehen kann. Der Deutsche und der Italienische Markt jedenfalls haben hier einen Peak erreicht, der eigentlich kaum noch wirklich zu rechtfertigen ist: Für diese Preise bekommt man auch gute 911er…

Aber zugegeben: im Verhältnis zum Integrale hat den irgendwie jeder…



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